Tochter von Philipp Ludwig II. kam in London unter den Hammer

Hanauer Prinzessin für viel Geld versteigert

Ein Porträt aus dem 17. Jahrhundert, das laut Katalog eine Hanauer Prinzessin darstellt, wurde kürzlich bei Bonham’s in London für rund 15 000 Euro versteigert. Repro: Werner Kurz
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Ein Porträt aus dem 17. Jahrhundert, das laut Katalog eine Hanauer Prinzessin darstellt, wurde kürzlich bei Bonham’s in London für rund 15 000 Euro versteigert. Repro: Werner Kurz

Nicht nur edle Döschen aus Hanauer Produktion bringen und kosten heute auf internationalen Auktionen hohe Summen, auch für eine Hanauer Prinzessin muss der Liebhaber schon einmal tief in die Tasche greifen, so er denn ihr Bildnis an die Wohnzimmerwand hängen möchte. Auf 15 000 bis 20 000 Englische Pfund plus Aufgeld wurde ein solches Bildnis einer Dame aus dem Hause Hanau-Münzenberg jüngst geschätzt.

Hanua - Ort des Geschehens: London. Bei Bonham’s kam bei der jüngsten Altmeister-Auktion ein Damenbildnis aus dem frühen 17. Jahrhundert unter den Hammer, welches das Auktionshaus als „Portrait einer Dame – wahrscheinlich Prinzessin Katharina Elisabeth von Hanau“ vorstellte. Geschaffen hat das Ölgemälde mit den Maßen 77x58 Zentimeter der einschlägig bekannte Holländer Gerrit van Honthorst (1590-1656). Das Bild zeigt eine jugendhafte Dame in der damals modernen Ausstattung einer Schäferin.

Auch die Hanauer Kunsthistorikerin Dr. Katharina Bott, die derzeit zur Familie der Dargestellten forscht, vermutet in der Dame auf dem Bild eine Tochter des Neustadtgründers Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg (1576-1612) und seiner Gemahlin Katharina Belgica (1578-1648). Diese wiederum wurde als Tochter Wilhelms I. von Nassau-Oranien in Antwerpen geboren, was wiederum den niederländischen Hintergrund des Porträts erhellt. Die Dargestellte ist nach Auffassung von Dr. Bott indes Katharina Juliane (1604-1668), die vierte Tochter des Grafenpaares, denn eine Katharina Elisabeth gibt es nicht unter den vier Hanauer Grafentöchtern. Katharina Juliane wurde 1631 mit dem Grafen Albert Otto II. von Solms-Laubach verheiratet.

Porträts spielten bei arrangierten Ehen große Rolle

Bei den arrangierten Ehen der damaligen Zeit spielten solche Porträts, die man an die Höfe potenzieller Ehemänner sandte, eine wichtige Rolle. Die Töchter wurden ja ohnehin selten gefragt, wen sie heiraten wollten. Neben der Höhe der Mitgift konnte es also nicht schaden, wenn das Töchterlein auch auf dem Bild „etwas hermachte“. Sollte es sich also bei dem Bildnis tatsächlich um die Hanauer Grafentochter handeln, so vermutet Dr. Bott, könnte es sich um ein solches „Hochzeitswerbebildnis“ handeln.

Der Wunschpreis des Verkäufers beziehungsweise der Schätzpreis des Auktionshauses wurde allerdings nicht erreicht. Dem unbekannten Käufer war das Bild aber auch ohne die exakt belegte Identifizierung der dargestellten Schönheit mit Aufgeld gute 15 000 Euro wert.

Von Werner Kurz

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