Chancen für Newcomer

Hanau will zehn Gewerbeimmobilien in der City kaufen

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Die Entwicklung in der Hanauer City will die Stadt durch den Ankauf von Gewerbeimmobilien steuern. 

In keinem anderen Segment des Immobilienmarktes verändern sich die Strukturen so schnell wie im Einzelhandel. In zentralen Innenstadt-Lagen von Großstädten explodieren Gebäudepreise und Mieten für Geschäftsräume. Zugleich werden Handyläden und Nagelstudios immer mehr.

Hanau – Auch in Hanau sind solche Entwicklungen erkennbar. Die Stadt will daher lenkend eingreifen, Immobilien kaufen und entwickeln.

Wie berichtet, hat die Stadtverordnetenversammlung im Dezember zwei Satzungen beschlossen, mit deren Hilfe sie sich bei Immobilien in der Innenstadt, die den Eigentümer wechseln sollen, ein Vorkaufsrecht sichert. Das soll geltend gemacht werden, wenn erkennbar ist, dass eine unliebsame Geschäftsansiedlungen buchstäblich ins Haus stehen oder gar Spekulanten einsteigen wollen.

Doch die Stadt will es nicht bei dem „Abwehrmechanismus Vorkaufsrecht“ belassen, sondern auch aktiv im Geschäft mit innerstädtischen Immobilien mitmischen, erläuterte Stadtentwicklern Martin Bieberle im Gespräch mit unserer Zeitung. Verhandlungen laufen bereits. „Bis Ende des Jahres werden wir wohl etwa zehn Gewerbeimmobilien in der Innenstadt erworben haben“, meint Bieberle. In einigen Fällen über das Vorkaufsrecht. Aber mittlerweile melden sich offenbar auch Immobilienbesitzer, die ihr Geschäftshaus veräußern möchten, direkt im Rathaus. Bieberle: „Da hat die aktuelle Diskussion bereits etwas bewirkt.“

Für mehrere Immobilien in der City laufen derzeit schon konkrete Kaufverhandlungen, heißt es. Die von der Stadt angekauften Gebäude sollen dann von ihr entwickelt werden – möglichst mit neuen Ideen und innovativen Konzepten. Man will dabei auch „Newcomern und Start-ups die Chance geben, ihre Konzepte zu realisieren“, sagt Bieberle. Denn auf dem Markt haben Geschäftsgründer derzeit mitunter nicht nur Probleme, ihre Ideen umzusetzen, weil die Mieten immer mehr steigen, sondern auch, weil sie oft lange Laufzeiten für Pachtverträge in Kauf nehmen müssen. Bei den städtischen Gewerbeimmobilien soll das anders sein. Und man will Starthilfe geben – etwa bei der Standortanalyse, beim Businessplan, beim Ladenkonzept oder bei der Beratung zu Finanzierungsfragen.

Bei der Marketing- und der Bauprojekt GmbH sollen organisatorisch die Fäden zusammenlaufen. Bei beiden städtischen Gesellschaften ist Martin Bieberle der Geschäftsführer. Er ist auch dabei zum Thema „Einkaufen der Zukunft“ ein Netzwerk zu knüpfen. Einzelhändler gehören dazu, Immobilienbesitzer, auch Investoren. „Wir sind da mit Volldampf dran“, sagt Bieberle. Zwar gebe es bei dem städtischen Immobilienplänen durchaus Unwägbarkeiten und Nachdenklichkeit. Angesichts der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt sei das wirtschaftliche Risiko für die Stadt aber vertretbar.

Für die Realisierung der Immobilien-Konzepte will man „Investoren, die den Anspruch haben, die Stadt voranzubringen“ (Bieberle) ins Boot holen. Sie sollen sich beispielsweise an einer Kommanditgesellschaft beteiligen, die für die Projekte gegründet werden könnte. Aber auch Bürger, die mit kleineren Beträgen einsteigen möchten, soll dies etwa über einen entsprechenden Fonds ermöglicht werden.

Das städtische Engagement bei Gewerbeimmobilien, das sich zunächst auf die Innen stadt richtet, könnte auch eine Entsprechung in den Stadtteilen finden, so Bieberle. Etwa in der Steinheimer Ludwigstraße oder in der Großauheimer Hauptstraße, wo Gebäude einer Entwicklung harren und von der Stadt angekauft werden könnten. In Großauheim hat es kürzlich dazu schon einen Ortstermin gegeben.

„Die Grundidee ist jedenfalls erfolgversprechend“, ist Martin Bieberle überzeugt. „Wir glauben an die Stadt und ihre Dynamik.“ Eine Agentur soll für das Ganze ein Werbekonzept entwickeln, mit dem man auch öffentlichkeitswirksam auftreten werde.

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