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Nach Urteil im Korruptionsfall: TÜV-Geschäftsführer wirbt um Vertrauen für Arbeit der Prüfer

TÜV-Plakette wird auf das Nummernschild geklebt
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Prüfplaketten trotz „erheblicher Mängel“: Für Gefälligkeitsgutachten sollen zwei TÜV-Prüfer die Hand aufgehalten haben.

Das Urteil des Hanauer Landgerichts im Korruptionsverfahren gegen den ehemaligen Chef des Hanauer TÜV-Centers sowie einen weiteren Kfz-Sachverständigen hat bei der TÜV GmbH Hessen für Erleichterung gesorgt.

Hanau – „Das verantwortungslose Verhalten unserer ehemaligen Mitarbeiter war und ist skandalös“, kommentiert Henning Stricker, Geschäftsführer von TÜV Hessen, die Entscheidung der 5. Großen Wirtschaftsstrafkammer. Der 61-jährige Silvio S. sowie der 49-jährige Andreas W. waren am Dienstag wegen Bestechlichkeit zu jeweils zwei Jahren Freiheitsstrafe, Berufsverboten und Geldbußen verurteilt worden.

Außerdem sollen bei beiden 10 000 Euro – also die geschätzte Summe der kassierten Bestechungsgelder – als Gewinnabschöpfung vom Staat eingezogen werden. Bis 2013 hatten die TÜV-Prüfer für Gefälligkeitsgutachten sowie die Ausgabe von Blanko-Plaketten die Hand aufgehalten (wir berichteten). Autos, die teilweise erhebliche Mängel oder sogar verkehrsuntauglich waren, wurden mit dem Prüfurteil „ohne Mängel“ durchgewunken.

„Das Vertrauen in die Unabhängigkeit technischer Prüfungen ist ein hohes Gut. Umso schlimmer ist es, wenn dieses Vertrauen beschädigt wird“, schreibt Stricker in einer Pressemitteilung. „Als TÜV stehen wir für Sicherheit im Straßenverkehr. Mit ihrer Manipulation haben sie alle Verkehrsteilnehmer einem hohen Risiko ausgesetzt. Umso glücklicher sind wir, dass die beiden Angeklagten jetzt ihre gerechte Strafe erhalten haben“, so der Geschäftsführer weiter. Er verweist darauf, dass TÜV-interne Prüfungen das Ermittlungsverfahren gegen die beiden korrupten Mitarbeiter ins Rollen gebracht hatten. Nicht erklärbare Abweichungen von Prüfergebnissen bei Hauptuntersuchungen an Kraftfahrzeugen nährten den Verdacht – der TÜV selbst hatte Strafanzeigen gestellt, beide Mitarbeiter wurden fristlos entlassen. Der TÜV Hessen habe seit dem Vorfall Konsequenzen gezogen und das Qualitätsmanagement optimiert. „Unsere Sachverständigen gehen mit ihren Prüftätigkeiten sehr sorgsam und verantwortungsvoll um. Gerade auch unter den aktuell besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie leisten unsere Mitarbeiter hervorragende Arbeit, um die Verkehrssicherheit von Fahrzeugen zu gewährleisten“, wirbt Stricker um Vertrauen. (Von Thorsten Becker)

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