Katastrophe 

Wegen Dürre-Sommer: Hunderte Stadtbäume sind nicht zu retten

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Drei Zieräpfel am Amphitheater von Schloss Philippsruhe haben der Hitze ebenfalls nicht standgehalten und mussten von HIS gefällt werden. 

In Hanau zollen hunderte Bäume  dem Hitze-Sommer Tribut: Sie streben ab. Die Sorgen in der Stadt deshalb wachsen.  

Hanau - Den Hitzesommern der Jahre 2018 und 2019 müssen auch die Stadtbäume Tribut zollen. Berlin meldete unlängst 7 000 abgestorbene Fichten, Ahorne und Buchen, die aus Sicherheitsgründen fallen müssen, Karlsruhe 1200 zu fällende Bäume, Koblenz und Offenbach 500.

Auch Hanau ist betroffen: Exakt 501 der kartierten Bäume an Straßen und in öffentlichen Grünanlagen im Stadtgebiet haben nicht überlebt. Das haben die Fachleute des zuständigen kommunalen Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS) festgestellt. „Besorgniserregend“ nennt Stadtrat Thomas Morlock (FDP) diesen Befund.

Die Stadt müsse sich dauerhaft auf die sommerlichen Hitzeperioden einstellen, meint HIS-Betriebsleiter Markus Henrich. Das heißt zum Beispiel: Hitzebeständigere Bäume bevorzugen, wie es jetzt bereits bei der Neugestaltung des Wallonisch-Niederländischen Kirchplatzes geschieht, wo Amber- und Schnurbäume gepflanzt werden. Und gepflanzt wird möglichst häufig schon im Herbst und nicht mehr im ausgehenden Winter oder im Frühjahr, weil dann die Gefahr besteht, dass Jungpflanzen frühen hohen Temperaturen im April oder Mai nicht gewachsen sind.

Hanau: Hunderte Bäume sterben wegen Hitze-Sommer 

Unter den 501 abgestorbenen Bäumen dominieren die Birken bei Weitem mit 178. Allein 91 davon sind in einem Wäldchen an der Hohen Landesschule schon gefällt worden - allesamt Exemplare mit geringem Stammdurchmesser. „Trockenheit können sie gerade noch vertragen, zusätzliche Hitze aber in so jungem Stadium nicht“, erläutert HIS-Baumkontrolleur Michael Schenk.

Mit 59 Exemplaren belegt die Kiefer Platz zwei in der Fällliste, Schwerpunkt ist hier Großauheim. Bei ihr kommt zur Hitze ein spezieller Pilz hinzu, der dem Baum zusetzt.

Inspektion im Schlosspark: HIS-Betriebsleiter Markus Henrich (l.) und Baumkontrolleur Michael Schenk

Auch 35 Fichten haben die heißen Monate nicht überlebt. Betroffen ist vor allem die Grünanlage Pfaffenbrunnenstraße in Steinheim. Diese Baumart ist ein „Opfer von Hitze und Borkenkäfer“, so Schenk. Gegen den Schädling vermag die Kiefer normalerweise genug Harz zu produzieren, um die vom Borkenkäfer gefressenen Löcher wieder zu schließen, bei Temperaturen nahe der 40 Grad jedoch nicht mehr.

69 Bäume diverser Arten - und damit mehr als zehn Prozent des Gesamtbestands - sind allein im Schlosspark Philippsruhe betroffen. Das hat nach Darstellung von HIS-Baumkontrolleur Michael Schenk verschiedene Ursachen. Mit Blick auf Risse im Stamm und abgeplatzte Rinde von abgestorbenen Buchen sagt er: „Die Rinde ist regelrecht verbrannt.“

Stadtrat Hanau: Baumsterben „besorgniserregend“ 

Hinzu komme, dass der Park ehedem auf einem aufgeschütteten Gelände angelegt worden und die Bodenqualität „nicht besonders wachstumsfreundlich“ sei. Schließlich führe die zu geringe Durchfeuchtung der Erde dazu, dass feine Wurzeln absterben und kein Wasser mehr in den Baum weitergeben können.

Unterhalb der Marke von 30 Zentimetern ist es im Erdreich zu trocken. Daher hat HIS schon damit begonnen auch im Herbst und Winter - außer an Frosttagen - regelmäßig zu wässern. „Wir stärken die Bäume damit auch schon für eine eventuelle weitere Hitzeperiode“, erläutert HIS-Leiter Henrich.

Der Eigenbetrieb verwendet auch im Schlosspark dafür ausschließlich Brunnenwasser. Henrich will darüber hinaus prüfen lassen, ob eine unterirdisch vorhandene Beregnungsanlage nachts wiedereingesetzt werden kann - was vor Jahren schon einmal so praktiziert wurde. Und er überlegt, inwieweit es sinnvoll ist, Wasser vom nahen Main per Leitung und Pumpe zu nutzen.

Bei dieser Buche ist die Rinde schon abgefallen.

Henrich ist besorgt: „In den Jahren zuvor sind im Schnitt 52 städtische Bäume abgestorben, in diesem und dem vergangenen Jahr hingegen jeweils 286.“ Binnen drei bis vier Jahren will HIS diese Verluste durch das Anpflanzen neuer Bäume „eins zu eins ausgeglichen“ haben. So sei derzeit eine Charge von 107 Bäumen bestellt, die noch in diesem Herbst abgestorbene ersetzen sollen. Insgesamt zählt das von Michael Schenk und Holger Rehde gepflegte Baumkataster im Stadtgebiet mehr als 24 000 Bäume.

Nicht in der jetzigen Schadensbilanz enthalten sind die Bäume im Hanauer Stadtwald. „Sobald diese Ausfallquote feststeht, informieren wir auch darüber“, verspricht der zuständige Stadtrat Morlock. Ebenso wenig darin enthalten sind Bäume in privaten Gärten und im Staatspark Wilhelmsbad.  did

Das Unwetter im August hat im Wald in Langen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Nicht der einzige Grund, sich um den Baumbestand zu sorgen.

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