Ruine im Wald zwischen Wolfgang und Rodenbach wird gesichert

Klosterruine soll vor dem Verfall bewahrt werden

Die historische Klosterruine im Wald zwischen Rodenbach und Wolfgang wird wieder in Schuss gebracht.
+
Die historische Klosterruine im Wald zwischen Rodenbach und Wolfgang wird wieder in Schuss gebracht.

Das Kloster Wolfgang, oder vielmehr dessen baulichen Reste, sind und waren ein gerne aufgesuchter Ort inmitten der Bulau. Nun wurden durch HessenForst erste Schritte zu einer Aufwertung und weiteren Sicherung der Anlage übernommen.

Hanau - Nicht nur für einen Osterspaziergang war und ist das Kloster Wolfgang Ziel vieler Hanauer, aber auch von Besuchern von jenseits der hessischen Landesgrenze. Der wildromantische, zugleich gut zugängliche Ort inmitten des einstigen Jagdreviers der Hanauer Grafen ist in den letzten Jahren aber auch in den Fokus der Wissenschaft geraten. Der Archäologe Michael Müller vom Hanauer Geschichtsverein 1844 hat dort in mehreren Kampagnen 2013/2014 mithilfe des Landesamtes für Denkmalpflege/hessenarchäologie neue Erkenntnisse „ergraben“. So hat man jetzt einen genaueren Überblick über die doch recht beachtliche Ausdehnung der einstigen Klosteranlage.

Sichtbarstes Relikt ist der Turm

Müllers Untersuchungen mussten freilich Stückwerk bleiben, denn trotz des Engagements von Land, Stadt Hanau, Ortsbeirat, HessenForst und Hanauer Geschichtsverein: Solche Untersuchungen sind nicht billig zu haben. So wurden denn die Grabungsaufschlüsse wieder verfüllt; um die im Boden verbliebenen Befunde müssen sich künftige Generationen von Archäologen kümmern.

Markantestes sichtbares Relikt ist der Turm des Klosters, der bauhistorisch und funktional auch noch einige Rätsel birgt. Allerdings ist das Bauwerk, Eigentümer ist HessenForst, in sanierungsbedürftigem Zustand. Doch auch um dieses Monument herum, so jedenfalls der Wunsch des Hanauer Geschichtsvereins, könnte etwas zur Aufwertung der Gesamtanlage getan werden. Schon letztes Jahr im November wurde HessenForst ein Konzept vorgelegt, nach dem die Ruinen vor dem weiteren Verfall bewahrt und zugleich das Umfeld attraktiver gestaltet werden sollen. Corona hat jedoch bislang die Umsetzung verhindert.

„Gebäudesubstanz vor dem Verfall schützen“

Derweil ist HessenForst nun einen ersten Schritt gegangen: „Das Gitter, das einen Teil des erhaltenen Gebäudes vor dem Betreten und vor Schäden durch Vandalismus schützen soll, war aus den Angeln gerostet“, berichtete jetzt Sigrun Brell, Bereichsleiterin Dienstleistung/Hoheit im Forstamt Wolfgang. Nun sei es durch HessenForst wieder angebracht worden. Weitere Schritte sollen, wenn irgend möglich, noch dieses Jahr folgen. Denn: „Ganz wichtig ist es uns, die Gebäudesubstanz vor dem Verfall zu schützen und der Nachwelt zu erhalten“, so die Forstfachfrau.

Die Ruine des Serviten-Klosters Wolfgang ist eines der ganz wenigen Zeugnisse des vorreformatorischen „katholischen“ Hanau. Es entstand um das Jahr 1480 zur Regierungszeit Philipps d. Jüngeren (1449 bis 1500) an der Stelle einer Kapelle, die dem Forst- und Jagdheiligen St. Wolfgang geweiht war. Im ausgehenden 15. Jahrhundert war es ein Ort von nicht geringer religiöser wie auch ökonomischer Bedeutung. Verkehrsgünstig gelegen diente es nicht nur Reisenden, sondern auch den Jagdgesellschaften des Grafen zur Rast. Das Ende des Klosters kam 1525, da wurde es von Rodenbacher Bauern zerstört, die Mönche vertrieben. Es soll ein „Ort der Unzucht und des Lasters“ gewesen sein, wie manche Quellen behaupten. Eher aber waren es inmitten der Umbruchzeit der Reformation die materiellen Interessen von Graf Philipps Nachfolger, Philipp II., welcher der großzügigen Dotierung des Klosters durch dessen Gründer ein Ende machte. Nach 1525 verschwindet es jedenfalls aus den Geschichtsquellen. Geblieben ist der Nachwelt ein romantisches Ausflugsziel und der Archäologie ein bei Weitem noch nicht vollends erforschtes Aufgabenfeld.

Von Werner Kurz

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare