Stöffche ist ein Stück Kultur

Hessens erstes Apfelweinmuseum öffnet bald seine Türen

Bembel, Gerippte und Deckel stehen für die ganz besondere hessische Apfelwein-Zeremonie, erläutert Apfelweinexperte Jörg Stier. In Hessens erstem Apfelweinmuseum spielen diese Exponate deshalb eine wichtige Rolle.
+
Bembel, Gerippte und Deckel stehen für die ganz besondere hessische Apfelwein-Zeremonie, erläutert Apfelweinexperte Jörg Stier. In Hessens erstem Apfelweinmuseum spielen diese Exponate deshalb eine wichtige Rolle.

Hanau - Ob man nun Apfelwein, Äppler oder Äppelwoi dazu sagt: fest steht, dass das Stöffche weit mehr als nur ein Getränk, vielmehr ein schmackhaftes Stück hessische Kultur ist. Von Laura Hombach 

Diese soll künftig im ersten Apfelweinmuseum Hessens, das am Hanauer Heumarkt entstehen soll, gepflegt werden. Schon seit etlichen Monaten geplant, wurde gestern mit der Übergabe eines Fördermittelbescheids des Main-Kinzig-Kreises der Startschuss für das Museum gegeben. Treibende Kraft hinter Hessens erstem Apfelweinmuseum ist das Apfelwein-Centrum Hessen, Verein zur Förderung regionaler Apfelweinkultur, kurz ACH!, mit seinem Vorsitzenden Jörg Stier. Anliegen des Vereins sei es, die Historie des Apfelweins in seiner ganzen Emotionalität zu präsentierten, erklärte der Apfelwein-Experte und Maintaler Kelterer gestern bei einem Termin mit Landrat Thorsten Stolz, Erster Kreisbeigeordneter Susanne Simmler und Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

In dem Museum, das auf rund 40 Quadratmetern Fläche am Heumarkt 6, wo Stier auch den „Main Genuss Laden“ betreibt, entsteht, soll „der Apfelwein in die neue Zeit gebracht werden“, so Stier. Als Exponate werden dabei auch der weltgrößte Bembel mit einem Fassungsvermögen von 690 Litern und das größte Gerippte der Welt, in das immerhin 84 Liter Stöffche passen, zu sehen sein. Gut ausgeleuchtet und auf einer großen Faulenzer-Halterung schwenkbar montiert, sei der Bembel auch ein prima Hintergrundmotiv für ein Selfie, verspricht Stier schmunzelnd.

Doch das neue Museum soll nicht allein durch seine Exponate glänzen, vielmehr sollen die Besucher hier umfassende Informationen zum hessischen Nationalgetränk, seiner Geschichte, der Herstellung, der Ökonomie, der Ökologie, Kultur und Genuss sowie in aller Welt gekelterten Apfelweinen erhalten. Neben wechselnden Ausstellungsinhalten will der Verein auch Veranstaltungen wie Lesungen, Verkostungen, Vorträge und Kunstausstellungen anbieten.

Apfelwein sei ein Stück Heimat, ein Stück Hessen, erklärte Landrat Thorsten Stolz. Deshalb sei es dem Main-Kinzig-Kreis ein Anliegen, das Museum nicht nur ideell, sondern auch finanziell zu unterstützen. Insbesondere könne mittels des Museums auch ein Bewusstsein für die Bedeutung des Erhalts von Streuobstwiesen für den Umwelt- und Landschaftsschutz geschaffen werden, erklärten Stolz, Simmler und Kaminsky unisono. Als eine „hochmoderne Angelegenheit“ bezeichnete Kaminsky den Apfelwein und seine Herstellung unter Verwendung regionaler Produkte. Immer mehr Menschen orientierten sich heute wieder hin zu solch regionalen Produkten, konstatierte der OB erfreut. Das Museum trage dazu bei, dass man im Main-Kinzig-Kreis noch besser auf die Bedeutung regionaler Produkte aufmerksam machen könne, erklärte Simmler.

Zehn Dinge, die jeder Hesse kennen sollte

Kaminsky begrüßte insbesondere auch die Lage des neuen Museums am Hanauer Heumarkt, das in diesem Bereich der Hanauer Innenstadt einen positiven Akzent setze.

Mit Investitionskosten von rund 90.000 Euro rechnet ACH! für die Verwirklichung des Museums. Finanziert werden soll das über Spenden und Sponsoring. Wobei die Räumlichkeiten dem Verein von den Eigentümern, der Hotelier-Familie Knof, zunächst mietfrei überlassen werden. Aus den Händen von Landrat Stolz und Erster Kreisbeigeordneter Simmler konnte Stier gestern einen Fördermittelbescheid über 45.000 Euro entgegen nehmen. Der Magistrat der Stadt Hanau habe einen direkten Zuschuss von 15.000 Euro und weitere 15.000 Euro, die bei Bedarf in Form einer Bürgschaft zur Verfügung gestellt werden können, auf den Weg gebracht, erklärte Kaminsky. Noch stehe der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus, er gehe aber von einer breiten Zustimmung aus, so der OB.

Bis das erste hessische Apfelweinmuseum seine Türen öffnet, gibt es noch einiges zu tun, wie auch beim Rundgang durch die künftigen Ausstellungsräume, die derzeit noch als Lagerräume dienen, deutlich wurde. Hier muss zunächst umgebaut werden und auch die Ausgestaltung des von ACH! ersonnenen Museumskonzepts durch Museumsplaner stehe noch an, erläuterte Stier. Ende Januar, Anfang Februar 2018 hoffe man dann Genaueres darüber sagen zu können, ab wann die Goldschmiede- und Brüder-Grimm-Stadt dann auch noch zum Standort von Hessens erstem Apfelweinmuseum wird.

Der größte Bembel der Welt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare