Überall wird gezündelt

Theatergruppe Hola inszeniert Max Frisch

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Nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat Max Frischs Stück „Biedermann und die Brandstifter“, das die Theatergruppe Hola auf die Bühne brachte. 

Hanau - Das bekannte Werk „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch hat die Theatergruppe der Hohen Landesschule anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens auf die Bühne gebracht. Von Dieter Kögel 

Neben vier Abendveranstaltungen im Wilhelmsbader Comoedienhaus wurden vormittags auch reine Schüleraufführungen angeboten. Spielleiter Andreas Kühnel und das große Ensemble konnten sich freuen: Alle Veranstaltungen waren so gut wie ausverkauft. Und sie fanden den Beifall des Publikums.

Die Bühne ist zweigeteilt. Eine Hälfte stellt das Wohnzimmer der Biedermanns dar, in dem das Verhängnis mit dem Auftritt des obdachlosen Joseph Schmitz seinen Anfang nimmt, die andere Hälfte gewährte den Blick auf den Dachboden des Biedermannschen Hauses, auf dem Schmitz und seine Komplizin Wilhelma Eisenring mit Benzinfässern langsam die Vorbereitungen treffen für ihren großen Coup. Und das unter den Augen und mit dem Wissen von Gottlieb Biedermann, der aber schon krankhaft an das Gute im Menschen glauben und das Offensichtliche nicht wahrhaben will, auch wenn seine Frau Babette ebenso warnend die Stimme erhebt wie der Feuerwehrchor.

Erzählt wird die Geschichte quasi im Rückblick, denn immer wieder werden die Geschehnisse auf der Bühne aus der Sicht einer Reporterin geschildert, wodurch auch die aktuelle Rolle der Medien in den Blickpunkt rückt, die eben immer da sind, wenn irgendwo gezündelt wird. Und gezündelt wird überall. Mit Videoeinspielungen von Krieg, von Zerstörung – auch der von Hanau – und Terroranschlägen zeigte die Theatergruppe Hola all jene Folgen, die sich ergeben, wenn es an Zivilcourage fehlt, um welchen Brandstiftern auch immer das Handwerk zu legen.

Für Spielleiter Andreas Kühnel ist das einer der Gründe, sich dem „Biedermann“ wegen seiner nach wie vor bestehenden Aktualität erneut zu widmen. Bereits vor 21 Jahren stand Frischs Werk auf dem Spielplan der Hola-Theatergruppe, damals noch unter der Regie von Erland Schneck-Holze. Für Andreas Kühnel war das damalige Projekt so etwas wie „die Initialzündung“, sagt er, sich eingehender mit der Theaterwelt zu befassen. Und auch als Pädagoge fühlt er sich dem Theater verpflichtet, indem er eine Vielzahl theaterinteressierter Schülerinnen und Schüler an dem Gymnasium an die Arbeiten auf, vor und hinter der Bühne heranführt. Denn neben den rund 30 Schauspielern waren am jüngsten Theaterprojekt etwa 50 weitere Schüler im Stab beteiligt, der sich von Technik über Bühnenbild, Schminke, Requisite bis hin zu Werbung und Programmheft gekümmert hat.

Von jeder verkauften Eintrittskarte spendet die Theatergruppe Hola übrigens einen Euro für das Albert-Schweitzer-Kinderdorf. Zusätzlich mit den Sammlungen beim Publikum in den Pausen sind dabei im vergangenen Jahr über 3 000 Euro zusammengekommen.

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