Hanauer Hafen

Wo der Weizen verschifft wird: Im Hanauer Hafen befindet sich Hessens größtes Getreidelager

Die drei grauen Silos sind markante Punkte im Hanauer Hafen. Jedes kann über 5000 Tonnen fassen.
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Die drei grauen Silos sind markante Punkte im Hanauer Hafen. Jedes kann über 5000 Tonnen fassen.

Hanau – Ein Traktor mit Anhänger fährt auf das Gelände des Raiffeisen Regionalzentrums in der Hafenstraße 10. Der Landwirt hat Weizen geladen. Er hält direkt vor den riesigen grauen Silos auf dem Gelände, die weithin sichtbar sind. Vom anliegenden Labor aus steuert Raiffeisen Mitarbeiter Wilfried Grunow per Knopfdruck ein silbernes Saugrohr. Grunow lässt mehrmals das Rohr in den Weizen auf den Anhänger abtauchen. Kurz darauf rieselt es in den Rohren über dem Labor. Das Rohr hat Weizen aus dem Anhänger in einen kleinen Behälter gesaugt.

„Wir saugen an verschiedenen Stellen auf den Anhänger den Weizen an, um eine gute Stichprobe zu erhalten“, sagt Michael Weil, Leiter des Raiffeisen Regionalzentrums im Hanauer Hafen. Einen Teil der Stichprobe schüttet Wilfried Grunow in ein Sieb mit weißer Unterlage. Die Körner hält das Sieb fest, alles was kleiner ist, wie zum Beispiel Käfer, fällt durch. Doch diese Probe enthält keine Schädlinge. Ein anderer Teil der Probe landet in einem Gerät von der Größe eines Herds. Nach wenigen Augenblicken erscheinen auf dem Geräte-Display alle wichtigen Werte, die über die Qualität und letztendlich auch über den Preis entscheiden, den der Landwirt für seine Lieferung erhält.

Nachdem der Weizen überprüft wurde, kann er über die Annahmegossen (Bodengitter) eingelagert werden.

Wichtig sind Feuchtigkeit, Gewicht pro Hektoliter oder auch der Proteingehalt. „Das ist B-Weizen“, sagt Grunow. Ausgesät hatte der Landwirt allerdings A-Weizen. Nach diesen Kategorien werden Getreide, Mais oder Sojabohnen in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt. „Getreide, das die Kategorie C hat, wird nur noch als Tierfutter verwendet, B wird für Mehle verwendet und A kann auch für verschiedene Spezialitäten verwendet werden, bei denen diese Qualität gefragt ist“, sagt Weil. Dass der Landwirt eine mindere Qualität erhält als eigentlich ausgesät, liegt laut Weil an den trockenen Sommern in den letzten Jahren. „Dieses Jahr hatten wir viel Weizen von minderer Qualität“, sagt Weil. Vor allem der Proteingehalt sei oft zu niedrig.

Niedrige Pegelstände erschweren die Binnenschifffahrt

Doch auch wenn das Getreide verschifft werden soll, macht Weil das zunehmend heiße Klima Sorgen. Hauptabnehmer sind Mühlen, von denen viele im Rheinland bei Köln liegen. Doch durch niedrige Pegelstände können die Schiffe immer seltener den Rhein hinauffahren. Um dennoch zu den Mühlen zu gelangen, befüllen viele Kapitäne ihre Schiffe nur noch mit 800 Tonnen. Ein Lastenschiff auf dem Rhein oder Main könnte allerdings 1000 bis 2000 Tonnen laden. Dies mache den Transport dann wesentlich teurer, so Weil. Der Umstieg auf Lkw sei allerdings keine Alternative, da der Transport über die Straße doppelt so teuer sei.

Zurück zur Weizen-Lieferung: Der Landwirt fährt mit dem Traktor auf eine riesige Waage im Boden, nur wenige Meter entfernt. Hier wird das Gewicht der Ladung bestimmt. Zusammen mit der Qualität wird das Entgelt des Bauern errechnet.

Michael Weil ist der Leiter des Raiffeisen Regionalzentrums im Hanauer Hafen. Mit 70 000 Tonnen Fassungsvermögen ist es das größte Getreidelager Hessens.

Anschließend fährt der Landwirt an eine der fünf Gossen. Hier kippt er den Inhalt seines Anhängers auf den Gitterboden. Der Weizen gelangt durch ein Rohrsystem in einen Lagerbehälter.

Getreide wird bei 15 Grad gekühlt

Doch was ist, wenn sich doch noch Käfer zwischen dem Weizen befinden und sie dann in die riesigen Silos gelangen? „In den Silos wird das Getreide konstant auf 15 Grad Celsius gekühlt. Viele Schädlinge vermehren sich allerdings erst ab 20 Grad“, sagt Weil. Auch wenn Chargen Schädlinge enthalten, können diese beim Raiffeisen Regionalzentrum nachträglich noch gereinigt werden, wie Weil berichtet. In einer Maschine wird der Weizen mit Luft durchströmt. Die leichteren Käfer werden dadurch von dem schwereren Weizen in der Maschine getrennt. Anschließend kann das Getreide wieder auf die Lastenschiffe verladen und zu den Mühlen gebracht werden. Dann landet der Weizen aus der Region in unseren Supermarktregalen.

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