Glücksbringerin

Schornsteinfegerin in Hanau: Unliebsame Begegnungen auf dem Dach

Hanau: In voller Montur mit Zylinder ist die Schornsteinfegerin im Berufsalltag nur selten unterwegs.
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Hanau: In voller Montur mit Zylinder ist die Schornsteinfegerin im Berufsalltag nur selten unterwegs.

„Ich mache meinen Beruf von Herzen gern“, sagt Laura Rosenberger. Es ist ein ungewöhnlicher Job. Und keiner steht in Sachen Glück mehr im Fokus als dieser. Erst recht zu Silvester.

Hanau – Seit neun Jahren ist Laura Rosenberger in Hanau Schornsteinfegerin im Bezirk Steinheim und in einem Teil von Klein-Auheim.

Ihr begegnen die Menschen stets freundlich, manche berühren die Kleidung und versprechen sich von einer verrußten Fingerkuppe Glück, oder vom Drehen an einem ihrer goldfarbenen Knöpfe. Dass Schornsteinfeger als Glücksbringer gelten, geht weit zurück. Im Mittelalter gab es immer wieder verheerende Feuersbrünste, weil verrußte Rauchabzüge und Schornsteine in Brand gerieten. Ganze Städte fielen mitunter in Schutt und Asche. Daher verpflichteten die Stadtväter die Hausbesitzer, ihre Schornsteine reinigen zu lassen. Die Schornsteinfeger brachten somit quasi das Glück zurück.

Hanau: Schornsteinfeger werden freundlich empfangen

„In fast jedem Land haben Schornsteinfeger aber andere Berufsmerkmale“, weiß Laura Rosenberger, die schon fünfmal das Internationale Schornsteinfeger-Treffen am Lago Maggiore in Italien besucht hat. Während der Kaminkehrer in Deutschland und anderen Ländern Zylinder trägt, haben Schornsteinfeger in Schweden von Berufs wegen Melonen auf dem Haupt. „Und in den Niederlanden ist die Berufsbekleidung weiß statt schwarz“, weiß Rosenberger.

Die Schornsteinfeger-Gesellin ist beim Bevollmächtigten Schornsteinfegermeister Peter Krolop (Obertshausen) angestellt. Und sie steigt sommers wie winters Hausbesitzern und Mietern in Hanau aufs Dach. 

Schornsteinfegerin aus Hanau: Zylinder ist nur selten dabei

Den schwarzen Zylinder hat sie übrigens nur selten dabei. „Mein Zylinder wurde mir zur Gesellenprüfung geschenkt. Er ist zur Berufsausübung aber eher unpraktisch“, sagt die gebürtige Seligenstädterin. „Ich setze mir lieber ein Käppi auf, ein Bestandteil meiner Schutzkleidung“. Zur Berufskleidung gehören außerdem Sicherheitsschuhe, Latzhose, Koller (Jacke) und Koppelschloss (Gürtelschnalle). „Und ein Tuch, das ich mir vor die Nase ziehen kann“, erzählt die 30-Jährige, die eine dreijährige duale Berufsausbildung absolviert und vor neun Jahren die Gesellenprüfung bestanden hat. 

Hat immer kleine Glücksbringer dabei: Schornsteinfegerin Laura Rosenberger.

Seitdem ist die Sicherheits-, Umwelt-, und Energie-Expertin, so die Aufschrift auf dem weißen Kastenwagen ihres Chefs, in Steinheim und einem kleine Teil von Klein-Auheim unterwegs.

„Nur eine Handvoll Frauen erlernt den Schornsteinfegerberuf“, sagt Rosenberger, „doch es werden immer mehr.“ Früher war der Schornsteinfegerberuf eine reine Männerdomäne. Frischgebackene Gesellen aus der Zunft der „schwarzen Brüder“ mussten als Mutprobe nach der Prüfung in den Kamin rein und einen Steiger hochlaufen.

Hanau: Schornsteinfegerin Laura Rosenberger liebt ihren Beruf

„Ich liebe meinen Beruf,“, sagt Laura Rosenberger, „weil ich den ganzen Tag auf den Beinen bin und viele Treppen laufe, da spare ich mir das Fitnessstudio. Außerdem habe ich mit unterschiedlichen Charakteren zu tun.“ Allerdings ist sie auch Kälte und Hitze ausgesetzt. „Nur wenn es zu windig ist und ich mich festhalten muss, dann gehe ich nicht aufs Dach“, berichtet sie.

Ist sie über die Trittroste bis zum Kamin vorgedrungen, lässt sie den Kehrbesen, durch eine Gewichtkugel an einer Leine beschwert, in den Schlot hinunter. Durch mehrfaches Hoch- und Runterziehen löst sie die Rußpartikel und befreit die Wände von schwarzen Anhaftungen. Anschließend geht Rosenberger in den Keller des Hauses, öffnet den Reinigungsverschluss und kehrt den heruntergefallenen Ruß aus der Sohle.

Weitere wichtige Aufgabe der Schornsteinfegerin ist die Emissionsschutzmessung – die Kontrolle der Ausgasung der mit Gas, Öl oder Holz befeuerten Heizungsanlagen, damit die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte eingehalten werden.

Laura Rosenberger aus Hanau ist Schornsteinfegerin. Ein ungewöhnlicher Job. Und keiner steht in Sachen Glück mehr im Fokus. Erst recht zu Silvester.

Schornsteinfegerin aus Hanau: Unliebsame Begegnungen auf dem Dach

„Als Kind wollte ich eigentlich Friseurin zu werden“, erzählt die junge Frau, Nach dem Realschulabschluss machte sie ein Praktikum bei einem Bekannten, der Schornsteinfeger war. „Und nach dem ersten Tag wusste ich: Geil, das ist mein Beruf!“

Unliebsame Begegnungen vor dem Ausstieg aus den Dachfenstern, hatte Laura Rosenberger, deren Lieblingsfarbe Schwarz ist, nur kleinere: „Größere Spinnen, auch Wespen, Hornissen oder Mäuse habe ich öfters angetroffen. Ich schaue lieber nicht auf dem Dachboden rum, sondern gehe direkt zum Dachfenster.“

Und in ihrer Lehrzeit wurde sie versehentlich einmal im Heizungskeller eines Mehrfamilienhauses eingesperrt. „Und ein anderes Mal habe ich mich auf dem Dach ausgesperrt. Das Dachfenster ist durch den Wind zugeflogen und eingerastet.“ Es war kalt und windig, ehe die Schornsteinfegerin aus der misslichen Situation befreit wurde.

Hanau: Schornsteinfegerin war schon eine Tierretterin

Apropos befreit: Schornsteinfeger können auch Retter sein. „In diesem Jahr habe ich schon zwei Vögel befreit. Eine Taube und eine Amsel waren in den Schornstein gefallen und ich konnte sie retten“, erzählt sie.

„Als Schornsteinfeger sollte man keine Höhenangst haben und auch keine Scheu vor Schmutz“, sagt Laura Rosenberger, die auch immer einige Glücksbringer dabei hat: Kleine Schornsteinfegerfiguren, die sie an liebe Mitmenschen verschenkt. Und die sie übrigens auch selbst sammelt und zum Beispiel vom Internationalen Schornsteinfeger-Festival mitbringt.

VON HOLGER HACKENDAHL

Auch Katrin Rebell hat einen Beruf, der zumindest den Ruf hat, eher von Männern dominiert zu sein. Sie ist stellvertretende Wehrführerin bei der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm.

Ein herrenloser Geißbock steuerte zielsicher den Friedhof in Klein-Auheim an. Dort sah er sich mit mehreren städtischen Mitarbeitern konfrontiert. Erst zu neunt und nach Stunden konnten sie das sture Tier bändigen.

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