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„Stich ins Herz hat zum Tod geführt“: Blutige Details zum Familiendrama in Bad Soden-Salmünster

In diesem Haus in Bad Soden-Salmünster soll ein 42-Jähriger seine 38 Jahre alte Ehefrau nach einem Streit erstochen haben. Foto: Thorsten Becker
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In diesem Haus in Bad Soden-Salmünster soll ein 42-Jähriger seine 38 Jahre alte Ehefrau nach einem Streit erstochen haben.

In dem Prozess um das tödliche Familiendrama in Bad Soden-Salmünster gibt es neue Erkenntnisse. Denn nun hat die Tochter der betroffenen Familie in Hanau ausgesagt.

Bad Soden-Salmünster/Hanau - Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel warnt die Zuschauer vorab. Die nachfolgenden Bilder seien nicht angenehm, da sie vom Tatort sowie aus dem Obduktionssaal stammen.

Es ist eine kleine Küche, auf dem Boden liegt eine Leiche, ringsherum Blut. „Es war der dritte Stich, der mit voller Wucht geführt worden sein muss“, ist sich Dr. Constanze Niess, die Gerichtsmedizinerin, sicher. Sie muss an diesem Verhandlungstag die blutigen Details des Familiendrams von Salmünster wissenschaftlich analysieren.

Rudolf H. (43) blickt von der Anklagebank nicht zu den Monitoren des Schwurgerichtssaals auf. Er hat den Kopf gesenkt, weint leise vor sich hin. Er ist es gewesen, der seine Frau nach 21 Jahren Ehe am 18. Februar getötet hat – daran besteht kaum noch ein Zweifel.

Landgericht Hanau: Gutachter ist sich bei der Todesursache sicher

Dr. Niess hat ebenfalls keinen Zweifel: „Der Stich ins Herz hat zum Tode geführt.“ Es habe weniger als eine Minute gedauert, bis die 38-Jährige gestorben sei. Die lange Klinge des Küchenmessers habe das Brustbein durchbrochen. Wie schrecklich der Stich gewesen sein muss, zeigt eine andere Aufnahme vom Tatort: Auf dem Tisch liegt nur ein Messergriff – die Klinge ist abgebrochen.

Die Analyse der Wissenschaftlerin bestätigt damit die Aussage der einzigen Augenzeugin in diesem Schwurgerichtsverfahren, in dem Oberstaatsanwalt Dominik Mies dem Angeklagten Mord vorwirft. Strafverteidiger Benjamin Düring hingegen geht von einem Totschlag im Affekt aus.

Die 14-jährige Tochter des Ehepaars hat das tödliche Ende des Familiendramas an diesem Morgen mit ansehen müssen. Sie schildert den Richtern, dass sie durch den lauten Streit ihrer Eltern wach geworden sei. In der Küche habe ihr Vater dann zunächst einmal auf die Mutter eingestochen, sie an der Seite jedoch nur leicht verletzt und den Angriff zunächst abgebrochen.

Tochter sagte vor dem Landgericht Hanau aus

Kurze Zeit später habe Rudolf H. seine Frau umarmt und ihr zwei weitere Stiche, darunter den tödlichen, versetzt. Ihre Mutter sei zusammengebrochen und gestorben – der Vater flüchtete zunächst und stellte sich später der Polizei in Aschaffenburg.

Diese Aussagen und die Rekonstruktion des Tatablaufs durch die Tochter werden während der Aussagen der Gutachter erneut angesprochen. „Das stimmt mit meinen Erkenntnissen überein“, sagt Dr. Niess.

Die 14-Jährige hat derweil in einer mehrstündigen Vernehmung der Kammer zahlreiche Details genannt. Allerdings wurde die minderjährige Zeugin unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen, in erster Linie, wie vom Gesetz vorgesehen, zum Schutz der Minderjährigen.

„Die Zeugin hat den Vorwurf aus der Anklage weitestgehend bestätigt“, lautet die Zusammenfassung der nicht-öffentlichen Zeugenaussage. Auch der 15-jährige Sohn hat davon gesprochen, dass sein Vater der Mutter „etwas antun würde“. Das berichtet er nicht selbst, weil er nicht gegen seinen Vater aussagen will. Dafür sitzt Ermittlungsrichter Thomas Russell auf dem Zeugenstuhl. Er berichtet über die Vernehmung des Jungen kurz nach der Tat.

Im Verfahren vor dem Landgericht Hanau kommt es darauf an, ob der Angeklagte die Tat geplant habe

Vor allem kommt es in diesem Verfahren darauf an, inwieweit H. die Tat geplant hat. Er hatte angegeben, dass die Ehe zerrüttet gewesen sei und seine Frau sich oftmals betrunken habe. Eine Zeugin aus dem Umfeld der 38-Jährigen habe keine Beobachtungen zum Alkoholkonsum gemacht.

Doch die Gerichtsmedizinerin weiß es besser: „Eine Analyse der Haare hat ergeben, dass zumindest drei Monate vor der Tat ein chronisch-exzessiver Alkoholkonsum vorgelegen hat“, so Dr. Niess. Dies spreche für die Angaben des Angeklagten.

Allerdings zeigen WhatsApp-Protokolle und Sprachnachrichten auch, dass der 43-Jährige die Tat im Vorfeld geplant haben könnte. So hat sich seine Ehefrau zwei Tage vor dem Drama an eine Arbeitskollegin und Freundin gewandt und um Rat gebeten.

Die Nachrichten lesen sich wie ein Protokoll der Angst: „Er hat meinen Sohn genommen und ist weggegangen“, heißt es an einer Stelle. Und: „Er hat mir gedroht, dass er mich umbringen wird.“ Die Freundin rät ihr dringend, sich an eine Anwaltskanzlei zu wenden, um die Scheidung einzureichen. Das macht sie und vereinbart einen Anwaltstermin für Mittwoch, 19. Februar – an diesem Tag ist sie bereits tot.

Die Plädoyers beginnen am Dienstag, 6. Oktober, um 9 Uhr.

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