Stadtentwicklung

Warten auf die Fußgängerzone: Noch im Oktober soll die Langstraße weitgehend autofrei werden

Noch kreuzen Autos die Hammerstraße. Das soll bald vorüber sein, da auch die Langstraße zur Fußgängerzone werden soll. Am 12. Oktober sollen die Arbeiten dafür beginnen. Unter anderem werden versenkbare Poller aufgestellt.
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Noch kreuzen Autos die Hammerstraße. Das soll bald vorüber sein, da auch die Langstraße zur Fußgängerzone werden soll. Am 12. Oktober sollen die Arbeiten dafür beginnen. Unter anderem werden versenkbare Poller aufgestellt.

Wer als Fußgänger die Hammerstraße entlang spaziert, der sollte seine Sinne beisammen haben und besonders aufmerksam sein – zum einen an der Stelle, wo die Fußgängerzone von der Langstraße gekreuzt wird. Dort herrscht bisweilen ordentlich Betrieb. Zu Stoßzeiten kommt Auto um Auto angefahren, und nicht jeder Zeitgenosse lässt dabei die nötige Vorsicht walten. Anwohner sprechen seit Jahren von einem Raser- und Autoposer-Problem.

Hanau – Zu Begegnungen zwischen Autofahrern und Fußgängern kommt es auch an der Kreuzung der Langstraße mit der Fahrstraße, die Markt- und Freiheitsplatz miteinander verbindet. Hier strömen die Menschen in beide Richtungen auf den Bürgersteigen. Und auch, wer durch die Fußgängerzone in der Rosenstraße schlendert, sollte tunlichst aufpassen, wenn er die Langstraße überquert. Diese Probleme sollen bald der Geschichte angehören.

Vor über einem Jahr wurden die Pläne vorgestellt, die Straße zwischen den Kreuzungen mit der Steinheimer Straße und der Hirschstraße zur Fußgängerzone zu machen. Die Stadt Hanau will so einen Lückenschluss zwischen Markt- und Freiheitsplatz vollziehen, Wohn- und Aufenthaltsqualität sollen nach ihrer Vorstellung durch die Maßnahme deutlich gesteigert werden.

Arbeiten in der Langstraße in Hanau sollen in den nächsten Wochen beginnen

Zuletzt hatte Stadtrat Thomas Morlock laut Mitteilung vom Mai darüber informiert, dass es keine Einwände von Anwohnern gegen die Umwidmung gegeben habe. In „den nächsten Wochen“ sollten die Arbeiten beginnen. Doch bis jetzt ist nichts passiert. Einige HA-Leser hatten daher in den vergangenen Tagen mit Zuschriften und Leserbriefen ihren Unmut darüber kundgetan und die Stadt aufgefordert, die Pläne endlich umzusetzen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte die Stadt Hanau nun mit, die Arbeiten sollen am 12. Oktober beginnen und noch diesen Monat abgeschlossen werden. Die Fußgängerzone werde wie angekündigt von der Steinheimer Straße bis zur Hirschstraße eingerichtet. Hierfür werde die Beschilderung entsprechend geändert. Außerdem sollen für 60 000 Euro zwei Polleranlagen installiert werden, sodass eine Durchfahrt von beiden Seiten nur für Anwohner, Anlieger und Berechtigte wie Geschäftsinhaber möglich sein wird. Die Anlage wird per Chipkarte steuerbar sein. Andienverkehr soll montags bis samstags von 6 bis 11 sowie 18 bis 22 Uhr möglich sein. Natürlich erhalten auch Rettungsdienste Zufahrt.

Corona habe die Arbeiten in Hanau verzögert

Der zeitliche Verzug der Arbeit wird von der Stadt mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie begründet. „Die elektrisch versenkbaren Poller werden in einem Werk in Norditalien hergestellt. Diese Werke beziehen auch Bauteile aus dem nicht europäischen Ausland. Durch Corona haben viele Länder nicht oder nur eingeschränkt produzieren können, sodass sich die normale Lieferzeit von acht bis zehn Wochen verzögert hat“, erklärt Stadtsprecher Joachim Haas-Feldmann.

Seit Corona hat der Autoverkehr gegenüber dem öffentlichen Personennahverkehr zugelegt. Doch die Stadt hält an ihrer Auffassung fest, der Wegfall der letzten City-Querung sei verkraftbar. „Durch den Innenstadtring ist ein leistungsfähiges Straßennetz vorhanden“, so Haas-Feldmann. Aktuelle Verkehrszählungen hat die Stadt nicht vorzuweisen. Die letzte Erhebung sei im Mai 2019 durchgeführt worden. Pro 24 Stunden seien damals rund 2400 Kfz in der Langstraße gezählt worden. Um dem ebenfalls zunehmenden Radverkehr Rechnung zu tragen, soll in der Langstraße eine Fahrradabstellanlage entstehen. Die Anlage auf dem „Wolle-Rödel-Parkplatz“ gegenüber dem Rathaus befinde sich derzeit in der Ausschreibungsmaßnahme, teilt Haas-Feldmann mit. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich im November beginnen, die Fahrradboxen noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Es werde bis Anfang 2021 dauern, bis die letzten Arbeiten beendet sind. Pläne für ein Fahrradparkhaus in der Sternstraße waren zuvor aus Kostengründen verworfen worden – aus Sicht von Stadtrat Thomas Morlock war das finanzielle Risiko in der Corona-Krise zu hoch, erklärte er laut einer Mitteilung vom Juni.

Fußgängerzone in Langstraße in Hanau war nicht von Anfang an das Ziel

Aus der Langstraße eine Fußgängerzone zu machen, war nicht von Anfang an das Ziel. Ursprünglich wollte die Stadt eine Raserfalle namens Actibump installieren. Das System wurde von einer schwedischen Firma entwickelt.

Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, erfasst von einem Radargerät, senkt sich eine Stahlplatte ab und soll für ein unsanftes Poltern im Fahrzeug sorgen. Der Magistrat der Stadt Hanau hatte dafür bereits 50 000 Euro bewilligt. Kritik an den später verworfenen Plänen hatten unter anderem aus verkehrlicher Sicht der ADAC und aus finanzieller Sicht der Bund der Steuerzahler geübt.

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