Überraschung am Landgericht

Brutale Messerattacke in Hanau: Drei Männer wieder auf freiem Fuß – Richterin mit klarer Drohung

Drei Männer sind nach einer blutigen Massenschlägerei in Hanau festgenommen worden. Zum Verhandlungstag erschienen sie überraschend pünktlich – aber ohne ein entscheidendes Detail.

Hanau - Prozessbeobachter haben diesen Schritt bereits erwartet, denn bei der Justiz gibt es zwischen „dringend“ und „hinreichend“ einen großen Unterschied. So kann gegen einen Verdächtigen ein hinreichender Tatverdacht bestehen. Das führt meist zu einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft. Liegt gegen einen Angeklagten jedoch ein dringender Tatverdacht vor, kann er bis zum Abschluss des Prozesses in Untersuchungshaft sitzen.

Schlägerei in Hanau: Taten immer schwerer zuzuordnen

Die drei Männer im Alter zwischen 24 und 26 Jahren haben seit Mai 2020 hinter Gittern gelebt, sind wegen versuchten Totschlags angeklagt. Doch jetzt befinden sie sich auf freiem Fuß. Nach dem bisherigen Verlauf des Mammutprozesses, der bis zum Juli terminiert ist, haben zahlreiche Zeugen ausgesagt. Doch nun scheint der Vorwurf des versuchten Totschlags nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen. Zwar gibt es keinen Zweifel, dass es am Abend des 28. April zwischen Albanern und Syrern zu einem Gewaltexzess in der Innenstadt gekommen ist, der direkt vor dem Klinikum einen blutigen Showdown fand. Doch es scheint immer schwieriger, den Angeklagten, die zum Teil selbst schwer verletzt worden waren, die jeweiligen Taten zuzuordnen.

Dennoch ist die Entscheidung der Kammer, die Haftbefehle aufzuheben, überraschend, denn der Antrag kommt nicht von den Verteidigern, deren zwei Lager sich in den vergangenen Prozesstagen gegenseitig beharkt hatten. Es war die Staatsanwaltschaft, die sich zwischenzeitlich an das Gericht gewandt und die vorläufige Freilassung des Trios beantragt hatte. „Ein dringender Tatverdacht besteht gegen diese drei Angeklagten derzeit nicht mehr“, erklärte Staatsanwalt Markus Jung.

Sieht bei drei Angeklagten derzeit keinen dringenden Tatverdacht mehr: Staatsanwalt Markus Jung sorgt für eine Überraschung im Mammutprozess.

Schlägerei in Hanau: Nur noch ein Mann in Untersuchungshaft

Die insgesamt neun angeklagten Männer aus den zwei rivalisierenden Gruppen haben sich im zum Gerichtssaal umfunktionierten und von einem Großaufgebot von Wachtmeistern bewachten Raum des CPH bislang sehr ruhig verhalten. Das soll so bleiben, wie die Vorsitzende Richterin Dr. Katharina Jost hofft.

Sie macht deutlich, dass die Strafkammer keine Provokationen im Gerichtssaal duldet. Sie wisse, dass die Entscheidung, drei der albanischen Angeklagten auf freien Fuß zu setzen, „keine flächendeckende Begeisterung“ auslösen“ werde. „Wir hoffen, dass es hier weiter friedlich zugeht“, so die Vorsitzende, die eine klare Ansage hinzufügte: „Sollte es nur einen Hauch einer Aggression geben, dann werden wir nicht lange fackeln.“ Nachdem die drei aus Albanien stammenden Männer nun freigelassen wurden, befindet sich nur noch der 26-jährige Syrer Azad S. in Untersuchungshaft. Er ist als der „Wildpinkler“ identifiziert worden, der auf dem Freiheitsplatz durch sein unflätiges Benehmen die Aggressionen auf beiden Seiten ausgelöst haben soll.

Schlägerei in Hanau: Wird der Prozess kürzer als geplant beendet?

Wie gestern bekannt wurde, ist S. nicht das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wegen einer massiven Bedrohung sowie einer gefährlichen Körperverletzung hat er bereits Einträge im Vorstrafenregister. Vieles deutet darauf hin, dass der Mammutprozess schneller als bislang geplant beendet werden könnte. So folgten Staatsanwaltschaft und die neun Verteidiger dem Vorschlag der Kammer, hinter verschlossenen Türen über den weiteren Fortgang des Prozesses zu beraten. Der Prozess wird fortgesetzt

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Thorsten Becker

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