Taubenproblem

Tierschützer sehen artgerechte Methode: Betreutes Wohnen für Tauben

Platz für rund 200 Vögel bietet das Taubenhaus im Hanauer Hafengebiet. Dort ist es dem Tierschutzverein Hanau in den vergangenen Jahren gelungen, die Taubenpopulation auf artgerechte Weise signifikant zu reduzieren. ArchivfotoS: Kögel (2)
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Platz für rund 200 Vögel bietet das Taubenhaus im Hanauer Hafengebiet. Dort ist es dem Tierschutzverein Hanau in den vergangenen Jahren gelungen, die Taubenpopulation auf artgerechte Weise signifikant zu reduzieren.

Einen durchaus ungewöhnlichen Adressaten fand die Jahresspende des DRK Steinheim in Höhe von 1500 Euro.

Hanau/Steinheim – Das Geld, das aus den eingehenden Spenden im Steinheim-Lädchen des DRK-Ortsverbandes stammt, unterstützt diesmal die Arbeit des Tierschutzvereins Hanau – speziell die Bemühungen des Vereins, dem Taubenproblem in der Brüder-Grimm-Stadt Herr zu werden.

Der Tierschutzverein Hanau betreibt bereits seit Jahren erfolgreich einen sogenannten betreuten Taubenschlag im Hanauer Hafengebiet. Ziel ist es, die Tiere ordentlich zu versorgen und deren Population durch den Austausch von echtem Gelege gegen Gipseier einzudämmen. Künftig soll es auch in der Hanauer Innenstadt ein solches Taubenhaus geben. Als möglicher Standort ist der Kanaltorplatz ins Auge gefasst worden.

Aufgrund der positiven Erfahrungen im Hafengebiet sieht der Tierschutzverein gute Chancen, mit einem oder mehreren betreuten Taubenhäusern dem Taubenproblem auch in der Hanauer Innenstadt Herr zu werden. Seit 2012 betreut der Tierschutzverein mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern rund um die Projektverantwortliche Helma Göbel das Taubenhaus im Hanauer Hafen, das rund 200 Tieren Platz bietet.

Zu Beginn des Projekts wurden rund 275 Tauben im Hafengebiet gezählt. Deren Bestand ist laut einer Zählung im vergangenen Jahr mittlerweile auf 123 Tiere gesunken. Dazu beigetragen hat nach Meinung von Taubenexpertin Helma Göbel nicht allein die „Geburtenkontrolle“ durch Austausch des Geleges, sondern vor allem auch der insgesamt gute Gesundheitszustand der Vögel. „Die Tauben im Hafen müssen nicht hungern und sich von Abfällen ernähren. Sie sind nicht geschwächt und somit auch weniger anfällig für Krankheiten“, so Göbel. Dabei habe sich gezeigt, dass sich satte und gesunde Tiere weniger wild vermehrten als hungrige und kranke Vögel, spricht Göbel von einer echten Erfolgsstory.

Regelmäßig kontrolliert Helma Göbel das Taubenhaus. Ohne großes ehrenamtliches Engagement wäre das erfolgreiche Tierschutzprojekt überhaupt nicht denkbar. Fotos: Kögel

Diese würde der Tierschutzverein auch gerne in der Innenstadt fortschreiben. Bereits seit etlichen Jahren steht das Thema auf der Agenda der Hanauer Stadtverordnetenversammlung. Nun scheint mit dem Kanaltorplatz zumindest ein potenzieller Standort für ein betreutes Taubenhaus im Bereich der City gefunden worden zu sein. Doch noch steht die Finanzierung nicht. Helma Göbel, die bereits verschiedene Angebote eingeholt hat, geht von einmaligen Investitionskosten in Höhe von rund 20000 Euro aus. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten für Futter, Unterhalt und veterinärmedizinischen Untersuchungen von rund 1500 Euro.

Hanau: Ehrenamtliche Helfer betreuen Taubenhaus

Die relativ geringen Betriebskosten sind nur möglich, weil sich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer um die Taubenhäuser kümmern. Eine Arbeit, die täglichen Einsatz erfordert. Um das Taubenhaus im Hafen kümmern sich neben Helma Göbel noch zwei weitere Helferinnen und Helfer. „Wenn wir ein zusätzliches Taubenhaus in der Innenstadt bekommen, benötigen wir auch dafür dringend ehrenamtliche Helferinnen und Helfer“, weiß Göbel.

Das Team des DRK Steinheim und der Tierschutzverein Hanau hoffen, dass die DRK-Spende für den Bau und die Betreuung eines Taubenhauses in der Innenstadt verwendet werden kann. Es gehe darum, den Vögeln mehr Respekt und Akzeptanz zu verschaffen und gleichzeitig etwas gegen die Verschmutzung des öffentlichen Raums zu tun.

In der Regel handelt es sich bei den Stadttauben um verwilderte Haustauben. Schätzungsweise mehr als 2 000 Stadttauben soll es in Hanau geben. Vorwiegend handele es sich dabei um Nachkommen von verirrten Brieftauben, die bei Reisen ihren Heimatschlag nicht mehr gefunden und sich in der Stadt niedergelassen haben. Die Tiere leiden wegen der großen Population bei gleichzeitig fehlenden Nistplätzen und einem zu geringen Nahrungsangebot unter einem „Dauerstress“, der sie anfällig für Krankheiten macht. Allerdings kennt die einschlägige Literatur nach Angaben des Tierschutzvereins keinen einzigen Fall, wonach Krankheiten von Tauben auf Menschen übertragen worden seien.

Hanau: Fütterungsverbot ist eher kontraproduktiv

Ein Fütterungsverbot in der Annahme, dass dadurch die Population von Tauben signifikant abnehmen würde, hat sich nach Einschätzung der Tierschutzexperten als kontraproduktiv erwiesen. Tatsache ist, dass es in der Natur kaum ein Futterangebot für Stadttauben gibt. Werden sie nicht gefüttert, droht ihnen der Hungertod und die Tiere konzentrieren sich dort, wo sie Essenreste finden können – vornehmlich in der Innenstadt.

Auch in Hanau werden viele Gebäude in der Innenstadt mit Spikes, Zacken, Spanndrähten und Netzen gegen Taubenbefall geschützt. Nach Ansicht des Tierschutzvereins sind solche Abwehrmaßnahmen in vielen Fällen durchaus nötig und nützlich, letztlich führe das aber nur zu einer Verlagerung der Probleme. Und immer wieder komme es auch vor, dass Tauben sich beim Anflug auf mit Spikes besetzten Mauervorsprüngen förmlich aufspießen und qualvoll zu Tode kommen.

Spendenübergabe: DRK-Vorsitzende Ute Schwarzenberger und Schatzmeisterin Dolores Kraushaar überreichten den Scheck an Vertreterinnen des Tierschutzvereins. Fotos: Kögel

Aus Sicht des Tierschutzvereins ist das Ziel, einen stadtverträglichen, gesunden Taubenbestand zu erhalten, langfristig nur durch die Einrichtung weiterer betreuter Taubenschläge zu erreichen. Dort könne man den Tauben ein stressfreies Brüten ermöglichen, die Eier zum Zwecke der Geburtenkontrolle gegen Gipseier austauschen und den Vogelbestand krankheits- und ungezieferfrei halten. Weiterer Vorteil: Ein Großteil des Kots der Tiere verbleibt im Taubenschlag. Auch das kontrollierte Füttern der Tiere mit artgerechtem Körnerfutter im oder in der Nähe des Taubenschlags trage zu einer Reduzierung des Bestandes bei, sind sich die Tierschützer sicher.

VON DIRK IDING

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