Kinzigheimer Weg

Wieder Sorge um Kinzigheimer Weg: Vorläufiges Insolvenzverfahren beim Dolphin-Mutterkonzern könnte Gerichtstermin kippen

Gerät die lange schon fällige gerichtliche Klärung um die Kinzigheimer-Weg-Siedlung nun in den Insolvenzstrudel der Dolphin-Muttergesellschaft?  
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Gerät die lange schon fällige gerichtliche Klärung um die Kinzigheimer-Weg-Siedlung nun in den Insolvenzstrudel der Dolphin-Muttergesellschaft?

In der gerichtlichen Auseinandersetzung um das Vorkaufsrecht der Stadt Hanau über die Wohnsiedlung Kinzigheimer Weg könnte es neue Überraschungen geben. Das Amtsgericht Bremen hat Ende Juli über das Vermögen der Muttergesellschaft der Dolphin Capital 214. Projekt GmbH & Co ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet.

Hanau – Dabei handelt es sich um die German Property Group GmbH (GPG) in Langenhagen bei Hannover (früher Dolphin Trust GmbH), die mit einem riesigen Netz von Projektgesellschaften verbunden ist. Experten gehen davon aus, dass auch diese Gesellschaften in den Strudel der GPG-Insolvenz geraten könnten – möglicherweise auch die Dolphin Capital 214. Projekt GmbH & Co. KG als Noch-Eigentümerin der Kinzigheimer-Weg-Siedlung.

Würde über deren Vermögen ein Insolvenzverfahren eröffnet, dann gilt das laufende Verfahren beim Landgericht Darmstadt von Gesetzes wegen als unterbrochen. Wie mehrfach berichtet wurde, ist bei der dortigen Baulandkammer seit Sommer 2017 ein Rechtsstreit zwischen Dolphin und der Stadt Hanau wegen der Ausübung des Vorkaufsrechts für die Kinzigheimer-Weg-Siedlung durch die Kommune anhängig. Erstmalig für Ende Oktober ist hier nun eine Anhörung zur Ermittlung des Verkehrswertes der Siedlung (möglicher „Rückkaufpreis“ für die Stadt Hanau) anberaumt worden; es wäre die erste mündliche Erörterung seit Klageerhebung vor drei Jahren. Noch steht dieser Termin. Ein Gerichtssprecher sagte dem HANAUER ANZEIGER unter dem Vorbehalt der weiteren Prüfung, dass – Stand 11. August – noch nichts über einen Insolvenzantrag der Dolphin-Gesellschaft bekannt sei. Unterbrochen würde der Rechtsstreit gegen die Stadt Hanau auch nur bei einem Insolvenzverfahren selbst, nicht jedoch schon wegen eines Insolvenzantragsverfahrens.

Münchner Anwalt berichtet: Es kommen stetig neue Insolvenzanträge dazu

Peter Mattil, ein Anwalt aus München, vertritt mit seiner Kanzlei eine ganze Reihe von Mandanten aus dem Ausland gegen die GPG

Der Münchner Rechtsanwalt Peter Mattil, dessen Kanzlei bereits eine ganze Reihe von Mandanten aus dem Ausland gegen die GPG vertritt, sagte dem HA: „Da kommen jeden Tag neue Insolvenzanträge von Gesellschaften hinzu. 15 Dolphin-Gesellschaften haben bereits Insolvenz angemeldet. Insofern gehe ich davon aus, dass es auch zu einem Konzerninsolvenzverfahren kommen kann.“

Von der Dolphin Capital 214. Projekt GmbH selbst war bislang nichts zu erfahren. Mehrere Versuche der Kontaktaufnahme blieben erfolglos. In der Zentrale der Muttergesellschaft wurde die Presseanfrage des HA schließlich an eine hannoversche PR-Agentur verwiesen, die bis dato auch die Pressearbeit für diese und andere Dolphin-Gesellschaften besorgte. Dort hieß es auf Anfrage: „Wir sind für dieses Unternehmen aus Ihnen sicherlich bekannten Gründen nicht mehr tätig.“ Welche Gründe das sind, ließ sie offen.

Stadt Hanau bemüht sich um die Angelegenheit beim Kinzigheimer Weg

Bei der Stadt Hanau bemüht man sich derzeit um Klarheit in der Angelegenheit. Aber auch dort ist bislang nichts über einen Insolvenzantrag der Noch-Eigentümerin der Kinzigheimer-Weg-Siedlung bekannt.

Die Dolphin-Muttergesellschaft geriet vor einigen Jahren ins Visier der Medien, weil sie denkmalgeschützte Objekte in Deutschland billig aufkauften und sie meist ausländischen Anlegern schmackhaft machten. Mit deren Geldern sollte saniert und die Objekte hernach renditeträchtig vermarktet werden. Saniert wurde jedoch in vielen Fällen nicht. Dass die GPG ihr Geschäftsmodell jahrelang unbeobachtet durchziehen konnte, liegt nach Einschätzung von Rechtsanwalt Mattil daran, dass überwiegend bei Anlegern in Korea und Großbritannien geworben und die Prospektpflicht in Deutschland (schriftliche Darlegung über die Art und die Risiken von Wertanlagen) damit geschickt umgangen wurde.

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