„Eine gute Eroberung gemacht“

Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten „700 Jahre Stadtrechte Steinheim“

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Mit lateinamerikanischer Musik der Gruppe Canelazo wurde der Empfang in der Kulturhalle zum Auftakt des Steinheimer Stadtrechte-Jubiläums untermalt.

Mit einem Jahresempfang des Ortsbeirats wurde am Samstag das Jubiläum „700 Jahre Stadtrechte Steinheim“ eröffnet. Die Festrede zum Auftakt des Jubiläumsjahres hielt Dr. Alexander Demandt (Altenstadt).

Steinheim - Der 83-jährige Historiker erläuterte den weit mehr als 200 Zuhörern in der Kulturhalle „Was es bedeutet Stadtrechte zu bekommen“. Dem Festvortrag gingen Grußworte von Ortsvorsteher Klaus Romeis und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky voraus.

Hanau habe mit der Eingemeindung Steinheims 1974 „eine gute Eroberung gemacht. Damit war der Main nicht mehr Grenze, sondern unser gemeinsamer Strom“, begrüßte Ortsvorsteher Klaus Romeis die Gäste. „Die vielen gemeinsamen Feiern fördern die Kontakte untereinander. Erlebnisse und gemeinsame Erinnerungen stärken unser Zusammengehörigkeitsgefühl“, blickte er zudem auf die kommenden Veranstaltungen zum Jubiläum.

Dass die Steinheimer gemeinsam und über Parteigrenzen hinweg an einem Strang ziehen, mache es so besonders, sagte OB Kaminsky, der die Schirmherrschaft über die Jubiläumsveranstaltungen übernommen hat. Er prognostizierte, dass die anstehenden Feierlichkeiten ein weiteres Stück Steinheimer Identität schaffen und die Gemeinsamkeit stärken werden.

„Kunst und Kultur im öffentlichen Raum sind besonders geeignet, die Unterscheidbarkeit von Städten herauszuarbeiten. Ihr Flussgott-Denkmal wird es weltweit nur ein einziges Mal geben, und es ist vielleicht bald schon ein beliebtes Selfie-Motiv“, sagte der Rathauschef außerdem zu der vereinzelt geäußerte Kritik an der „Flussgott“-Skulptur, die im November im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten vor der Kulturhalle aufgestellt werden soll.

Alexander Demandt

„Das Feiern von Stadtjubiläen geht auf die Römer zurück“, eröffnete dann Historiker Demandt seine Festrede. Ab dem Jahre 1300 habe auch der Vatikan unter Papst Konstantin derartige Jubiläen gefeiert. Man fand am Feiern solcher Jubiläen großen Gefallen, sodass man sie erst im Abstand von 50, dann von 33 und später von 25 Jahren als „Erinnerung an bemerkenswerte Ereignisse“ wiederholte.

Das Original-Dokument – zehn Zeilen auf einer Pergamentrolle – mit dem König Ludwig, der Bayern am 4. Dezember 1320 dem florierenden Ort Steinheim am Main das Stadtrechtsprivileg verlieh, befindet sich im Staatsarchiv Würzburg. „Hanau hat übrigens seine Stadtrechte gerade mal 17 Jahre früher verliehen bekommen, es aber versäumt, sein 700-Jähriges zu feiern“, sagte der Historiker, der damit die Lacher des Auditoriums auf seiner Seite hatte.

Trotz wechselnder Besitzverhältnisse wurden Steinheim in den 700 Jahren niemals die Stadtrechte aberkannt, sagte Demandt, der auch erläuterte, dass die Verleihung der Stadtrechte an das einstige Groß-Steinheim mit etlichen Privilegien verbunden war. Hierzu gehörten die Erlaubnis zum Bau einer Stadtmauer, eine Gerichtsbarkeit, das Münzrecht, die Bürgermeisterwahl, die Erlaubnis zum Fischfang im Main, das Recht Märkte durchzuführen oder Zoll für die Main-Schifffahrt zu erheben, so Demandt, der für seine Ausführungen viel Beifall erhielt.

VON HOLGER HACKENDAHL

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