Aus dem Gericht

Zeugen berichten vom kuriosen Fund des millionenschweren Drogenbunkers

Drogenhandel in großem Stil: Ein Angeklagter nennt nun die Details.  
Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa
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Drogenhandel in großem Stil: Ein Angeklagter nennt nun die Details.

Nächster Verhandlungstag im Drogenbunker-Prozess: Der zivil gekleidete Oberkommissar, der nur durch die Dienstwaffe am Gürtel als Polizist zu erkennen ist, hat zusammen mit seinen Kollegen am 2. Mai 2020 eine rekordverdächtige Menge von über 140 Kilogramm Drogen in einer Großauheimer Mietgarage sichergestellt hat. Jetzt sagt er vor der 2. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts aus.

Kurz nach der Entdeckung des „Bunkers“, in dem Marihuana, Haschisch und Kokain im Schwarzmarktwert von rund 1,5 Millionen Euro lagerten, staunen die beiden Beamten des Kriminaldauerdienstes: Die beiden mutmaßlichen Dealer laufen ihnen direkt in die Arme. „Ich stand am Eingang der Anlage, weil ich nach den Überwachungskameras schauen wollte. Dann fuhr ein Lieferwagen vorbei. Meine Kollegin und ich haben die beiden Männer dann festgenommen.“

Weiße Limousine rast mit quietschenden Reifen davon

Zumindest einer der beiden Männer, die auf der Anklagebank sitzen, scheint sich noch gut daran zu erinnern. Kristijan S. (44), genannt „Kiki“, nickt dem Beamten zu. Er hat bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt (wir berichteten).

Doch der 30-jährige Kriminalist berichtet der Kammer unter Vorsitz von Dr. Katharina Jost auch, dass es an diesem Tag wohl noch andere Personen gibt, die ein starkes Interesse an der Garage und dem brisanten Inhalt haben. „Es hat sich so angefühlt, als ob wir beobachtet werden.“

Ein dunkler Mercedes fährt auffällig langsam vorbei und wird schließlich „gefilzt“. Doch gegen die junge Dame am Steuer liegt nichts vor. Dass auf jeden Fall noch ein anderer Mann seine Finger im Spiel hat, wird den Polizisten dann klar, als eine weiße Limousine mit MTK-Kennzeichen auf das Gelände fährt. Als der Mann am Lenkrad die Polizei erblickt, wendet er mit quietschenden Reifen und rast uneinholbar davon.

„Zwei Beamte? Das ist zu wenig.“

Ebenso kurios wie die Festnahme ist die Entdeckung des Verstecks durch die Mitarbeiter der Garagenanlage. „Er hat die Miete nicht bezahlt, deshalb hatten wir die Aufgabe, die Garage zu räumen“, sagt der Verwalter aus, der an diesem Morgen mit drei Helfern anrückt.

Bereits an den beiden Tagen zuvor wird nachgeschaut, ob die schriftlich angekündigte Zwangsräumung von S. eventuell schon selbst erledigt worden ist. „Dann hätten wir uns die Arbeit sparen können.“

Doch ein Detail fällt den Arbeitern auf. Als sie anfangen, die Garage zu räumen, stehen plötzlich 24 Umzugskartons darin. „Die haben am Tag zuvor definitiv nicht dort gestanden“, ist sich der Verwalter sicher. Also packen die Männer an und räumen zunächst die Kartons in eine andere Garage – ohne zu wissen, was sie in den Händen halten. Unter einem Sofa macht einer der Arbeiter dann einen seltsamen Fund. „Er kam mit einer Tüte zu mir und sagte: Riech’ da mal ran!“ Als dann weitere Tütchen und eine Feinwaage zum Vorschein kommen, ruft der Verwalter die Polizeistation Großauheim an.

Während die erste Streife auf Anfahrt ist, schauen die Männer in die Kartons: „Alles voll mit Marihuana. Das war wie eine Aromatherapie.“

Als die erste Streife eintrifft, werden sie von den Garagenmitarbeitern mit den Worten empfangen: „Zwei Beamte? Das ist zu wenig.“ Davon ist auch der Polizeihauptkommissar nach wenigen Minuten überzeugt. „Ich habe zwei der schwarzen Säcke geöffnet. Dann war mir sofort klar, dass das ein sehr großer Drogenfund ist.“ Insgesamt benötigen die Beamten dann vier Fahrten zwischen der Großauheimer Rodgaustraße und der Polizeidirektion am Freiheitsplatz, um alle Drogen sicher zu verstauen.

Der Prozess wird bis Februar fortgesetzt. (Von Thorsten Becker)

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