Wirtschaft

Hafen Hanau Unternehmen schlagen jährlich drei Millionen Tonnen Güter um

Der Hanauer Hafen ist einer der größten Binnenhäfen Deutschlands. Das Hafenbecken ist 950 Meter lang.
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Der Hanauer Hafen ist einer der größten Binnenhäfen Deutschlands. Das Hafenbecken ist 950 Meter lang.

Zwischen Main und Hauptbahnhof liegt ein pulsierender Ort von Hanaus Wirtschaft: Der Hafen. In einem der größten Binnenhäfen Deutschlands werden täglich Tausende Tonnen Güter aus aller Welt umgeschlagen.

Hanau – In einer Serie wollen wir in unregelmäßigen Abständen den Hafen und eine Auswahl der dort ansässigen Unternehmen vorstellen. Die Räder ächzen, als der Zug mit den rotbraunen Güterwagons aus dem Hafen fährt. Er fährt dabei direkt vor dem bläulich gestrichenen Haus vorbei, wo Jörg Krieger, Betriebsleiter der Hanau Hafen GmbH, sein Büro hat. Das Haus, das im Schatten der benachbarten riesigen weißen Öltanks recht unscheinbar wirkt, ist der logistische Dreh- und Angelpunkt des Hafens. „Das ist ein großes Stück meines Lebens“, sagt der 50-jährige Krieger. Seit 27 Jahre arbeitet er nun hier, war Bahndisponent, Hafenmeister und ist nun Betriebsleiter des Hafens. Jede Anfrage zum Anlegen eines Schiffes geht durch die Hände des Hafenmeisters, der wie auch die Fahrdienstleitung, Krieger unterstellt ist. Täglich laufen im Hafen mindestens fünf bis sechs Schiffe ein. Für das Anlegen müssen die Schiffe hier, im Gegensatz zu großen Seehäfen wie in Hamburg, nichts zahlen. „Das ist gesetzlich so vorgeschrieben, wenn doch mal jemand zu lange anlegt, dann kostet das 40 Euro am Tag.“ Geld verdient die Hanau Hafen GmbH durch Gebühren, die sie aus Art und Menge der umgeschlagenen Güter kassiert sowie aus der Verpachtung von Grundstücken.

Neben den Kähnen ist auch der Bahnverkehr ein wichtiger Umschlagsfaktor. Deshalb ist Krieger zusätzlich auch als Eisenbahnbetriebsleiter verantwortlich für Hafen-Gleisanlage und den Zugbetrieb. Gut drei Millionen Tonnen Güter werden im Hanauer Hafen jedes Jahr umgeschlagen. Gut 1000 Lkw werden hier jeden Tag abgefertigt. „Das können viele oftmals gar nicht glauben, selbst langjährige Hanauer sind bei unseren Hafenführungen regelmäßig erstaunt, was hier tagtäglich bewegt wird“, sagt Krieger.

Wichtigstes Umschlagsprodukt für den Hafen Hanau sind Treibstoffe

„Auch fast jeder Güterwagon, den man am Hauptbahnhof sieht, fährt zu uns.“ Wichtigstes Umschlagsprodukt sind Treibstoffe: Gut 1,2 Millionen Tonnen werden hier jährlich davon umgeschlagen. Die riesigen weißen Tanks des Unternehmens Oiltanking sind auch gleichzeitig die prägnantesten Bauten des Hafenbilds. Am zweitmeisten wird im Hafen Kali befördert, gut eine Millionen Tonnen jährlich. „Der Rest entfällt unter anderem auf Düngemittel, Baustoffe, chemische Stoffe, Getreide, Schrott und Asphaltaufbruch“, weiß Krieger.

Die Corona-Krise hat beim Hafen zu keinem Einbruch der Tätigkeit geführt „es war eher sogar noch mehr los“. Grund dafür ist die Lagerung von Treibstoff im Hafen. Die ansässigen Unternehmen haben durch den niedrigen Ölpreis und die geringere Mehrwertsteuer ihre Lager komplett aufgefüllt. Dementsprechend hat sich auch das Schiffsaufkommen leicht erhöht.

Hafen Hanau ist anfälliger für niedrige Pegelstände

Jörg Krieger

Wofür der Hafen dagegen anfälliger ist, sind die niedrigen Pegelstände infolge langer Trockenheit. „Aber da ist der Rhein das Problem, wir haben mit dem Main durch seine vielen Staustufen kein Problem mit niedrigen Wasserständen“, sagt der 50-Jährige Betriebsleiter. Dennoch leide der Hafen, wie zuletzt 2018, sehr darunter, wenn der Rhein zu wenig Wasser hat. Denn, so Krieger, Schiffe, die nur auf dem Main verkehren, machen nur ein knappes Prozent des gesamten Umschlags aus.

Dennoch sieht der Betriebsleiter den Hafen gut für die Zukunft aufgestellt. Das liege vor allem an seiner idealen Lage, die dem Hafen einen Vorteil gegen anderen Häfen der Region verschafft. „Wir liegen nur gut 50 Kilometer vom Rhein weg und haben mit der B43a eine optimale Anbindung an die Autobahnen“, sagt Krieger. Manche Unternehmen aus Frankfurt würden deshalb die 25 Kilometer Umweg nach Hanau fahren, anstatt den Frankfurter Hafen zu nutzen. Der Innenstadtverkehr in Frankfurt stelle für einen 40 Tonner eine große Herausforderung dar und es dauere oft auch länger als nach Hanau zu fahren.

Den Hafen möchte Krieger weiter für die Zukunft wappnen und weiterentwickeln. Viele Ideen hat er dafür bereits. Details möchte er allerdings noch nicht verraten. „Das werden wir bekannt geben, wenn wir ganz konkrete Pläne entwickelt haben.“ (Von Jan Max Gepperth)

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