Corona-Pandemie

Verhaltene Freude bei Jens Arndt: Konditoreicafés gelten nun als Gastronomie und haben Anspruch auf Hilfen

Jens Arndt ist enttäuscht: Der Café-Betrieb muss ruhen, aber Hilfen bekommt er keine.
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Jens Arndt ist enttäuscht: Der Café-Betrieb muss ruhen, aber Hilfen bekommt er keine.

Richtig jubeln will Jens Arndt nicht. Aber trotz aller weiter bestehenden Unklarheiten ist der Konditormeister froh: Sein Café Schien am Westbahnhof wird – wie alle anderen Konditorei- und Bäckereicafés – nun doch als Gastronomie eingeordnet. Somit darf er die sogenannten Novemberhilfen beantragen, die der Bund von der Corona-Pandemie gebeutelten Unternehmen zur Verfügung stellt. Das hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) auf Nachfrage unserer Zeitung klargestellt.

Hanau – Arndt hatte im Interview mit unserer Zeitung mit scharfen Worten kritisiert, dass Konditoreicafés bei den Hilfen außen vor bleiben sollen. Danach sah es lange Zeit aus, was auch der Deutsche Konditorenbund in einem Schreiben an seine Mitglieder bitter beklagt hatte.

Das BMWi erklärte nun, für die Cafébetriebe gelte die gleiche Regelung wie für Restaurants, wenn sie Speisen im Außerhausverkauf anbieten. „Hier wird die Umsatzerstattung auf diejenigen Umsätze begrenzt, die dem vollen Mehrwertsteuersatz unterliegen, also die im Restaurant beziehungsweise Café verzehrten Speisen. Damit werden die Umsätze des Außerhausverkaufs – für die der reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt – herausgerechnet. Im Gegenzug werden diese Umsätze des Außerhausverkaufs während der Schließungen von der Umsatzanrechnung ausgenommen“, teilt Ministeriumssprecherin Anna Sophie Eichler mit.

Konditoreien mit Cafés sollen Anspruch auf Novemberhilfen haben

Nach dem Bericht in unserer Zeitung hatte Arndt viel Zuspruch geerntet. Viele Kunden hätten an der Ladentheke, die weiterhin geöffnet ist, ihr Unverständnis über die offenkundige Ungleichbehandlung gegenüber der Gastronomie zum Ausdruck gebracht. Irritiert habe sich auch Stadtentwickler Martin Bieberle gezeigt, der im Auftrag des OB angerufen habe. Auch Ex-Oberbürgermeisterin Margret Härtel habe sich empört. Der CDU-Landtagsabgeordnete Heiko Kasseckert sei zum persönlichen Gespräch ins Café gekommen. Auch er habe seine Verwunderung ausgedrückt und versprochen, sich in der Sache einzusetzen.

Das hessische Wirtschaftsministerium hatte auf Nachfrage unserer Zeitung zwischenzeitlich erklärt, dass das Bundesministerium zuständig sei und dorthin verwiesen. Nach der Klarstellung von dort äußerte sich der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir gegenüber unserer Zeitung zur guten Nachricht aus Berlin: „Ich begrüße sehr, dass auch Konditoreien oder Bäckereien, die einen Teil ihres Umsatzes durch ein eigenes Café erzielen und schließen mussten, bei der Novemberhilfe genauso behandelt werden wie Restaurants. Das war eine der Forderungen der Wirtschaftsminister gegenüber dem Bund, und es ist gut, dass die Betriebe nun Klarheit haben“, betonte Al-Wazir.

Für Arndt jedoch ist nach wie vor nicht alles eitel Sonnenschein. „Die Förderbedingungen sind noch nicht veröffentlicht“, sagt er. Sein Steuerberater habe ihm erklärt, dass er noch keine Hilfe beantragen könne. „Das hätte man alles einfacher gestalten können“, ist er überzeugt. Problematisch sei auch, dass durch die späte Beantragung die Hilfen erst später bei den Betroffenen ankämen. Er gehe davon aus, dass der eine oder andere „den nächsten Monat sicher mit einem Minus anfangen wird“.

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