Mordversuch an Schwester?

In die Auslieferungshaft abgeführt: Steinheimer mit EU-Haftbefehl festgenommen

In Handschellen abgeführt: Ein 58-jähriger Steinheimer steht im Verdacht, einen Mordanschlag im Elsass verübt zu haben. 
Symbolfoto: Thorsten Becker
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In Handschellen abgeführt: Ein 58-jähriger Steinheimer steht im Verdacht, einen Mordanschlag im Elsass verübt zu haben.

Hanau/Straßburg – Ein 58-jähriger Steinheimer ist festgenommen worden. Der schreckliche Verdacht: Er soll versucht haben, seine Schwester zu ermorden.

Am 24. September wird eine schwer verletzte Frau in einem Vorort der elsässischen Metropole Straßburg gefunden. Sie liegt im Keller in einer Blutlache. Ein Unfall? Die Frau ist ohnmächtig und wird schnell in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort beginnt auch die Untersuchung des Falls durch die französische Kriminalpolizei, denn die Ärzte schöpfen den ersten Verdacht: Die schweren Verletzungen am Schädel können nicht von einem Sturz stammen.

Ärzte in Straßburg bestätigen Vermutungen

Als die Frau wieder zu sich kommt und Aussagen machen kann, berichtet sie den Ermittlern, was sich an diesem Tag zugetragen haben soll. Sie erinnert sich daran, dass sie von einem unbekannten, maskierten Mann hinterrücks angegriffen und niedergeschlagen worden sei. Die Ärzte bestätigen diese Version anhand der Verletzungen, die offenbar Folgen stumpfer Gewalt sind. Offenbar ist ein Hammer die Tatwaffe.

Ein Raubüberfall? Nach über zwei Monaten scheinen die französischen Behörden einen Verdacht zu haben, den selbst das Opfer schockieren dürfte: Ihr eigener Bruder soll hinter dem brutalen Angriff stecken.

Verdächtiger vor dem Hanauer Haftrichter

„Das ist der bisherige Stand der Ermittlungen“, heißt es dazu aus gut informierten Hanauer Justizkreisen. Denn im Amtsgericht an der Nussallee beginnt am Dienstag die Fortsetzung des Kriminalfalls, der in Straßburg begonnen hat. Ein Mann wird vom Kommissariat 11 der Hanauer Kripo in Handschellen vorgeführt. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor.

Kurz zuvor haben die Fahnder in Steinheim an einer Haustür geklingelt. Dort wohnt der 58-Jährige bereits seit vielen Jahren. Durch die Arbeit ist er nach Hessen gekommen, seitdem in Hanau heimisch geworden.

Frankreich beantragt die Auslieferung

Nach Ansicht der Straßburger Staatsanwaltschaft soll damit jedoch Schluss sein. Sie hat die Auslieferung des französischen Staatsbürgers, der sich nicht weiter zu den Vorwürfen äußerst, beantragt. Die Vorwürfe sind schwerwiegend, wie aus zuverlässiger Quelle weiter zu erfahren ist: Der Europäische Haftbefehl lautet auf versuchten Mord.

Denn scheinbar haben die Kriminalisten in Straßburg nicht nur eine heiße Spur, die direkt nach Steinheim führt, sondern auch einen schrecklichen Verdacht: Hintergrund und Motiv für die Bluttat könnte eine Erbstreitigkeit unter den Geschwistern sein, denn der 58-Jährige sollte offenbar von der Mutter enterbt werden, die Schwester als Alleinerbin eingesetzt werden. Nach dem Stand der Ermittlungen soll der Beschuldigte seiner Schwester aufgelauert und versucht haben, den Mordversuch als „Überfall“ zu verschleiern. Das Amtsgericht Hanau hat nun den internationalen Haftbefehl, der vom Berufungsgericht in Colmar ausgestellt ist, verkündet und die Personalangaben überprüft.

Oberlandesgericht Frankfurt entscheidet

Damit befindet sich der 58-Jährige zwar nicht in Untersuchungshaft, sondern wird offiziell „festgehalten“, wie es nach den europäischen Gesetzen vorgeschrieben ist. Er wurde zunächst in die Auslieferungshaft eingeliefert. Ob der Mann an die zuständigen Justizbehörden im Elsass überstellt wird, ist Sache des Oberlandesgerichts Frankfurt, die für Auslieferungen in Hessen zuständig ist.

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