Alle(s) für die Königin

Dr. Philipp Mörschel wacht über 13 Bienenvölker

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Seit zehn Jahren ist Dr. Philipp Mörschel begeisterter Hobbyimker. Mittlerweile besitzt er 13 Bienenvölker. Mehrmals wöchentlich schaut er, ob es seinen Bienen gut geht.

Er produziert echten „Staanemer Honig“: Hobbyimker Dr. Philipp Mörschel ist vor zehn Jahren auf die Biene gekommen. Mittlerweile nennt er auf dem weitläufigen Wiesengrundstück am Brückfeldgraben unweit des Mains 13 Honigbienenvölker sein Eigen.

Hanau – Die fleißigen Insekten in den Holz- und Styrodurkästen stehen, vor der Mittagssonne geschützt, unter Kastanien in Richtung Osten ausgerichtet. So bekommen die Bienen die Morgensonne ab und können schon früh zur Pollen- und Nektarsammlung ausschwärmen.

„Ich habe mich schon in meiner Jugend für Staaten bildende Insekten interessiert. Mit der Lupe habe ich damals Ameisen beobachtet“, erzählt der 38-jährige Imker während ein sanfter Brummton in der Luft liegt. Vor zehn Jahren hat Mörschel schließlich seine Liebe zu den Bienen entdeckt. Und mit den Jahren wurden es immer mehr Bienenvölker, die er betreute. Erst vor Kurzem hat der Steinheimer einem weiteren Bienenvolk ein neues Zuhause gegeben. Eine Jungkönigin war mit einem Teil des Bienenvolks ausgeschwärmt und hatte sich als Bienentraube an der Peter und Paul-Kirche niedergelassen. Hobbyimker Mörschel wurde angerufen. Er konnte die Jungkönigin in eine spezielle Box verbringen, ihr Staat folgte und wurde schließlich nach Steinheim gebracht. „Das neue Bienenvolk hat sich hier super eingelebt. Die Bienen bauen schon die Wachswabenstrukur, um Honig einzulagern“, freut sich der Imker über die gelungene Umsiedlung.

„Dreißig- bis vierzigtausend Bienen hat ein Volk zu Hochzeiten im Sommer, im Winter sind es nur noch bis zu zehntausend“, weiß Mörschel, der Ende Mai den ersten Honig 2020 ernten will. „Frühlingsblütenhonig mit Apfelblüte“ wird er ihn nennen. „Bei der zweiten Ernte im Juli wird es Sommerblütenhonig mit Lindenblüte sein“, sagt der „Steinheimer im Herzen“, der in Nidderau-Ostheim aufgewachsen ist. Zwischen 30 bis 40 Kilogramm Honig jährlich kann Mörschel pro Bienenvolk ernten.

2010 hatte der Hobbyimker mit zwei Bienenvölkern angefangen. Die hatte er von einem anderen Imker samt dessen Ausrüstung übernommen. Neben Schleier und Handschuhen, die obligatorische Schutzausrüstung für den Besuch am Bienenstock, gehören auch Werkzeuge wie Stockmeisel und Wabenzange dazu.

Bis zu 40.000 Insekten leben in einem Bienenvolk. Was wie ein wildes Durcheinander aussieht, folgt einer genauen Aufgabenverteilung im Bienenstaat.

Zur „Beruhigung der Bienen“ verwendet Mörschel in einem Smoker Trester-Rauchstoffmischungen. „Der Rauch hat weniger betäubenden Effekt, er lenkt die Bienen nur von mir ab“, erzählt Mörschel, der sich für sein Hobby mit dem Lesen von jeder Menge Bienen-Fachliteratur und der Teilnahme an einem Imkerkurs für Anfänger gewappnet hatte.

Bis zu 1000 wenige Millimeter große Stifteier legen seine Bienenköniginnen der Gattungen Karpatica und Canica im Sommer täglich. „Eier legen ist die einzige Aufgabe, die eine Bienenkönigin hat. Dafür wird sie von ihrem Hofstaat mit eiweißreichem Pollen und Honig gefüttert“, erzählt Imker Mörschel. In einem Bienenstock gebe es drei verschiedene Sorten von Bienen. Neben der Königin gibt es die für die Befruchtung etwa von Obstbäumen zuständigen und Honig sammelnden Arbeiterinnen, die den weitaus größten Teil eines Bienenstaats ausmachen, sowie die männlichen Drohnen. Deren einzige Aufgabe ist es, die Königin zu begatten, Sperma zu liefern, die Eier zu befruchten. „Drohnen sind etwas pummeliger und haben das identische Erbgut wie die Königin.“

Aus den Eiern entwickelt sich in den Wabenzellen Maden, die von den Arbeiterinnen mit Proteinsaft und Pollen gefüttert werden. Ist die Wabe schließlich „verdeckelt“ entwickelt sich im Kokon die Biene. „Vom Ei bis zum Schlupf dauert es drei Wochen“, weiß Mörschel.

Nur sechs Wochen lang ist im Sommer der Lebenszyklus einer Biene. Beim Sammeln von Nektar und Pollen schwärmt sie bis zu vier Kilometer in die Umgebung ihres Bienenstocks aus.

Sommerblütenhonig mit Lindenblüte ist eine der Spezialitäten des Steinheimer Imkers.

„Ich arbeite nachhaltig und nehme stets nur einen Teil des Honigs aus dem Stock,“ erzählt Mörschel. Auf seinem Grundstück hat der Imker Pflanzen gepflanzt, die nach und nach von Frühling bis in den Herbst hinein blühen. So ist für die Bienen für ausreichend Nahrung gesorgt. Weiden, Linden, verschiedene Obstbaumsorten, ein Honigbaum, Hibiskus, eine Himbeerhecke und Brombeersträucher bilden ein wahres Paradies für Bienen. Dazu kommen Kräuter wie Lavendel, Thymian und Rosmarin.

„Meine Familie lebt ein naturnahes Leben. Die Bienen sind da eine super Ergänzung, die Arbeit mit ihnen hat auch einen meditativen Charakter“, ist dem Imker die Begeisterung für sein Hobby anzumerken.

Neben leckerem Honig, gewinnt Philipp Mörschel als Nebenprodukte Bienenwachs, das er zu Kerzen verarbeitet, zudem heilende Propolis-Tinktur und einen Pollen-Brotaufstrich, der aber „auch gut im Müsli schmeckt“. Den gesunden „Staanemer Honig“ kann man direkt beim Imker am Brückfeldgraben 4 oder im „MaaÄppelche“ in der Steinheimer Altstadt kaufen.

VON HOLGER HACKENDAHL

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