Bildung

VHS Hanau im Teil-Lockdown: Semesterbeginn um einen Monat verschoben

Das VHS-Gebäude am Ulanenplatz: Das Defizit der VHS hat sich um 600 000 Euro erhöht.  
Archivfoto: Iding
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Das VHS-Gebäude am Ulanenplatz: Das Defizit der VHS hat sich um 600 000 Euro erhöht.

Hanau – Volkshochschulen dürfen als Bildungseinrichtungen während des Teil-Lockdowns geöffnet bleiben. Auch in Hanau lief der Betrieb im November zunächst weiter, dann folgte aufgrund der hohen Inzidenzzahlen doch der Abbruch zahlreicher Präsenzkurse bis Jahresende. Fragen zur aktuellen Lage an der VHS Hanau und zu den weiteren Plänen hat uns VHS-Leiterin Elke Hohmann beantwortet.

Wie viele Kurse sind von dem aktuellen Abbruch betroffen?
Im Herbstsemester waren 740 Kurse geplant; davon waren zum Zeitpunkt des Teil-Lockdowns 470 Kurse durchgeführt worden oder liefen noch. 126 Kurse wurden ab 9. November wegen Corona abgesagt bzw. abgebrochen.
Wie viele Teilnehmer hatten sich im laufenden Semester für Präsenzkurse angemeldet?
Im Herbstsemester waren 2 550 Teilnehmer in 470 geplanten Kursen angemeldet.
Wie viele Kurse sind schon vor dem Lockdown mangels ausreichender Teilnehmerzahl nicht zustande gekommen?
Vor dem Teil-Lockdown wurden 229 Kurse aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt. Diese Anzahl an Kursabsagen ist nicht ungewöhnlich, da in der Regel ein Drittel des Programms aufgrund zu geringer Teilnehmendenzahl nicht zustande kommt. Da aufgrund der Abstandsregelung weniger Teilnehmende aufgenommen werden konnten, standen außerdem entsprechend weniger Kursplätze zur Verfügung. Dies ist ersichtlich an der relativ geringen Teilnehmerzahl. Zum Vergleich: Im Herbstsemester 2019 fanden 432 Kurse mit 5 035 Teilnehmern statt.
Alternativ finden einige Online-Kurse statt. Wie ist da die Nachfrage?
Der Lockdown im März und der Teil-Lockdown im November und die damit verbundene Absage von Kursen hat dazu geführt, dass einige Kurse als Onlineformate weitergeführt oder neu angeboten wurden. Insgesamt wurden 2020 etwa 210 Onlinekurse durchgeführt. Die meisten Kunden bevorzugen aber das Lernen in Präsenz. Online-Formate sind für viele eine Übergangslösung, um nicht ganz auf ihren Kurs und den Kontakt zur Gruppe verzichten zu müssen. Für Einzelveranstaltungen, zum Beispiel Vorträge, sind Onlineformate eine Form, die sich immer mehr durchsetzt und angenommen wird.
Wie waren die Reaktionen auf den erneuten Kursabbruch durch den Lockdown?
Unterschiedlich. Die meisten haben mit dem Abbruch gerechnet und zeigten sehr viel Verständnis. Enttäuschung gab es natürlich auch – das ist nachvollziehbar, da die Gruppen sehr verbindlich auf die Hygieneregeln achten und sich auf das Weiterlernen in Präsenz eingestellt hatten. Manche Kurse hatten nur noch wenige Termine und hätten ihren Kurs gerne zu Ende geführt. Enttäuschung gab es auch bei Kursen der Jugendkunstschule. Die Eltern berichteten von der großen Vorfreude der Kinder und wie traurig sie waren, dass der Kurs abgesagt wurde. Unverständnis oder Verärgerung äußerten nur sehr wenige. Wie im März werden die Kursgebühren für die abgebrochenen Stunden anteilig zurückerstattet.
Haben Sie die Befürchtung, dass die VHS als Folge der Pandemie langfristig Teilnehmer verliert?
Nein, diese langfristige Sorge haben wir nicht, da nicht alle die digitalen Medien zum Lernen nutzen können oder möchten und die meisten Menschen das Lernen in Präsenz bevorzugen.
Kriegen Sie Rückmeldungen, welche Angebote besonders vermisst werden? Kochkurse waren ja zum Beispiel gar nicht mehr möglich…
Zunächst einmal schätzen wir es sehr, dass Kursleiter und auch die Teilnehmenden die strengen Hygieneregeln in den Präsenzkursen sehr ernst nehmen. Kochkurse und körpernahe Kurse, wie etwa einige Tanzkurse, sind seit März leider nicht möglich. Ja, diese Angebote werden von den Teilnehmenden vermisst, und auch wir freuen uns darauf, diese wieder aufnehmen zu können, sobald es möglich ist.
Wie planen Sie angesichts der Entwicklungen für die Zukunft, konkret: für das nächste Semester, das ja noch im Winter startet?
Den ursprünglichen Semesterbeginn im Januar haben wir auf den 22. Februar 2021 verschoben. Manche Kurse werden noch etwas später beginnen. Wir gehen – Stand heute – davon aus, dass wir im Februar unser Kursangebot wieder in Präsenz aufnehmen können. Wir planen wieder ein digitales Heft mit den Kursangeboten, das als Flip-Book auf der Internetseite der VHS virtuell durchgeblättert werden kann.
Wie sehen die finanziellen Folgen für die VHS aus? Schon im Sommer war von einem sechsstelligen Verlustbetrag die Rede…
Im Vergleich zum Vorjahr wird sich der Verlustbetrag um etwa 600 000 Euro erhöhen.

Die Fragen stellte Katrin Stassig

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