Comedy-Festival

Skandal-Auftritt von Comedian: Zuschauer verlassen Amphitheater Hanau

Ein Paradiesvogel: Kay Ray provozierte bei seinem Auftritt im Amphitheater, blieb diesmal aber angezogen und nüchtern.
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Ein Paradiesvogel: Kay Ray provozierte bei seinem Auftritt im Amphitheater, blieb diesmal aber angezogen und nüchtern.

Bereits zum siebten Mal hat Stephan Bauer sein „Comedy-Festival“ in Hanau – dieses Mal im Rahmen von „HanauDaheim – der Sommer“ im Amphitheater präsentiert. Ein Paradiesvogel sorgte mit seinem Auftritt für drastische Reaktionen.

  • In Hanau findet das „Comedy-Festival" im Amphitheater statt.
  • Kabarettisten überzeugen auch mit Witzen unter der Gürtellinie.
  • Dann sorgt ein Skandal-Comedian mit seiner Show für heftige Reaktionen.

Hanau – Rund 100 Gäste hatten auch die abendlich immer noch sehr hohen Temperaturen nicht gescheut und sich, ausgerüstet mit kalten Getränken, in Corona-gebührlichen Abständen auf den vorgesehenen Plätzen niedergelassen, um neben Bauer, dem Mann mit dem „bemitleidenswerten“ Dackelblick, auch Programmauszüge des jungen Kölner Stand-Up-Comedians Tobi Freudenthal und des Hamburger Paradiesvogels Kay Ray, laut eigenem O-Ton „scheinbisexueller Ex-Exhibitionist und Resterampensau“, zu erleben.

Hanau: Comedian liest bei Show im Amphitheater von Blättern ab

Stephan Bauer, der durch deutsches Comedy-Fernsehen wie in Hanau durch seine Live-Auftritte kein Unbekannter ist, machte den Anfang mit seinem bekannten Programm „Vor der Ehe wollte ich ewig leben“, das er wohl um ein paar neue Gags ergänzt hatte, denn er hatte während des ganzen Vortrags immer seine DIN A4-großen Notizblätter in der Hand, auf die er nach jedem zweiten Satz nicht nur einen kurzen Blick werfen musste.

Das tat dem Spaß grundsätzlich keinen Abbruch, wurde aber in der Pause auch von einigen Besuchern als „wenig wertschätzend“ moniert.

Hanau: Szenen einer Ehe – Comedian sorgt im Amphitheater für Lacher

Bauer jammerte wie üblich genüsslich eine Runde über seine Frau, sein mangelndes Sexualleben („Keinerlei Verkehrsmeldungen!“) und die daraus resultierende Ehekrise. Der Comedian, der nach wenigen Sekunden seinen Gästen die ersten „mitleidig“ grinsenden „Oooooh’s“ entlockte, präsentierte sich selbst als „ängstlicher Typ“. Er fahre auch angeschnallt durch die Waschstraße. „Deshalb werde ich im nächsten Leben Kaffeevollautomat, damit mich mal jemand drückt“, so Bauer.

Beziehungsmüdigkeit kenne heute jeder, erklärte Bauer. „Wenn man nach zehn Jahren ratlos in das Gesicht des Partners schaut und sich klar wird: Vor der Ehe wollte ich ewig leben.“ Fast jeder hatte mal so seine Träume von einem glücklichen und erfüllten Dasein. Und was sei davon übrig?

Witze unter der Gürtellinie im Amphitheater Hanau

„Mit 25 heiratet man den Menschen, der einem den Verstand wegbu… - und mit 50 stellt man fest: Es ist ihm gelungen“, räsonierte er. Seine manch- mal sezierenden, manchmal etwas selbstironisch plump unter der Gürtellinie landenden Schlussfolgerungen und Pointen goutierte das Hanauer Publikum mit viel Gelächter und Applaus.

Trotz aller Unkerei und Sprüche über Fremdgehportale, sexuelle Frustrationen und das tägliche Ehe-Einerlei sang Bauer am Ende doch ein Loblied auf die Institution Ehe. Die wichtigste Regel sei die Treue. „Viele Menschen können das nicht. Warum eigentlich nicht? Bei Tieren funktioniert das doch auch. Pinguine sind sich ein Leben lang treu – aber die sehen halt auch alle gleich aus…“, bemerkte der Kabarettist lakonisch.

Amphitheater Hanau: Comedian aus Köln überzeugt

Der Kölner Tobi Freudenthal, ein echter Schnellsprecher, gefiel unter dem Motto „#inecht. einfach ehrlich“ mit seinen auf den ersten Blick banalen Alltagsgeschichten und absurden Interpretationen von Wahrgenommenem auf die etwas leisere Art. Dabei kennen die Fantasiegeschichten des Gewinners des „Stuttgarter Comedy Clash Dezember 2019“ und des „16. Quatsch Comedy Club Talentschmiede“ keine Grenzen.

Bei ihm ging es vom Martyrium, das man des Nachts neben einem Schnarcher erdulden muss, über seinen Horror vor Spieleabenden mit „Pärchen“ bis zu den absurden Ausuferungen, die gesellschaftlich aufgezwungener Smalltalk wie der klassische „Mahlzeit“-Ruf über den Büro-Korridor hervorrufen kann.

Skandal-Comedian provoziert heftig bei Auftritt in Hanau

Dann war es Zeit für Kay Ray, den bisexuellen Ex-Friseur und singenden Comedian, der viele Jahre immer wieder im Culture Club für ein ausverkauftes Haus gesorgt hat. Aus Berufung und Leidenschaft ist er seit fast 30 Jahren eine schillernde Figur, die das gesamte Genre mitgeprägt und beeinflusst hat.

Der Comedian ist bekannt für provokante „Exzesse“ auf der Bühne und ein rotzig-charmantes „Bye, bye political correctness“-Gebaren und ließ sich auch diesmal diesbezüglich „nicht lumpen“ was seine Gags und Geschichten anging, allerdings ohne dabei Bier zu trinken, Kette rauchen, sich nackig zu machen und mit seinem besten Stück Tierfiguren zu formen.

Trotzdem reichte sein Verhalten dafür, dass einige wenige Gäste die Show verließen, während die meisten anderen den Comedian mit viel Applaus und Gelächter feierten.

Amphitheater in Hanau: Skandal-Comedian Kay Ray pfeift auf Political Correctness

So unterhielt er sein Publikum schwadronierend und singend – mal zotig laut, mal sentimental leise, aber immer authentisch und nahm sich unter anderem die Wirren der Political Correctness in Verbindung mit den Feinheiten der deutschen Sprache vor: Sollte zum Beispiel das gute, alte Zigeunerschnitzel nun zugunsten des Sinti-Schnitzels mit Roma-Sauce abtreten?

Auch der Umgang mit der zunehmenden Zahl an Geschlechtern – männlich, weiblich und transgender – beschäftigte den Künstler, und er zeigte sich genervt von der Einteilung von Menschen in Gruppen, sei es gesellschaftlich, politisch, religiös oder sexuell. Für ihn gäbe es nur zwei Gruppen: Menschen und Arschlöcher.

Skandal-Comedian Kay Ray polarisiert auch im Hanauer Amphitheater

Trotz politischer und kabarettistischer Anwandlungen war ebenso der „alte“ Kay Ray auf der Bühne zu hören und zu sehen, wenn er dem Publikum – süffisant grinsend – noch einige Witze „untenrum“ entgegenschleuderte.

Aber nicht selten zeigte sich Kay Ray auch sentimental. Vor allem in den Songs, wie Amy Macdonalds „This is the Life“, die er gefühlvoll interpretierte und dabei das Publikum zum Armeschwenken und Mitklatschen animierte.

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