FRAGEN UND ANTWORTEN

Warum hat Hanau so viele Corona-Fälle? ‒ Ursachenforschung ist für Stadt schwierig

So hat sich die Corona-Inzidenz in den vergangenen vier Wochen entwickelt. Am 12. November lag sie bei 351. 
GRAFIK: PM
+
So hat sich die Corona-Inzidenz in den vergangenen vier Wochen entwickelt. Am 12. November lag sie bei 351.

Hanau ist eine Corona-Hochburg. Das fällt nur nicht so auf, weil die Neuinfektionen der Stadt über die Statistik des Main-Kinzig-Kreises laufen. Die wichtigsten Fragen.

Hanau – Mit einer Inzidenz von 351, Stand 12. November, gehört die Brüder-Grimm-Stadt ähnlich wie Frankfurt und Offenbach zu den am stärksten betroffenen größeren Städten im Bundesgebiet. Da Hanau nach wie vor zum Main-Kinzig-Kreis gehört, wird die Inzidenz in den täglichen Meldungen des Kreisgesundheitsamtes insgesamt berechnet und nicht separat dargestellt. Das ändert nichts an den im Verhältnis zur Einwohnerzahl enorm vielen Fällen in Hanau. Wo kommen diese her, und was kann Hanau dagegen unternehmen? Wir haben Fragen ans Rathaus geschickt und geben einen Überblick über einige Erkenntnisse.

Regelmäßig sind ungefähr die Hälfte der täglichen Corona-Neuinfektionen Fälle im Main-Kinzig-Kreis aus Hanau, obwohl die Stadt nur ein Viertel der Einwohner stellt. Warum ist das so?
„Grundsätzlich können wir als Stadt keine Aussagen zur Ursache der vielen Neuinfektionen tätigen, da wir aus Datenschutzgründen nichts über die Betroffenen wissen“, teilt Magistratspressesprecherin Güzin Langner mit. Fakt sei, dass Hanau mit seinen knapp 100 000 Einwohnern „sozial und bevölkerungstechnisch anders aufgestellt ist als der eher ländlich geprägte Ostteil des Kreises“. In Hanau lebten viel mehr Menschen auf engerem Raum, weshalb die Menge der Sozialkontakte höher sei. „Zudem haben wir viele Berufspendler.“
Welche Bereiche sind in Hanau besonders kritisch – Schulen, Altersheime, der private Bereich?
„Wir können somit auch nicht sagen, wo die meisten Neuinfektionen auftreten, oder wo wir in Hanau besonders kritische Bereiche haben. Man kann allerdings sagen, dass sich weder Schulen noch Kitas als Infektions-Hotspots gezeigt haben“, so Langner.
Wie steuert die Stadt dagegen beziehungsweise was kann sie tun?
Die Stadt Hanau agiere bei allen derzeitigen Corona-Maßnahmen im Einklang mit dem Kreis, das heißt, die Allgemeinverfügung des Landkreises und die Landesverordnung würden hier umgesetzt. Das Hygieneteam und die regelmäßigen Streifen seien ein weiteres wichtiges Instrument zur Kontrolle.
Wie viele Verstöße gegen welche Corona-Verordnungen hat es in Hanau in den vergangenen vier Wochen gegeben?
Laut Langner hat es in dem Zeitraum insgesamt 508 Verstöße gegeben. Dabei lag der absolute Schwerpunkt mit 478 im Bereich von Verstößen gegen die Maskenpflicht. Danach folgen Verstöße gegen das zwingend notwendige Führen von Gästelisten in Gastronomiebetrieben.
Wie fällt die Zwischenbilanz des Hanauer Hygieneteams aus?
Die Rückmeldungen auf die Arbeit des Hygieneteams seien überwiegend positiv. Die Arbeit werde anerkannt und wertgeschätzt. Die unterstützende Beratung sowie die klare Regie zur Umsetzung der geforderten Maßnahmen verbesserten fast immer deutlich die Situationen vor Ort.
Das Hygieneteam sei seit rund vier Monaten gemeinsam mit der Stadtpolizei „auf Streife“. Die entsprechenden Kontrollen seien insbesondere in der Gastronomie, dem Handel und in Betrieben der „körpernahen Dienstleistungen“ (zum Beispiel Frisöre; Nagelstudios), aber auch den Spielhallen durchgeführt worden und würden weiter durchgeführt. Wie Langner erläutert, gibt es täglich zwei Kontrollgänge (jeweils drei Stunden) zu wechselnden Zeiten und auf unterschiedlichen Touren. Dabei würden die Innenstadt und Stadtteile gleichermaßen bestreift. Davon unabhängig würden insbesondere zur Masken-Pflicht-Kontrolle zusätzlich Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen eingesetzt.
Welche Maßnahmen legt das Team fest?
Das Auftreten und „die Regie“ des Hygieneteams gehe oft mit harten Maßnahmen einher. Stadt-Sprecherin Langner erläutert: „Es wurden Feiern untersagt, weil Raumgrößen nicht ausreichen; es müssen in Werkstätten Dienstpläne komplett umgeschrieben werden, weil die Umkleideräume zu eng sind und Schichten "versetzt" antreten müssen; es kam zu zahlreichen Einschränkungen in der Gastronomie und es mussten Schließungen und/oder Teilschließungen vollzogen werden. Es wurde an zahlreichen Arbeitsplätzen, Sitzungs- und Besprechungsräumen, an Schalterbereichen und Ähnlichem Veränderungen vorgenommen. Vereine und andere Organisationen mussten zusätzliches Material beschaffen (von Spuckschutz bis Desinfektionsmitteln) und mussten viele Einschränkungen akzeptieren.“
Wie viele Einrichtungen wurden bisher unter die Lupe genommen?
Dem Hygienecheck seien rund 240 Einzelhändler und Gastronomen unterzogen worden. Teilweise habe nachgebessert werden müssen. Alle 240 hätten den Check bestanden und seien mit der Urkunde, mit Aufklebern und Material versorgt worden.
Langner: „Es gibt allerdings Betriebe, bei denen sich trotz des erfolgreichen Checks anschließend Beschwerden häufen. Diese Betriebe werden unmittelbar aufgesucht, und es wird auf Abstellen der Mängel gedrängt. Bisher sind alle Betriebe den Auflagen gefolgt. Bisher musste keinem Betrieb der Check/Urkunde wieder aberkannt werden. Die Nachfragen nach dem Hygienecheck laufen unvermindert weiter.“
Über welche weiteren Maßnahmen denkt Hanau angesichts der hohen Inzidenz nach?
Laut Stadt würde es dem Main-Kinzig-Kreis beziehungsweise dem Gesundheitsamt obliegen, weitere Maßnahmen anzuordnen. „Dass hier zeitnah auf aktuelle Entwicklungen reagiert wird, hat sich vergangene Woche bei den Veränderungen im Kita-Bereich gezeigt, wo jetzt in Reaktion auf die hohe Inzidenz der eingeschränkte Regelbetrieb mit strikter Gruppentrennung eingeführt wurde“, erklärt Langner.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare