Neubaugebiet Mittelbuchen-Nordwest

Zu wenig Parkplätze geplant? - Anwohner der Altkönigstraße beklagen sich bereits über mehr Durchfahrten

Zwei Straßen führen zum Neubaugebiet in Mittelbuchen-Nordwest: Im oberen Bereich die Altkönigstraße, im unteren die Höhenstraße. Da an einer Fahrbahn Autos parken, muss der Begegnungsverkehr warten.
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Zwei Straßen führen zum Neubaugebiet in Mittelbuchen-Nordwest: Im oberen Bereich die Altkönigstraße, im unteren die Höhenstraße. Da an einer Fahrbahn Autos parken, muss der Begegnungsverkehr warten.

Der zu erwartende Verkehr am Neubaugebiet Mittelbuchen-Nordwest war von Beginn an ein Streitthema. Bereits bei der Bürgerinformationsveranstaltung im Dezember 2016 äußerten die Anwohner Sicherheitsbedenken und fürchteten eine zenicht hinnehmbare Mehrbelastung. Nun ist knapp die Hälfte der 122 Wohneinheiten fertiggestellt, und die Belastung wird spürbar.

Hanau – „Schon jetzt ist es schlimm“, sagen Anwohner der Altkönigstraße, „eine Straßenseite ist mit Autos zugeparkt, hier ist überall rechts vor links, da kann man kaum manövrieren und sieht nicht, wenn von gegenüber ein Auto kommt.“ Gerade in den frühen Morgenstunden, aber auch gegen 19 Uhr abends würden viele Autos die Straße entlangfahren. „Die fahren zu schnell und parken die ganze Straße zu“, meint beispielsweise Stephan Bader. Er wohnt mit seiner Frau direkt am Baufeld. „Im Moment führt ja auch der ganze Baustellenverkehr an uns vorbei“, fügt er hinzu. „Jetzt nicht unbedingt die Lkw, aber die Handwerker und Bauarbeiter mit ihren Sprintern.“

Auch befürchten sie, dass Feuerwehr, Öltankwagen und Rettungswagen nicht mehr so einfach durch die Straßen kämen, wenn diese zugeparkt wären. Diese Bedenken hatten die Anwohner bereits 2016 erwähnt.

Hanau: Zusätzliche Fahrten würden bei der Gesamtanzahl nicht ins Gewicht fallen

Ein Verkehrsgutachten der Stadt Hanau hatte bereits 2016 besagt, dass auf der Hauptstraße (Lützelbuchener Straße) eine tägliche Mehrbelastung durch 800 Fahrten entstehen könnte. Damals sagte Thomas Müller von Terramag, dass diese Anzahl von zusätzlichen Fahrten bei täglich insgesamt 11 000 Durchfahrten in diesem Bereich nicht ins Gewicht fallen würde. Wie Straßenplaner Dr. Claas Behrendt vom Ingenieurbüro IMG erklärte, seien die direkt an das Wohngebiet angrenzenden Straßen – die Höhenstraße im unteren Bereich sowie die Altkönigstraße im oberen Bereich – breit genug. Da mit 400 Neubürgern zu rechnen war, veranschlagte er rund 800 zusätzlichen Fahrten, von denen etwa zehn bis 15 Prozent jeweils in den Spitzenstunden anfallen würden.

Laut Behrendts Berechnungen sollte ein Großteil (550 Autos) durch die Altkönigstraße, rund 250 über die Höhenstraße geschickt werden. Allerdings mündet auch die Altkönigsstraße in Höhe eines Spielplatzes in die Höhenstraße. „Das ist ein regelrechter Flaschenhals“, sagt Wolfram Lambert, der in der Fichtelgebirgsstraße wohnt. „Hier läuft der gesamte Verkehr wieder zusammen. Und am Rand parken noch die Autos.“ Daher befürchtet er eine Gefahr für Kinder, die sich um den Spielplatz herum aufhalten oder Rad fahren. „Wenn einem jemand in einer der beiden Straßen entgegenkommt, muss immer einer warten. Stellen Sie sich mal vor, was hier los sein wird, wenn alle Bewohner eingezogen sind.“

Hanau: Anwohnerin ist der Meinung, dass sich der Durchgangsverkehr in Grenzen halten würde

Eine Anwohnerin der Höhenstraße sieht das entspannter. Zwar denkt sie auch, dass im neuen Wohngebiet zu wenige Parkplätze eingeplant worden seien, doch der Durchgangsverkehr würde sich ihrer Ansicht nach sowohl in der Höhenstraße als auch in der Altkönigstraße im Vergleich zu anderen Straßen in Mittelbuchen in Grenzen halten. „Ich verstehe nicht, wieso man bei der Planung des Neubaugebiets nur anderthalb Parkplätzen pro Wohneinheit angesetzt hat“, wundert sich die junge Mutter, die an der Baustraße wohnt. „Wir mussten für unser Haus zwei Parkplätze vorweisen.“ Ihre Eltern wohnten seit Jahren in der Schelmsstraße, die nach unten zur Wachenbuchener Straße führe. „Da fahren schon seit Jahren die Autos von den Bewohnern des ehemals neuen Wohngebiets entlang und die hat keiner gefragt – auch jetzt nicht.“

Rund die Hälfte der 122 Wohneinheiten ist fertig. Im Januar konnten die ersten Bewohner einziehen.

Ihre Freundin beispielsweise wohnt in der Lützelbuchener Straße, der Hauptstraße Mittelbuchens. „Wir haben schon Risse in der Hauswand“, sagt sie. „Bei uns wackelt manchmal das Haus, wenn Lkw vorbeifahren und drei unserer Autos, die an der Straße geparkt waren, wurden bereits zu Schrott gefahren.“ Von zu schnell fahrenden Jugendlichen, wie sie vermutet. In der Landstraße ist eigentlich Tempo 30 vorgeschrieben, doch da halte sich kaum einer dran.

IG spricht schon jetzt von Verkehrsbehinderungen im Hanauer Neubaugebiet

In der Altkönigstraße muss man laut Bader schon jetzt Verkehrsbehinderungen in Kauf nehmen, etwa wenn ein Auto auf der einen befahrbaren Straßenseite entgegenkommt. „Da kommt man nicht vorbei. Einer muss immer warten. Stellen Sie sich mal vor, wie das sein soll, wenn hier alle wohnen und zu ähnlichen Zeiten losfahren.“ Bader ist der stellvertretende Vorsitzende der Interessengesellschaft Bauvorhaben Mittelbuchen-Nordwest, die sich mit Vehemenz gegen das Bauvorhaben eingesetzt hat.

Ob und in welcher Form die Verkehrsbelastung in Mittelbuchen zunehme, habe die Stadt stets im Blick, teilt Pressesprecherin Ute Wolf auf Nachfrage unserer Zeitung mit. „Die Verkehrssituation in der Oberdorfelder Straße und Altkönigstraße unterliegt ständiger Beobachtung“. Zudem habe es Ortstermine mit Anwohnern gegeben, die so in die Planung mit einbezogen worden seien. „Die entgegengebrachten Anregungen und Verbesserungsvorschläge wurden entsprechend geprüft“, so Wolf.

Halteverbot werde noch einmal erweitert

So sei bereits im Februar diesen Jahres aus „verkehrsdynamischen Gründen“ in einem Teilbereich der Höhenstraße Ecke Oberdorfelder Straße ein absolutes Halteverbot eingerichtet worden. Ziel der Verkehrsregelung war, dass der Begegnungsverkehr zwischen Bussen und Pkws so erleichtert wird. Das bestehende absolute Halteverbot werde in den kommenden Tagen nochmals um etwa 15 Meter erweitert. Außerdem werde das Sichtdreieck im beinahe rechteckigen Kurvenbereich der Oberdorfelder Straße optimiert sowie in der Höhenstraße die bestehenden Fahrbahnmarkierungen erneuert.

Der Beobachtung der Anwohner, dass gerade die neuen Anwohner sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, hält die Stadt entgegen: „Dort wurden durch die Stadtpolizei mobile Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen. Zu den gemessenen Zeiten war das Geschwindigkeitsniveau unauffällig.“ Zudem seien temporäre Geschwindigkeitsanzeigetafeln aufgestellt worden. Die Auswertung habe ebenfalls keine Auffälligkeiten ergeben.

Busverbindung zwischen Hanau und dem Neubaugebiet sei verbessert worden

Auch die Busverbindung vom Neubaugebiet in die Hanauer Innenstadt sei bereits verbessert worden. „Das Konzept der Linie 9 wurde schon im Dezember 2019 umgesetzt, um mit der Siedlungsentwicklung Schritt zu halten und bereits für die ersten neuen Bewohner ein Angebot zu schaffen“, teilt die Stadt mit. Die Linie 9 wird über die Straße „Am Schwaberg“ hinaus nach „Am Hagen“ und weiter in die Wachenbuchener Straße verlängert. Für den Busverkehr ist dafür extra die Sackgasse „Am Schwaberg“ durch einen versenkbaren Poller geöffnet worden (wir berichteten). Die Busse fordern die Durchfahrt jeweils per Funk an. Im nördlichen Bereich der Straße „Am Hagen“ befindet sich die neue Haltestelle „Büchertalstraße“. Vom Neubaugebiet ist die Haltestelle über die Höhenstraße und den Fußweg zu erreichen. Seit dem Fahrplanwechsel 2020 fährt die Linie in den Hauptverkehrszeiten vormittags und nachmittags verdichtet alle 30 Minuten. Sonntags verkehrt tagsüber ebenfalls wieder der Bus im 60-Minuten-Takt. Alle Haltestellen in Mittelbuchen sollen künftig barrierefrei werden.

Auf Anfrage unserer Zeitung zur aktuellen Verkehrssituation verweist Bien-Ries auf das erstellte Verkehrsgutachten, das ergeben habe, dass die umliegenden Straßen die Mehrbelastung aufnehmen können. Mit wie vielen Autos konkret zu rechnen sei, könne man nicht sagen. Die Firma achte allerdings darauf, dass sämtliche Gewerke die Baustelle nur über die Baustraße und mit den zeitlichen Einschränkungen befahren. „Ein eigens durch Bien-Ries beauftragter Sicherheitsdienst gewährleistet und überprüft dies zusätzlich“, teilt Pressesprecher Michael Divé mit.

Hanau: Baufirma widerspricht den Anschuldigungen

Mehrere Anwohner hatten berichtet, dass die Baustraße seit der Teilasphaltierung vor knapp zwei Wochen auch vor sieben Uhr befahren werde. Das sei Bien-Ries nicht bekannt. „Unabhängig davon werden wir nochmal alle Gewerke daran erinnern, dass Baustellenverkehr erst nach 7 Uhr stattfinden darf“, so Divé. „Zudem verhängt Bien-Ries bei Nichteinhaltung Vertragsstrafen gegenüber den Nachunternehmern, um darauf hinzuwirken, dass die Baustraße nicht vor 7 Uhr befahren wird.“

Die nächsten Familien können voraussichtlich im Oktober ihre Wohnungen beziehen. Dann soll nämlich der dritte Bauabschnitt mit 25 Wohneinheiten in Form von Reihenhäusern und Doppelhäusern fertiggestellt. Auch der vierte Bauabschnitt mit 24 Wohneinheiten soll noch Ende des Jahres fertig werden. Der letzte Bauabschnitt, mit dem im kommenden Jahr die Bauarbeiten beendet werden sollen, umfasst 16 Wohneinheiten in Form von Reihenhäusern und Doppelhaushälften.

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