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In Hanau könnte ein weiteres Jugendzentrum entstehen

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Von: Christian Dauber

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Jugendliche brauchen Treffpunkte. In Hanau könnte ein zweites Jugendzentrum nötig werden. ARCHIV
Jugendliche brauchen Treffpunkte. In Hanau könnte ein zweites Jugendzentrum nötig werden. ARCHIV © DPA

Nach über 25 Jahren gibt es einen neuen Jugendhilfeplan für die Stadt Hanau. Am Montagabend wurde das Papier in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt und diskutiert. Auf 122 Seiten ist dargestellt, wie die offene Kinder- und Jugendarbeit in Hanau zur Zeit aussieht – und was sich dringend ändern muss. Dass sich die Bedarfe seit 1996 deutlich verändert haben, liegt auf der Hand.

Hanau - Unter anderem soll geprüft werden, ob ein weiteres reines Jugendzentrum in Hanau etabliert werden muss – neben dem bereits existierenden und einzigen in Kesselstadt. Doch bei der Sitzung des Stadtparlaments im Congress Park wurde auch Kritik laut.

Für Bürgermeister und Jugenddezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) ist das Papier ein „Paradigmenwechsel“, weil es einen neuen Ansatz verfolge. Hanau sei mit seinem Angebot grundsätzlich gut aufgestellt. Im Schnitt gebe es mit insgesamt zehn Einrichtungen eine pro 10 000 Einwohner. In Frankfurt gebe es dieselbe Zahl, und das bei 750 000 Einwohnern. Auch in Offenbach sei die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit zwei Einrichtungen bei 120 000 Einwohnern im Vergleich schlechter. Der neue Jugendhilfeplan zeige Handlungsnotwendigkeiten auf. Vieles davon sei aber „nicht von heute auf morgen machbar“.

Im Plan werden das Attentat vom 19. Februar und die Corona-Pandemie als einschneidende Zäsuren bezeichnet. Selbstverständlich müsse auch die offene Kinder- und Jugendarbeit einen Umgang mit dem Terrorakt finden, schreibt Weiss-Thiel in seinem Vorwort. Corona wiederum habe dazu geführt, dass neue Formen der Arbeit gefunden und ausprobiert werden mussten. Erste Ansätze eines veränderten Arbeitens seien daher in den Plan eingeflossen.

„Einfach so entspannt quatschen“

Der Plan setzt sich zusammen aus einer Bestandsaufnahme aller Einrichtungen im Stadtgebiet. Er zeigt in einem Datenteil die Entwicklungen auf, lässt auch Experten und Jugendliche zu Wort kommen. Beteiligt wurde die University of Applied Sciences in Fulda, die Gruppeninterviews und -diskussionen führte und moderierte. Auf die ausführliche Bedarfsanalyse folgen Handlungsempfehlungen: Ein klares Ergebnis aller Prozesse sei, „dass in Hanau ein Bedarf für ein weiteres Jugendzentrum existiert. Hierbei ist es wichtig, dass dies eine Einrichtung sein muss, die an den echten Bedarfen der Jugendlichen orientiert ist.“

Die Rede ist von einem niedrigschwelligen Angebot, eine Überpädagogisierung sei zu vermeiden. Es scheine, dass es „den Jugendlichen darum geht, ‘einfach so entspannt zu quatschen’, ohne pädagogische Problematisierungen“. Die oftmals eher abwertend bezeichnete Thekenjugendarbeit könne ein wichtiges Element darstellen.

Forum Hanau ist beliebter Treffpunkt

Mit der Umstellung der Strategie auf Mehrgenerationenhäuser stelle sich die Lage in Hanau so dar, dass Familien mit Kindern von 0 bis 13 Jahren sehr gut abgedeckt seien. Dies sei aber zulasten der 14- bis 26-Jährigen gegangen, da „die Personalressourcen dafür sozusagen der offenen Jugendarbeit ‘aus den Rippen geschnitten’ wurden.“ Es sei somit zu prüfen, ob ein weiteres reines Jugendzentrum in Hanau etabliert werden müsse.

Eine weitere Erkenntnis: Das Forum Hanau als Treffpunkt soll stärker in die Jugendarbeit eingebunden werden. Es gebe heute nur noch wenige Jugendzentren, die ausschließlich Jugendlichen vorbehalten seien. Dies habe zur Folge, „dass Jugendliche noch stärker auf kommerzielle Orte ausweichen müssen, wenn sie unter sich sein wollen“, ist im Jugendhilfeplan ausgeführt. Das Forum sei für Jugendliche aufgrund seiner Lage ein attraktiver Standort. Dort treffe und sammele man sich. Auch das „Sehen und gesehen werden“ spiele eine große Rolle.

Kritik: Stadtteile stärker berücksichtigen

Das Thema Sicherheit werde dort allerdings ambivalent wahrgenommen. Auf der einen Seite fühlten sich Jugendliche durch Kontrollpersonal sicher, auf der anderen Seite durch dieses eingeschränkt. Sie sähen sich „in ihren Interessen und in ihren Belangen beschnitten und unverstanden“. Der Plan der Stadt: Kontaktaufnahmen mit dem Management, verstärkte Kooperationen mit dem Kulturforum, Aktionen im oder am Forum und nach Möglichkeit auch eine zentrale Anlaufstelle für Jugendliche im Forum.

Weiterhin sollen Formen der Jugendarbeit an Schulen etabliert werden, um Freiräume zu schaffen, die losgelöst von der Institution Schule sind. Ein Angebot zur mobilen Jugendarbeit in Hanau soll geprüft werden, außerdem die Einrichtung einer Stelle im Bereich der Jugendhilfeplanung. Beteiligungsprozesse sollen sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche künftig stärker eingebunden werden. Der Jugendhilfeplan soll alle fünf Jahre fortgeschrieben werden.

Manchem ging die Planung nicht weit genug. Grünen-Stadtverordneter Robert Erkan lobte zwar die gelungene Bestandsaufnahme, kritisierte aber die Handlungsempfehlungen als „nicht konkret genug“. Zudem fänden die Stadtteile bei den Maßnahmenplanungen keine Erwähnung – und das, obwohl sich gerade in Großauheim und Wolfgang durch die Neubauprojekte enorm viel tue. Erkan riet den Ortsvorstehern, im Rahmen der weiteren Diskussionen über den Jugendhilfeplan für die Interessen ihres Stadtteils zu werben.

Das Papier wird nach einstimmigem Votum der Stadtverordneten im zuständigen Fachausschuss weiter diskutiert.

Von Christian Dauber

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