Portrait

Sparkassen-Chef Dr. Ingo Wiedemeier zieht vor seinem Wechsel nach Frankfurt Bilanz

Wird im September Chef der viertgrößten deutschen Sparkasse: Dr. Ingo Wiedemeier an seinem Schreibtisch im Hanauer Institut, den er bald räumen wird.
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Wird im September Chef der viertgrößten deutschen Sparkasse: Dr. Ingo Wiedemeier an seinem Schreibtisch im Hanauer Institut, den er bald räumen wird.

Schon Wochen vor dem Wechsel pendelt Dr. Ingo Wiedemeier regelmäßig von Hanau nach Frankfurt. „Es gibt vor der offiziellen Amtsübernahme einiges an Übergaben zu leisten“, sagt der 49-Jährige. In wenigen Wochen wird der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Hanau Chef des viermal größeren Frankfurter Instituts. Anlass genug, um im Gespräch mit unserer Zeitung eine persönliche Bilanz zu ziehen.

Hanau – Der gebürtige Ostwestfale, verheirateter Vater zweier Kinder, lebt bereits über zwei Jahrzehnte in der Stadt an Main und Kinzig. Solange arbeitet er auch schon für die Sparkasse Hanau. Und die Familie fühlt sich hier wohl, hat Freunde und Anschluss gefunden. Deshalb bleiben die Wiedemeiers auch nach dem Jobwechsel in Hanau wohnen.

„Aufgrund meiner Funktion habe ich zahlreiche Kontakte geknüpft. Viele Freundschaften sind entstanden, die durch den beruflichen Wechsel sicher nicht belastet werden. Da die Familie in Hanau arbeitet und zur Schule geht, werden wir Teil der Stadtgesellschaft bleiben. Außerdem betreibt die Fraspa eine große Filiale in der Nürnberger Straße, die zurzeit saniert wird, sodass auch enge berufliche Bindungen bleiben. Das Rhein-Main-Gebiet ist eine ökonomisch zusammenhängende Region – die Übergänge zu den einzelnen Städten und Gemeinden sind fließend“, meint der 49-Jährige.

Euro-Umstellung als einschneidendes Ereignis für den Chef der Hanauer Sparkasse

Wenn er seine Zeit in Hanau Revue passieren lässt, fallen ihm spontan zwei Ereignisse ein: die Jahr-2000-Umstellung in Verbindung mit den damaligen technischen Herausforderungen sowie die Einführung des Euro-Bargeldes am 1. Januar 2002. „Dies waren größere Projekte, die mit großem zeitlichen Vorlauf gestartet sind und erhebliche personelle Ressourcen gebunden haben“, erinnert sich Wiedemeier.

Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind ihm eine Betriebsfahrt der Sparkasse nach Dresden im Jahr 2006 und das 275-jährige Jubiläum der Sparkasse Hanau 2013, „das wir zum Anlass genommen haben, die Historie der Sparkasse zu dokumentieren, unter anderem die Jubiläumsausstellung auf dem Bürgerfest“. Außerdem gab es viele weitere Betriebsveranstaltungen und -feiern, an die er sich gerne erinnert.

Und wie steht es um Erinnerungen im negativen Sinn? Da fällt ihm spontan der 11.  September 2001 ein. „Wir waren gerade in einer Vorstandssitzung, als uns die Nachricht von dem grausamen Anschlag überraschte.“

Viel Lob für den Chef der Hanauer Sparkasse

Für sein Wirken als Vorstandsvorsitzender, das bescheinigte ihm unlängst auch Sparkassen-Verwaltungsratsvorsitzender Claus Kaminsky, bekommt Wiedemeier durchweg gute Noten.

„Sehr zufrieden“ stimmt ihn auch selbst das Erreichen seiner vor fünf Jahren gesetzten quantitativen Ziele für 2020. „Die Ziele von 100 000 Privatgirokonten und 20 000 Depots haben wir erreicht. Dies alles war nur möglich durch das Engagement unserer Mitarbeiter sowie auf Basis der Grundlagen, die meine Vorgänger Herr Merz und Herr Restani gelegt haben und auf die nun mein Nachfolger, Herr Braun, aufbauen kann“, sagt der scheidende Vorstandsvorsitzende.

Das Sparkassen-Geschäft hat Wiedemeier dabei von der Pike auf gelernt. Zinsentwicklung, Immobilienpreise oder die EZB-Politik sind Themen, mit denen der promovierte Betriebswirt seine Gesprächspartner engagiert und mit großer Sachkenntnis fesseln kann.

Sparkasse Hanau: Wiedemeyer rechnet damit, dass die Zinsen in den kommenden Jahren im negativen Bereich bleiben

Für Anleger, die nach einem klassischen Hafen für ihr Erspartes suchen, hat er aber keine gute Prognose: „Der Zins bleibt auf absehbare Zeit abgeschafft. Ich rechne damit, dass die Zinsen in den kommenden sechs bis sieben Jahren noch im negativen Bereich verharren und erst danach die Nulllinie überschreiten werden. Dies zeigen die aktuellen Forward-Kurse, dass bedeutet Preise für Finanzwerte, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft gekauft oder verkauft werden.“

Und wie legt der Sparkassen-Chef in solchen Zeiten sein eigenes Erspartes an? „Einen Teil lege ich über Fondssparpläne in Investmentfonds an, die über verschiedene Branchen breit streuen. Darüber hinaus investiere ich in solide Dax-Titel mit einer stabilen Dividende“, sagt der Experte.

Generell hält es Wiedemeier für wichtig, Geld zu sparen – ob als Altersvorsorge, für den Kauf einer Immobilie und für andere Anschaffungen oder Modernisierungen. Wer aber ertragreich Geld anlegen wolle, müsse heutzutage umdenken.

Wertpapiere laut Chef der Sparkasse Hanau unausweichlich für langfristige Investitionen

Das klassische Sparbuch habe bei der anhaltenden EZB-Negativzinspolitik ausgedient. Wer langfristig Vermögen aufbauen oder erhalten wolle, komme an Wertpapieren nicht vorbei.

Wer regelmäßig eine feste Summe in einen Fonds investiere, kaufe in guten Börsenphasen, wenn die Kurse sehr hoch seien, automatisch nur wenige Anteile. In weniger guten Börsenzeiten mit niedrigen Aktienkursen erhalte der Anleger dagegen für die gleiche Summe viel mehr Anteile, wirbt Wiedemeier für die Anlage in Aktien.

Im Ergebnis erziele der Anleger dabei einen attraktiven durchschnittlichen Kaufkurs. Mit dieser Methode profitiere er sogar von Kursschwankungen am Aktienmarkt und müsse diese damit auch nicht fürchten.

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