Wild im Visier

Regelmäßige Jagden sollen Schäden im Wald eindämmen

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Im Forst bei der Rodenbacher Barbarossaquelle erlegten Jäger gestern Rehe, Damwild und Wildschweine. Die ausgenommenen Tiere wurden zunächst ins Kühlhaus geschafft.  

Hanau - Waldläufer, Jogger und Spaziergänger stehen dieser Tage immer wieder bei ihren gewohnten Gängen im Forst vor weiß-rotem Flatterband, denn es ist Jagdsaison. Gestern hatten die Jäger im Forstbereich der Rodenbacher Barbarossaquelle das Wild im Visier. Von Dieter Kögel

Schalen- und Schwarzwild waren das Ziel der 30 Waidmänner aus Hanau und Umgebung. Eine Woche vorher wurde der Waldbereich um das Forstamt Wolfgang bejagt. Die 25 Jäger erlegten dabei 17 Stück Rehwild, zwölf Stück Damwild und zwei Sauen, wie Stefan Brinkmann, Bereichsleiter Produktion im Forstamt von Hessen-Forst in Wolfgang und verantwortlich für die Ausrichtung der Jagden berichtet. Während es für Reh- und Damwild Abschussquoten gibt, die aufgrund der Population und der Schäden durch Wildverbiss im Wald alle drei Jahre von der Hegegemeinschaft unter Berücksichtigung der aktuellen Situation empfohlen und von der Unteren Jagdbehörde beschlossen werden, sind die Wildschweine Freiwild. „Denn sie vermehren sich vehement“, sagt Brinkmann. Und so rückten die Jäger gestern im hügeligen Wald rund um die Barbarossaquelle und um die Rodenbacher Weinberge auch den Schwarzkitteln auf den borstigen Pelz. Und das im Rahmen einer so genannten Drückjagd.

Nach dem Anblasen durch die Jagdhornbläser („Da wird natürlich auch die Tradition bedient“, so Brinkmann) nehmen die Jäger ihre Positionen ein. Auf Ansitzen oder ebenerdig, immer in der Nähe der bekannten Wildwechsel oder nahe den Stellen, die vom Wild als Deckung gerne aufgesucht werden. Dort wird, die Büchse schussbereit, darauf gewartet, was Hunde und Treiber vorsichtig aus den Dickungen aufscheuchen und vor die Flinten treiben. Wohlgemerkt: vorsichtig und längst nicht so heftig wie bei einer Treibjagd. Was nicht immer von Erfolg gekrönt ist, weiß Stefan Brinkmann. „Wir sind auch schon mit Nichts nach Hause gegangen.“

Traditionsgemäß erweisen die Jagdhornbläser dem erlegten Wild ihre Referenz. Mit den letzten Tönen aus den Hörnern fand die letzte Jagd dieser Saison gestern ihren Abschluss.

Denn auch die Jagd hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, und das Wetter spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Starker Wind ist da genauso schlecht wie behinderte Sicht durch Regen oder Schnee. Und bei Sturmwarnungen geht gar nichts mehr. Im vergangenen Jahr musste deswegen eine Jagd im Bereich des Buchbergs bei Langenselbold abgesagt werden. Nicht so am gestrigen Freitag, der „optimale Bedingungen“ beschert hat, wie Forstamtsleiter Christian Schaefer sagt. Kein Wunder also, dass am Nachmittag eine ansehnliche Ausbeute von sieben Stück Damwild, fünf Stück Rehwild und drei Sauen gleich ins Kühlhaus des Forstamts wanderte. Dort bleiben die Tiere ein paar Tage, ehe sie weiterverarbeitet werden - für das Angebot des Waldladens gleich nebenan.

Die Bejagung von Dam- und Rehwild ist für Forstamtsleiter Schaefer ein Muss. Groß waren die Waldschäden durch Verbiss in der Vergangenheit. Mittlerweile „sind wir gut dran,“ sagt Schäfer. Denn die Jagden, etwa zwei im Herbst und zwei im Winter, zeigen Ergebnisse. Ob die Dezimierung des Bestandes diesmal ausreicht, das zeige sich erst in den nächsten Monaten.

Im Gegensatz zu Reh und Damwild gibt es für Wildschweine keine Abschussquoten, da diese sich vehement vermehren.

Und während das geschossene Wild gestern ins Kühlhaus verfrachtet wurde, kamen jeweils ein Stück jeder bejagten Art auf das Tannnenzweige-Bett vor dem Forsthaus, wo die Jagdhornbläser traditionsgemäß im Beisein der Jagdgesellschaft den erlegten Arten ihre Referenz erwiesen. Längst werde nicht mehr die gesamte Strecke gelegt, erklärt Schaefer. In erster Linie aus lebensmittelhygienischen Gründen. Auf das letzte Signal der Bläser mag mancher der Jäger gestern sehnlichst gewartet haben: „Essen.“ Im Restaurant auf dem nahe gelegenen Buchberg fand die erfolgreiche Jagd, die letzte für diese Saison, einen geselligen Abschluss.

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