Mit ungewöhnlichem Gesicht

Heilig-Geist-Kirche bekommt neue Orgel

Der künftige Arbeitsplatz des Organisten: Intonateur und Seniorchef Friedbert Weimbs bei der Funktionsprüfung.
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Der künftige Arbeitsplatz des Organisten: Intonateur und Seniorchef Friedbert Weimbs bei der Funktionsprüfung.

Der Bau der neuen Orgel mit ihrem ungewöhnlichen Gesicht für die katholische Heilig-Geist-Kirche im Lamboy steht vor dem Ab-Schluss – allerdings noch nicht in der Kirche selbst, sondern zunächst bei der Orgelbaufirma Weimbs in Hellenthal (Eifel), wo das Instrument komplett gebaut wird. Doch Anfang Juni soll es dann in vielen Einzelteilen in Hanau ankommen.

Hanau - Die Gemeinde erhält damit seit dem Bau ihres Gotteshauses an der Lamboystraße im Jahr 1962 ihre erste „richtige“ Orgel. Seit 58 Jahren werden die Gottesdienste bislang auf einer Behelfsorgel begleitet, deren Einsatz damals eigentlich nur für fünf Jahre geplant war. Der Neubau des Instruments sorgte schon vor Baubeginn für Furore: Statt der weitverbreiteten Anordnung von Prospektpfeifen (das Prospekt ist das Gesicht einer Orgel) in ‚Reih’ und Glied’ wird hier eine Stahlblechwand zu sehen sein. Ausgewählte Orgelpfeifen werden darauf durch einzelne, senkrecht verlaufende Aussparungen im Prospekt sichtbar gemacht.

Architekt Guido Höfert vom Kasseler Architekturbüro HHS-Planer + Architekten AG hat das ungewöhnliche „Orgelgesicht“ seinerzeit entworfen und zusammen mit dem traditionsreichen Orgelbauunternehmen Weimbs in Hellenthal den ersten Preis eines Wettbewerbs für den Orgelneubau der Heilig-Geist-Kirche gewonnen. Dem HANAUER ANZEIGER sagte Höfert: „Unser Entwurf macht sich bewusst das Passepartout-Prinzip zu eigen. Ausschnitte in unterschiedlichen Längen, die scheinbar von oben kommend über die Fläche laufen, geben den Blick auf dahinterliegende Orgelpfeifen frei.“ Von der Preisjury gab es für diese Idee viel Lob: „Eine zurückhaltende Gestaltung, die dennoch ein selbstbewusstes Zeichen im Raum setzt“, hieß es. Außergewöhnlich ist auch die Anordnung des Organisten-Arbeitsplatzes. Der Spieltisch wird etwa 70 Zentimeter über dem Boden direkt am Prospekt angebracht und wirkt damit optisch frei schwebend.

Aufbau große logistische Herausforderung

Einfach waren die in der Kirche vorgefundenen Bedingungen für Architekt und Orgelbauer nicht. Der denk-malgeschützte Sakralbau des 1974 verstorbenen Baumeisters Professor Johannes Krahn (seinerzeit Dozent an der berühmten Frankfurter Städel-Schule) wirkt in seinem Innenraum eher unruhig. Prägend sind hier ruppige Bruchsteinwände, die von vertikal und horizontal angeordneten Fensterbändern unterbrochen oder begrenzt werden. Die Aufstellfläche für die Orgel zu ebener Erde ist zudem vergleichsweise knapp bemessen, denn eine Empore wie andernorts gibt es hier nicht. Deswegen musste das 23 Register und 1419 Pfeifen umfassende Instrument mit seinem umfangreichen technischen Innenleben „in die Höhe“ geplant werden. Jetzt, nach-dem sich der Bau seiner Vollendung nähert, zieht Höfert gegenüber unserer Zeitung eine Zwischenbilanz: „Ich habe bei der Orgelbaufirma immer mal wieder nach dem Baufortschritt geschaut und bin mir ziemlich sicher, dass das, was wir damals wollten, gut zur Geltung kommen wird“.

Bis auch die letzte aller Orgelpfeifen intoniert sein wird, kann es durchaus Oktober werden. Zwar werden die Pfeifen in der Orgelbauwerkstatt vorgestimmt, eine abschließende klangliche Abstimmung kann der Intonateur aber nur unter den akustischen Bedingungen vor Ort und abhängig von den Umgebungstemperaturen vornehmen. Für die Gemeinde bedeutet der Aufbau der Orgel in der Kirche eine große logistische Herausforderung. Je nach Bauphase kann die Kirche gar nicht oder nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Ohnehin steht wegen des pandemiebedingten Hygienekonzeptes nur ein kleinerer Teil der sonst üblichen Sitzplätze zur Verfügung.

Von Reinhold Schlitt

Weil in der Breite kein Platz ist, wird die Orgel in die Höhe gebaut. Rechts ist die erste Stahlblechplatte des künftigen Orgelgesichts zu erkennen.
Von oben herabkommende Pfeifen und ein schwebender Spieltisch: Die neue Orgel für Heilig Geist, hier noch als Grafik in der Teilansicht. VISUALISIERUNG: HHS PLANERARCHITEKTEN AG KASSEL

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