Förster in Sorge

Hanau: Zahlreiche Bäume im Stadtwald sind krank oder tot - „Katastrophe kommt auf uns zu“

Umgestürzter Baum im Wald in Hanau
+
Trockenheit und Pilze machen dem Stadtwald in Hanau zu schaffen.

Trockenheit und Pilze machen den Bäumen im Stadtwald Hanau zu schaffen. Zahlreiche Bäume sind krank oder bereits abgestorben. Der zuständige Förster macht eine düstere Prognose.

Hanau – „Es ist schlimm und tut auch richtig weh“ – Die Hand von Förster Achim Kaufmann streicht über die Rinde einer Buche. Sie löst sich ab. „Ein Zeichen, dass es für den Baum unwiederbringlich vorbei ist.“ Er stirbt. Mit der Trockenheit der vergangenen Monate kann er nicht umgehen. Denn seine Wurzeln verzweigen sich an der Oberfläche, gehen nicht in die Tiefe und finden somit kein Wasser.

Trockener Sommer sorgt für kranke Bäume im Stadtwald Hanau

In seinem Hanauer Revier im Stadtwald hat Kaufmann viele solcher Bäume. „Bäume, die im vergangenen Jahr noch stark waren, richtig grün und in einem wirklich guten Zustand sind jetzt tot“, sagt er.

Bereits im vergangenen Jahr habe man im Mittelbuchener Wald viele Buchen entnehmen müssen. Zwei bis drei Fuhren Holz. Das sich aber nicht mehr gut vermarkten ließ. Durch einen Pilz war es stark angegriffen. „Es sind komplexe Schäden, die die Buchen aufweisen. Eine Komplexkrankheit, hervorgerufen durch den trockenen Sommer 2018/19. Damit kämpfen wir.“

Hanau: Regen reicht für Bäume im Stadtwald nicht aus

Es beginnt mit trockenen Ästen, die nicht mehr belaubt sind. Die Blätter rollen sich ein und werden braun. Die Trockenheit der Vorjahre setzt sich weiter fort.

„Ab Mitte März bis fast Ende April herrschte absolute Trockenheit. Gepaart mit Ostwind, der zusätzlich die Böden ausgetrocknet hat. Zwar gab es ab Anfang Mai immer wieder Regen, die Nässe reicht aber nicht aus“, erklärt Kaufmann.

Revierförster Achim Kaufmann ist besorgt. Der Wald, sagt er, ist in einem desolaten Zustand.

Dennoch sei die Situation derzeit eine Bessere als im vergangenen Jahr, denn es gäbe immer mal wieder einen sanften Landregen. „Aber wir müssen sehen, wie es weiter geht.“

Nicht nur Buchen betroffen: Viele Bäume im Stadtwald Hanau sind kahl

Beim Spaziergang durch den Wald fällt auch dem Laien auf, dass hier etwas nicht stimmt. Immer mehr Bäume sind entweder schon kahl oder ihre Krone ist nur teilweise grün, sie sind geschwächt. Dabei sind bei weitem nicht nur Buchen betroffen.

„Auch die Eiche krankt. Wir kommen klimatisch in Bereiche, die für unsere Region unnormal sind“, erläutert Förster. Zwar bestehe Hoffnung, dass sich einzelne Bäume an die neuen klimatischen Verhältnisse anpassen, sie auch auf weniger gut mit Wasser versorgten Böden wachsen, die Umgewöhnung sei aber schwierig.

Stadtwald in Hanau: „Eine Katastrophe kommt auf uns zu“

„Das Bild des Waldes wird sich verändern“, prognostiziert Kaufmann. In fünf Jahren werde der Wald stark aufgelichtet sein. Wenn das passiert, werde es ganz schwer, die Bäume sich auf natürliche Weise verjüngen zu lassen.

„Wenn es weiter so trocken bleibt, das wäre gar nicht auszudenken. Es ist eine sich ankündigende Katastrophe, die auf uns zu kommt. Ich habe mich dieses Frühjahr schon gewundert, wie schnell es geht. Dass es so katastrophal ist, hätte ich vor Laubaustrieb nicht gedacht.“

Förster müssen Gefahrenquellen im Stadtwald Hanau beseitigen

Deshalb ist es derzeit die Hauptaufgabe der Revierleiter, für die Verkehrssicherung im Wald zu sorgen. Sprich, sie müssen Gefahrenquellen beseitigen, dafür sorgen, dass abgestorbene Bäume nicht auf die Waldwege fallen.

Das Absterben der Bäume verursacht unter anderem ein Pilz, der parasitär wird, sobald ein Baum, wie etwa durch mangelnde Wasserversorgung, in eine Stresssituation gerät.

Hanau: Pilz macht Bäumen im Stadtwald zusätzlich zu schaffen

„Er sorgt dafür, dass das Holz sich zersetzt, die Rinde sich ablöst und abplatzt“, erläutert der Revierleiter. „Oder nehmen wir das Beispiel Fichte. Sie würde, wenn der Borkenkäfer kommt, mit Harzfluss reagieren. Wenn es allerdings zu trocken ist und es ihr an Wasser mangelt, kann sie das nicht.“

Kaufmanns großer Wunsch ist es, zumindest den Status quo des Waldes zu erhalten. Sein Ziel: Ein artenreicher Mischwald unter Beteiligung der vorhandenen Baumarten mit Hilfe von Naturverjüngung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare