Staatliche Zeichenakademie schließt Altbau-Sanierung ab

Spitze in Gold und Silber

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Könner bringen zehn Striche pro Millimeter auf das Metall, angehende Graveure üben in den modern ausgestatten Werkstätten der Zeichenakademie mit Lupentechnik.

Hanau - Nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit sind die Arbeiten zur Sanierung des Altbaus der Staatlichen Zeichenakademie abgeschlossen. Das Land hat 15,9 Millionen Euro in das Gebäude und nochmals 2,2 Millionen Euro für die Ausstattung ausgegeben. Von Erwin Diel 

Am Samstag feiert die renommierte Ausbildungsstätte für Schmuckhandwerker, Metallbildner und Graveure das Ergebnis mit einem Tag der offenen Tür (siehe Kasten unten). Auf den Tag genau vor zehn Jahren war auch der Neubau eingeweiht worden. Der 31. Januar werde ein wichtiges Datum der Zeichenakademie bleiben, sagten Direktorin Gabriele Jahns-Duttenhöfer und ihre Kollegen Benjamin Pfister und Thomas Dierks gestern bei einem Pressegespräch.

Er kenne Ausbildungsstätten für Gold- und Silberschmiede von Finnland bis Japan, von Frankreich bis Italien, ein mit der Zeichenakademie vergleichbares Ausstattungsniveau gebe es nirgends, sagte Pfister bei einer Führung durch das vom Keller bis zum Dach runderneuerte Gebäude. Das Innere des gut 135 Jahre alten Backsteingebäudes an der Akademiestraße zeichnet sich dank zurückhaltender Materialwahl und einer klaren Formensprache durch schlichte und zeitlose Eleganz aus.

Das Raumkonzept folgt dem in der Zeichenakademie gepflegten pädagogischen Ansatz der engen Verzahnung von Theorie und Praxis. So sind den verschiedenen Werkstätten Schulungsräume zugeordnet, so dass am Zeichentisch entwickelte Ideen an der Werkbank rasch erprobt werden können. Zwei Werkstätten teilen sich jeweils einen Maschinen- und einen Entwurfsraum. Lärmschutztüren und eine dämmender Spezialboden senken den Geräuschpegel. „Maschinenlärm bleibt drin,“ sagte Pfister.

Zentraler Raum mit Großmaschinen

Kortenstahl-Vitrinen gliedern die Wände der Flure, sie stellen als Material die Verbindung von Alt- und Neubau der Staatlichen Zeichenakademie her. Foto: Diel

Zentral im Gebäude untergebracht ist ein Raum mit Großmaschinen, wie sie die Metallbildner benötigen. Im Keller gibt es eine voll eingerichtete Schmiede mit Feuer und schwerem Hydraulikhammer. Neben den in der Metallbearbeitung seit Jahrhunderten bewährten Werkzeugen, arbeiten in der neuen Zeichenakademie auch Computer. Entwürfe können am Bildschirm gezeichnet, auf 3-D-Druckern als Modell hergestellt und in der Lackierwerkstatt mit Farbe beschichtete werden. Fertige Stücke werden im eigenen Fotostudio abgelichtet. Ätzen, galvanisieren, emaillieren in vier Großöfen ist ebenso möglich wie die Radierung in einer Tiefdruckwerkstatt. Die Einrichtung hat die Schule selbst eingekauft. 5900 Produkte vom 10-Euro-Werkzeug bis zum Laserplotter ausgeschrieben und bestellt.

Die neuen technischen Möglichkeiten erlauben es, die Ausbildung weiter zu profilieren. Vom Gebäude werde sich die Aufmerksamkeit der Akademie nun noch mehr auf die Studieninhalte richten können, hieß es gestern.

Beim Umbau war auf Vorschlag der Schule das ursprüngliche Konzept, die Fundamente abzusenken, zugunsten des Dachausbaus geändert worden. Unter dem Kellerboden traten bei den Arbeiten Fundamente und Mauern zutage, deren Bedeutung teils bis heute nicht bekannt ist. Möglicherweise handelt es sich um Schächte, mit denen dem Schulgebäude Frischluft zugeführt wurde. Gitter im Boden erlauben heute einen Blick auf das alte Mauerwerk, das auch in Räumen und Fluren unverputzt zu bewundern ist.

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