Nicht alle Alternativen geeignet

Testphase zum einwegplastikfreien Wochenmarkt ausgewertet: Weitere Schritte geplant

Vom Wochenmarkt soll Einwegplastik mittelfristig verbannt werden. Eine erste Testphase mit Alternativen konnte Marktbeschickter und Kunden nur begingt überzeugen. Foto: p

Zum Teil ernüchternd, aber in Teilen auch ermutigend fiel der vierwöchige Test für einen einwegplastikfreien Wochenmarkt aus, den die Stadt Hanau, die Hanau Marketing Gesellschaft und der Wochenmarktverein, unterstützt von den Stadtwerken, organisierten.

Hanau – Elf Markthändler versuchten dabei den kompletten Verzicht auf Einweg-Plastikartikel und setzten Alternativen ein. Die konnten aber nicht immer überzeugen.

Elf Händler aus verschiedenen Marktsegmenten (Imbiss, Obst & Gemüse, Metzger, Bäcker, Feinkost etc.) beteiligten sich an dem Test, der von der Hanau Marketing GmbH (HMG) finanziert wurde. So wurden diverse alternative Verpackungen aus pflanzlichen Materialien an die Händler verteilt, die das Plastik ersetzen sollten. Papier, Tüten und Folien aus Maisstärke und Zuckerrohr kamen hier unter anderem zum Einsatz.

„Die Testphase war sehr lehrreich und wir haben wertvolle Erfahrungen gemacht“, waren sich die Beteiligten bei einer Nachbesprechung einig. „Leider konnten nicht alle Produkte die Erwartungen erfüllen“, berichtete Peter Krebs, 1. Vorsitzender des Wochenmarktvereins. So hätten beispielsweise Gefäße aus PLA, die aus Mais und Stärke bestehen, den sommerlichen Temperaturen nicht standgehalten und sich verformt. Auch alternative Verpackungen für Wurst- und Käsewaren, also alternative „Wickelpapiere“, kamen bei den Kunden nicht gut an, da die verpackten Waren sich darin nicht so lange im Kühlschrank aufbewahren ließen wie in den herkömmlich beschichteten, erklärte Krebs. Auch sei das Mindesthaltbarkeitsdatum der Ware in den alternativen Gefäßen, zum Beispiel bei Fleischsalat und anderen Feinkost-Spezialitäten, aufgrund der Materialbeschaffenheit nicht zu gewährleisten. „Zudem gibt es bisher noch keine Alternativen zur Frischhaltefolie, mit der beispielsweise der Käseanschnitt in Warenauslagen abgedeckt wird“, erläuterte Krebs.

Doch andere alternative Verpackungsmaterialien hätten durchaus gepunktet: „Grundsätzlich gut angekommen sind unter anderem Tragetaschen aus Maisstärke, alternative Einweg-Getränkebecher sowie Schalen aus Zuckerrohr oder Pappe bei den Imbissen.“

Wochenmarktverein und Stadt haben sich auf weitere Schritte geeinigt: Ab Januar 2020 werde es marktweit alternative Einwegtragetaschen aus Maisstärke geben, und das Einwegplastik an den Imbissständen soll durch alternative Einwegprodukte aus Pappe, Zuckerrohr oder Maisstärke ersetzt werden. „Wir gehen davon aus, dass auch die Industrie nachzieht und schon bald die in der Testphase aufgetretenen Produktmängel behoben sein werden und somit weitere Alternativen zur Verfügung stehen“, ist Anja Zeller von der Stabsstelle nachhaltige Strategien optimistisch, die den Stein ins Rollen gebracht hat. Mitte Oktober sollen alle Marktbeschicker bei einem Termin informiert werden.

Am wichtigsten sei jedoch, Kundinnen und Kunden noch mehr zu sensibilisieren, eigene Mehrwegverpackungen mitzubringen, die vor Ort befüllt werden könnten. Darin waren sich alle Beteiligten einig. „Die Marktbesucher können eine Menge zur Reduzierung des Plastikmülls beitragen, wenn sie eigene Stofftaschen und Mehrwegverpackungen zum Befüllen mitbringen“, erläutert Zeller. Auch eigene Becher werden auf dem Wochenmarkt mit Kaffee befüllt, und selbst mitgebrachtes Besteck kann an den Imbissen genutzt werden.

Daher sollen auf dem Hanauer Wochenmarkt zukünftig auch verschiedene Mehrwegbehälter sowie Stoff-Einkaufstaschen angeboten werden. Die Hanau Marketing GmbH plant in der Anfangsphase einen Stand auf dem Markt, an dem gemeinsam mit der Stabsstelle Nachhaltige Strategien über das Thema Nachhaltigkeit und Müllvermeidung informiert wird und Mehrwegbehältnisse und weitere Mehrwegprodukte wie Bestecktaschen vertrieben werden.

In einer großen Informations- und Marketingkampagne wird die Hanau Marketing GmbH zudem über die verschiedenen Möglichkeiten des nachhaltigen einwegplastikfreien Einkaufens informieren. „Es ist uns wichtig, die Händlerinnen und Händler des Hanauer Wochenmarkts in dieser Sache zu unterstützen“, sagt Martin Bieberle, Geschäftsführer der Hanau Marketing GmbH. „Damit greifen wir auch die Wünsche der Marktbesucherinnen und -besucher auf, die glücklicherweise zumeist schon eine große Sensibilität für das Thema Umweltschutz haben, und sorgen dafür, dass der wunderbare Hanauer Wochenmarkt noch attraktiver wird.“  

did

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