Hanauer Handel und Gastro senden Hilferuf an die Politik in Bund und Land

„Wir können nicht mehr!“

Leere Fußgängerzone am Marktplatz: Der Hanauer Handel ist ebenso wie die Gastrobranche verzweifelt.
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Leere Fußgängerzone am Marktplatz: Der Hanauer Handel ist ebenso wie die Gastrobranche verzweifelt.

„Es ist fünf vor zwölf“: Der Handelsausschuss der IHK Hanau/Gelnhausen/Schlüchtern hat gemeinsam mit dem Hanauer Marketing Verein einen Brief an die Politik in Bund und Land geschickt. Darin wird eindringlich auf die Existenzängste von Handel und Gastronomie aufmerksam gemacht. Unterzeichnet ist der Brief vom HMV-Vorsitzenden Mehmet Kandemir sowie von Gotthard Klassert, Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses.

Hanau - Der Hanauer Optiker hat dem HA den Brief zukommen lassen. Er wurde an die CDU-Abgeordneten Katja Leikert und Heiko Kasseckert sowie den SPD-Abgeordneten Christoph Degen gesendet.

Im Brief heißt es: „Seit nunmehr fast einem Jahr leiden wir, die Händler, Gastronomen und Dienstleister in Hanau, an den Folgen gleich zweier katastrophaler Ereignisse: Erst geschah der rassistische Terroranschlag am 19. Februar, und dann kam die Pandemie. Konkret bedeutet das für uns: Wir verbuchen Umsatzrückgänge von teilweise bis zu 90 Prozent, haben aber zugleich viel Geld in die notwendigen und wichtigen Hygienemaßnahmen gesteckt. Zusätzlich galt es, unsere Familien, unsere Kinder, unsere Mitarbeiter zu betreuen und zu unterstützen – moralisch wie finanziell. Nicht zuletzt wollten und mussten wir für unsere Kunden da sein, ihnen, so es eben möglich war, Angebote machen, sie quasi ‘bei Laune halten’.“

„Wir sind pleite und erschöpft“

Man habe Zuversicht verbreitet, die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung verteidigt und erläutert. Man habe auf die Corona-Politik von Bund und Land vertraut, auch wenn es nicht immer leicht gefallen sei. Auch habe man darauf vertraut, dass der Staat sie nicht alleine lasse. Leider nicht immer mit Erfolg.

„Jetzt aber ist es soweit: Wir können nicht mehr! Haben Sie eine Vorstellung davon, was das alles kostet an Geld und Energie und Motivation? Wissen Sie, wie es in der Fußgängerzone, in den Geschäften und Lokalen aussieht, vor allem aber in unseren Herzen? Können und wollen Sie sich vorstellen, wie die Hanauer Innenstadt in ein paar Monaten aussehen wird? Wir können nicht mehr. Wir sind pleite und erschöpft“, heißt es in dem Brief.

Erste Öffnungsschritte gefordert

Mit großer Sorge und getrieben von Existenzangst verfolge man deshalb die aktuelle Diskussion um die weitere Vorgehensweise in der Covid-19-Pandemie. Man fordere von der Politik einen verlässlichen Plan, wie man in Zukunft mit den Auswirkungen von Covid-19 als Händler, Gastronomen und Dienstleister überleben könnten. Klassert und Kandemir formulieren weiter: „Wir fordern erste vorsichtige Öffnungsschritte noch im Februar, gerne mit Hygieneauflagen, damit unsere Kunden sicher bei uns einkaufen können. Wir brauchen und wollen keine Finanzspritzen – lassen Sie uns einfach wieder Unternehmer sein. Wir plädieren an Ihre politische Verantwortung, an Ihren gesunden Menschenverstand und nicht zuletzt an Sie als Kunden und Gäste: Unternehmen Sie etwas! Machen Sie sich stark für uns, für ein Hanau, das auf einem so guten Weg war und bleiben soll.“  cd

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