Corona-Pandemie

Wenn Corona nahe rückt: Was passiert, wenn man mit einer infizierten Person Kontakt hat

Der Abstrich für einen Corona-Test geht schnell und ist schmerzfrei, aber unangenehm in Rachen und Nase, wie unser Mitarbeiter berichtet. ARCHIV
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Der Abstrich für einen Corona-Test geht schnell und ist schmerzfrei, aber unangenehm in Rachen und Nase, wie unser Mitarbeiter berichtet. ARCHIV

Corona-Erkrankungen mögen vermeintlich weit weg sein. Doch unvermittelt können sie ganz nahe kommen. Unser Mitarbeiter hat das erlebt. Er hatte Kontakt mit einer infizierten Person. Die Folgen: Quarantäne, Test, Ungewissheit, Bangen. Er hat aufgeschrieben, was er in den Tagen erlebt hat.

Hanau – Donnerstag 1. Oktober: Schreck am Morgen. Anruf vom Gesundheitsamt Gelnhausen. Im Ortsbeirat Steinheim, dem ich seit 1993 angehöre, sei eine Person positiv auf Covid-19 getestet worden, teilt mir die Mitarbeiterin mit. Bereits am Vorabend hatte Ortsvorsteher Klaus Romeis per E-Mail informiert, es habe bei der letzten Sitzung am 24. September eine Corona-infizierte Person in unserer Mitte gegeben. Das sei erst jetzt herausgekommen. Ich lese diese E-Mail erst am Morgen danach. Die Frau vom Gesundheitsamt fragt, wie lange die Ortsbeiratssitzung gedauert hat (Ich: Etwa eine Stunde), wie weit die Tische in der Kulturhalle auseinanderstanden (Ich: Rund 2,50 Meter) - und wie ich mich fühle, ob ich irgendwelche Symptome habe (Ich: Fühle mich gut, habe keine Krankheitssymptome). Fest steht aber: Ich falle in die Kontaktpersonen-Kategorie 1 von 2, da ich neben einer infizierten Person saß. Darum muss ich bis 8. Oktober in häuslicher Quarantäne bleiben, wird mir mitgeteilt. Das Haus dürfe ich nur verlassen, um zu einem Corona-Test zu fahren – auf direktem Weg.

Die Mitarbeiterin fragt, ob ich genug zu essen im Haus habe oder mich jemand versorgen könne (Ich: Ja, habe genug zu essen.). Eine Kollegin vom Gesundheitsamt werde sich später bei mir melden, um die Teststation mitzuteilen. Nachdem sie aufgelegt hat, überlege ich kurz: Ich sage drei vereinbarte Pressetermine ab. Klasse, Verdienstausfall, den mir wohl niemand bezahlen wird, denke ich. Pech. So ist Corona. Und ich weiß, dass es die Corona-Erkrankten natürlich noch viel härter trifft: gesundheitlich, womöglich auch finanziell.

Corona-Test findet in Langenselbold statt

Gegen Mittag meldet sich eine weitere Mitarbeiterin des Gesundheitsamts und teilt mir den Termin für den Corona-Test mit: Am darauffolgenden Tag um 8.30 Uhr in Langenselbold. Ich soll mich am Wundversorgungszentrum im Steinweg einfinden, auf den Parkplatz fahren und im Auto warten. „Die Mitarbeiter der Praxis wissen Bescheid, kommen nach unten und werden Sie testen.“ Die Kosten für den Corona-Test, so erfahre ich auf Nachfrage, übernehme die Krankenkasse oder sie werden über das ÖGD-Formular des Öffentlichen Gesundheitsdiensts (ÖGD) abgerechnet.

Am frühen Abend sage ich den letzten Pressetermin ab. Ich werde mich in den ersten acht Oktober-Tagen mit telefonischer Recherche begnügen müssen. Es werden wohl eher langweilige Tage werden, ohne Fitnesstraining, ohne persönliche Kontakte.

Freitag, 2. Oktober: Ein langes Wattestäbchen im Rachen und anschließend in der Nase, das ist wahrlich kein schönes Gefühl, das erfahre ich auf dem Parkplatz vor der Arztpraxis in Langenselbold. Ich muss kaum warten. Nur ein Auto ist vor mir. Dann kommt der testende Arzt in weißem Schutzanzug und mit FP3-Maske vor dem Mund an meine heruntergelassene Autoscheibe und nimmt den Abstrich vor. So unangenehm sich das anfühlt, so freundlich ist der Arzt. Ich soll mich am Montag wegen des Testergebnisses melden und so lange in häuslicher Quarantäne bleiben. Macht nichts. Covid-Symptome habe ich zum Glück weiterhin keine. Ich hoffe, dass das so bleibt.

Arzt meldete sich bereits am Samstag um den negativen Corona-Test zu bestätigen

Samstag, 3. Oktober: Ich muss gar nicht bis Montag warten. Um 10.20 Uhr klingelt das Telefon. Der Arzt, der mich getestet hat, ist dran: „Ich wollte ihnen sagen, ihr Abstrich war negativ.“ Das ist für mich die beste Nachricht zum 30. Tag der Deutschen Einheit. Mir fällt ein ganzer Berg von Steinen vom Herzen. Kein Corona!

Auf Nachfrage teilt mir der Arzt aber mit, dass er die Quarantäne nicht aufheben könne, da diese ja das Gesundheitsamt verfügt habe. Also werde ich dort am Montag anrufen. Noch nie habe ich einen Montag mehr herbeigesehnt als an diesem Samstag.

Montag, 5. Oktober: Die weniger gute Nachricht: Die Quarantäne müsse bis 8. Oktober bestehen bleiben, wird mir bei meinem Anruf vom Gesundheitsamt eröffnet, weil ich vor elf Tagen direkt neben einer infizierten Person in einem Raum saß und als Kategorie 1 eingestuft wurde. Auch der Negativtest hebe die Quarantäne nicht auf. Es könne ja bis zu zwei Wochen dauern und dann immer noch Krankheitszeichen auftreten.

Ich frage: Und die Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die nach einem Negativtest auch nicht in Quarantäne müssen? „Diese haben ja keine wissentlichen Kontakte mit einer Covid-19-positiven Person, deshalb bleiben sie nach einem Negativtest ohne Quarantäne. Sie saßen jedoch neben einer angesteckten Person, die zwei Tage später an Covid-19 erkrankte“, wir mir erklärt. „Wir müssen auf Nummer sicher gehen und sie müssen bis zwei Wochen nach der Ortsbeiratssitzung in Quarantäne bleiben.“ Mache ich, selbstverständlich. Auch wenn mir langsam langweilig wird. Aber morgen darf ich wieder raus. Corona rückt dann wieder ein Stück weg von mir. Aber es bleibt, die Erfahrung, wie nahe es einem ganz unvermittelt kommen kann.

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