Wildtierpflegestation

Immer mehr verletzte Tiere in der Station: Das ist der neue Feind der Igel

Jährlich mehr als 200 Igel werden in der Wildtierpflegestation Dörnigheim wieder aufgepäppelt. Fotos: Hackendahl

Der gemeinnützige Hanauer Verein „Wildtierfreunde“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, in seiner Dörnigheimer Pflegestation kranke, verletzte und untergewichtige Wildtiere aufzupäppeln und gesund zu pflegen.

Maintal/Hanau –  „Nach ihrer Genesung werden die Tiere in der Regel wieder in der Natur ausgewildert – so wie jährlich die mehr als 200 Igel, die bei uns abgegeben werden“, erklärt Sabine Klein, Leiterin der Wildtierpflegestation.

Im vergangenen Jahr 2018 waren es sogar exakt 301 kleine, kranke und verletzte Stachler, die in den 40 Igelboxen von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Tierpflegestation am Ortsrand von Maintal aufgepäppelt wurden. „Die häufig verletzten und oft untergewichtigen Wildtiere hätten ohne artgerechte Hilfe sicherlich keine Überlebenschance,“ weiß Klein um die Bedeutung ihrer Arbeit.

Dabei haben insbesondere Igel in den vergangenen Jahren einen neuen „Feind“ bekommen: Mähroboter, die ohne menschliche Aufsicht den Rasen kurz halten, setzen den Igeln mächtig zu. „Wir bekamen allein bereits in diesem Jahr fünf durch Mähroboter schwer verletzte Igel. Wir mussten die Tiere leider alle einschläfern lassen, da ihnen nicht mehr geholfen werden konnte“, erzählt Klein.

Auch dieser Jungschwan hätte ohne die Hilfe des Vereins Wildtierfreunde wohl nicht überlebt. Fotos: Hackendahl

 Bei ihren Kollisionen mit den autonomen Rasenpflegern wurden Igeln Gliedmaßen und Schnauzen abgetrennt, ihr Rücken wurde aufgerissen und einige wurden regelrecht skalpier. „Oftmals werden diese Mähroboter nachts eingesetzt, ausgerechnet dann, wenn auch die Igel aktiv sind“, appelliert Tierschützerin Klein, diese Geräte - wenn überhaupt - nur tagsüber einzusetzen und dann auch nur mit einer möglichst geringen Rasenschnitthöhe. Zudem gibt sie den Tipp, an der Vorderseite der Mäher mit einer Heißklebpistole Hasendraht anzubringen, damit die Tiere möglichst nicht unter das Gerät geraten können.

In diesen Tagen werden besonders häufig Igel von Feuerwehr, Polizei und Bürgern in die Dörnigheimer Wildtierpflegestation gebracht. „Wenn die Igel nur 60, 70 Gramm wiegen, werden sie von uns bis zu einem Gewicht von 150 Gramm mit Aufzuchtmilch aufgepäppelt“, berichtet Klein. „Ab 150 Gramm füttern wir dann Katzennassfutter und Igel-Spezialfutter, das aus der vollwertigen Mischung aus Fleisch, Insekten und Ei besteht.“

Hanau: 20 bis 30 Igel werden ausgewildert

Im Frühjahr werden die Igel dann gesund und gestärkt ausgewildert. „Die NABU-Ortsgruppen Maintal und Mühlheim wildern bei jeder Auswilderungsaktion 20 bis 30 Igel im Beisein von Kindergartengruppen auf den Streuobstwiesen in Hochstadt und im Naturschutzgebiet am Gailenberg bei Lämmerspiel aus.“

Die Wildtierpflegestation, die sich über Spenden von Unternehmen und Privatleuten finanziert, kümmert sich aber nicht nur um das Wohl der Stachler, sondern um alle verletzten und Hilfe bedürftigen heimischen Wildtiere. Weit mehr als 1 000 Tiere waren es im Vorjahr, darunter nahezu alle Arten heimischer Singvögel, die von Nestlingsgröße an aufgepäppelt werden. Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Amsel, Distelfink und Kuckuck zählten laut Stationsleiterin Klein ebenso zu den „Patienten“ wie etliche verletzte Tauben. Auch 25 Greifvögel, die zumeist gegen Glasscheiben geflogen sind, werden zur Zeit in den Volieren versorgt. Auch Bussard, Rotmilan, Schleiereulen und Steinkauz werden nach erfolgreicher Genesung ausgewildert.

Hanau: Ehrenamtliche Mitarbeitern kümmern sich

Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter sowie vier vom Kommunalen Center für Arbeit abgestellte 1,80-Euro-Kräfte kümmern sich um die Pflege der Findlinge, füttern und säubern die Volieren und Gehege. 150 junge Entenküken wurden im Vorjahr aufgepäppelt, ebenso wie 36 Mauersegler und fünf Fledermäuse sowie viele junge oder verletzte Schwäne. 20 Rehkitze wurden im vergangenen Jahr von der Wildtierpflegestation nach Mähunfällen gesund gepflegt, zehn Jungfüchse und sechs Frischlinge wurden aufgepäppelt.

Nutria „Nael“ ist drei Monte alt. Um den Nager kümmert sich Mitarbeiter Dirk Zimmer aus Steinheim liebevoll.

Aufwendig ist auch die Pflege der jungen Eichhörnchen, die mittels Pipette ernährt werden müssen. Die zuletzt stürmischen Zeiten hatten auch zur Folge, dass etliche Eichhörnchenkobel mit Jungtieren aus den Bäumen gefallen sind. Von ihnen sind nun auch einige in der Wildtierpflegestation gelandet. Ebenso wie ein Uhu, den die Behörden unlängst beschlagnahmt hatten.

VON HOLGER HACKENDAHL

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