Ein Verletzter

Zwischenfall im Wildpark Alte Fasanerie: Familie wird von Hirsch angegriffen

Ein Besucher kam einem der Tiere näher als geplant.
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Ein Besucher kam einem der Tiere näher als geplant.

Ein Vater betritt mit seinen Kindern das Hirschgehege im Wildpark Alte Fasanerie. Eines der Tiere verhält sich seltsam. Plötzlich greift es an. Die Attacke hat nun ein unangenehmes Nachspiel.

  • Im Wildpark Alte Fasanerie bei Hanau wird Familie von Hirsch angegriffen.
  • Vater und zwei Kinder müssen aus Gehege fliehen.
  • Vater wird verletzt.

Klein-Auheim – Wildparks bieten die Chance, die Tierwelt aus nächster Nähe zu beobachten. Manchmal kann die Begegnung mit der Natur aber auch zu nah sein und schmerzhaft enden. Diese Erfahrung musste kürzlich ein Familienvater in der Alten Fasanerie in Klein-Auheim machen, der mit seinen beiden Kindern und seiner Mutter das Damwildgehege besuchte und dabei von einem Hirsch attackiert wurde. Seine Mutter erhebt nach dem Vorfall Vorwürfe.

Hanau: Kritik an Sicherheit nach Hirsch-Attacke im Wildpark Alte Fasanerie

Per E-Mail hat Ursula Zierlinger ihrem Ärger Luft gemacht. „Für jedes Kinder- oder Schulfest ist ein Sanitätsdienst vorgeschrieben, auch sonst sind hohe Sicherheitsauflagen zu erfüllen, aber in einem staatlichen Wildpark mit hunderten von Besuchern nicht?“, schreibt die Bruchköbelerin an die Redaktion. Was war passiert?

Wildpark Alte FasanerieKlein-Auheim (Hanau)
Größe107 Hektar
Eröffnung1967
Tierarten35 Arten

Das Damwildgehege in der Alten Fasanerie ist seit 2011 begehbar, man kann mit den Hirschen „auf Augenhöhe“ sein, wie es ein Schild ankündigt. Also betraten Ursula Zierlingers Sohn, Alexander Zierlinger, sowie dessen Kinder, drei und sechs Jahre alt, das Gehege, während sie selbst draußen blieb.

Mann wurde im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau hinterrücks von Hirsch angegriffen

„Meinem Sohn fiel ein Hirsch auf, der sehr aggressiv gegen seine Artgenossen war. Er beschloss deshalb, vorsichtshalber das Gehege wieder zu verlassen, nahm die Kinder bei der Hand und drehte sich um“, beschreibt die Bruchköbelerin. Augenblicke später sei ihr Sohn von dem Hirsch angegriffen und mit Wucht umgestoßen worden. „Mein Sohn hatte erhebliche Abschürfungsflächen auf einem Arm, auch Schulter und Knie wurden in Mitleidenschaft gezogen.“ Der Tag endete für ihren 48-jährigen Sohn erst einmal beim ärztlichen Notdienst, wie Zierlinger im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. Das Knie mache ihm auch jetzt noch, rund zweieinhalb Wochen nach dem Vorfall, zu schaffen.

Mit den Hirschen „auf Augenhöhe“: Dass das schmerzhafte Konsequenzen haben kann, musste kürzlich ein Besucher der Alten Fasanerie spüren.

Nun können Unfälle immer passieren, und das Betreten eines Wildtiergeheges ist immer auch mit eigenem Risiko verbunden. Doch darum geht es Ursula Zierlinger gar nicht. Sie kritisiert eine aus ihrer Sicht mangelhafte Hilfe. So seien die Mitarbeiter im Informationszentrum „offensichtlich überrascht und überfordert“ gewesen, im Erste-Hilfe-Kasten habe das Wund-Desinfektionsspray gefehlt.

Zwischenfall in Alte Fasanerie bei Hanau: Vater von Hirsch angegriffen und verletzt

Die Wildparkleitung bedauere den Zwischenfall, wie Christian Schaefer, der Leiter des zuständigen Forstamts Hanau-Wolfgang, auf Nachfrage des HA betont, auch dass an jenem Tag das nötige Desinfektionspray gefehlt habe. Nach seiner Überprüfung seien die Erste-Hilfe-Kästen, von denen es an jeder Kasse einen gebe, inzwischen wieder vollständig. Zusammenstöße zwischen Tier und Mensch kämen im Wildpark selten vor, so habe vor einigen Jahren ein Hirsch ein Kind durch den Zaun attackiert. Auch habe mal ein Waschbär einem Kind in den Finger gebissen. Aber im begehbaren Damhirschgehege habe es zuvor noch nie einen Vorfall gegeben.

Wildpark Alte Fasanerie in Hanau: Welcher Hirsch der „Täter“ ist, konnte nicht geklärt werden

Welcher der Hirsche der Rüpel war, habe nicht geklärt werden können, so Schaefer. Als Konsequenz des Unfalls sei das Gehege allerdings geschlossen worden. Es wäre Ende September ohnehin für Besucher zugemacht worden, weil etwa einen Monat später die Brunftzeit beim Damwild beginne. In dieser Zeit sind die Hirsche bekanntlich aggressiv. Wie es scheint, sind einem Exemplar bereits jetzt die Gäule durchgegangen.

In den allgemeinen Betretungsbedingungen werde darauf hingewiesen, dass der Besuch auf eigene Gefahr vonstatten gehe, schildert der Forstamtsleiter. Weitere explizite Warnungen gebe es allerdings nicht, so Schaefer: „Dann wäre der Wildpark mit Schildern übersät.“ Eine Ausnahme gebe es dennoch: Bei einer Fasanenart weise ein gesondertes Schild darauf hin, dass die Tiere durch den Zaun picken können – nachdem ein Mädchen schmerzhafte Bekanntschaft gemacht hatte.

Schaefer schlägt versöhnliche Töne an: Die Familie solle sich im Wildpark melden, denn im Anschluss an den Vorfall Anfang September hatte diese keine Kontaktdaten hinterlegt. Doch Post in die Alte Fasanerie ist bereits unterwegs, verrät uns Ursula Zierlinger – in Form der Arztrechnungen ihres Sohnes.

Aktuell bereitet dem Wildpark Alte Fasanerie auch eine anderes Thema sorge: Die Schweinepest könnte sich in Deutschland ausbreiten. Darauf will der Wildpark bei Hanau vorbereitet sein.

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