Den Ex unter der Haut

Soll ein Tattoo weg, geht das bald nur noch beim Hautarzt

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Der Laserstrahl zerkleinert die in die Haut gebrachten Farbpigmente. Nach und nach bleicht das Tattoo aus. Irgendwann soll es ganz verschwunden sein.

Hanau – Ein Schmetterling auf dem Rücken, ein Blümchen am Fußgelenk, chinesische Schriftzeichen am Oberarm: Jeder vierte Deutsche ist tätowiert. Das ergab eine Umfrage im Jahr 2017. Von Lena Jochum

Porträts und Schriftzüge, Symbole und Muster werden mit Tinte unter die Haut gebannt, sollen an Erlebnisse erinnern oder Liebesbeweis sein – für immer. Diese Rechnung geht nicht in allen Fällen auf. Häufig ist den Tätowierten für immer dann doch zu lang, der Körperschmuck soll weg. Die Entfernung eines Tattoos passiert in aller Regel mit Laserbehandlungen. Anders als bisher dürfen die ab Ende 2020 nur noch von Hautärzten durchgeführt werden. Dann tritt die im Oktober letzten Jahres vom Bundesrat beschlossene Änderung des Strahlenschutzgesetztes in Kraft. Bislang konnten Tattoo-Entfernungen auch von Kosmetik- oder Tattoo-Studios mit entsprechendem Lasergerät vorgenommen werden. „Diese Gesetzesänderung war lange überfällig“, sagt Dr. Hans Michael Ockenfels, Leiter der dermatologischen Klinik am Klinikum Hanau, auf Anfrage unserer Zeitung. Lange Zeit habe bei Medizinern und Patienten Unverständnis darüber geherrscht, dass Lasergeräte, die die Haut bei nicht sachgemäßer Anwendung nachhaltig schädigen können, von Personen ohne entsprechende medizinische Qualifikation verwendet werden durften. Lediglich ein Laserschutzkurs war bislang erforderlich.

Dr. Hans Michael Ockenfels

Auch in der dermatologischen Klinik in Hanau sind regelmäßig Patienten in Behandlung, die ihre Tattoos loswerden wollen. „Wir führen in der Regel fünf bis sechs Tattoo-Entfernungen pro Woche durch“, sagt der Dermatologe Ockenfels. Zum Einsatz kommen in Hanau Rubin- und gepulste Neodym-Yag-Laser. Ockenfels: „Mit den neuesten Geräten sind wir jetzt auch in der Lage, Rot- und Gelbfarben zu entfernen.“ Das gelinge oft rückstandsfrei und ohne Pigmentierungsstörungen.

Entfernt werden Motive, die nicht mehr gefallen, an ehemalige Partner oder persönliche Erfahrungen erinnern. Erinnerungen, die nicht mehr länger willkommen sind. „Tätowierungen werden auch aus beruflichen Gründen entfernt.“ Als Beispiel nennt der Mediziner Polizeianwärter, die ein Tattoo am Unterarm tragen, vom zukünftigen Arbeitgeber sind die nicht gerne gesehen. „In einigen Fällen werden auch nur Teilmotive entfernt, um die neugewonnene Fläche für ein neues, besseres Tattoo zu nutzen.“

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Zwar wurde laut Ockenfels auch schon bisher ein großer Teil der Tattoo-Entfernungen von Hautärzten durchgeführt, vor allem weil die benötigten Geräte mit Anschaffungskosten von bis zu 80.000 Euro teuer sind. Die Änderung des Strahlenschutzgesetztes betrifft jedoch auch andere Behandlungsfelder, wie etwa dauerhafte Haarentfernung. Insbesondere bei solchen ästhetischen Leistungen sei nicht ausreichend qualifiziertes Personal mit günstigen Lasergeräten umgegangen, sagt Ockenfels. Der Experte zeigt sich erleichtert, dass Patienten bei Laserbehandlungen künftig besser geschützt sind.

Spielen Tätowierte mit dem Gedanken, sich den Körperschmuck bei einer Laserbehandlung entfernen zu lassen, rät der Dermatologe, sich vorab genau zu informieren. „Auf der Internetseite der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft (DDL) findet man bundesweit Spezialisten.“ Denn nur, wenn ein Profi am Werk ist, können Folgen wie Narben und Pigmentierungsstörungen verhindert werden.

Infos: hautarzt-hanau.de sowie ddl.de

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