Kläranlage vor dem Ausbau

Zusätzliche Klärstufe zur Einhaltung des Phosphat-Grenzwerts nötig

Das Abwasser von bis zu 200 000 Menschen können in der Hanauer Kläranlage gereinigt werden. Rund ein Hektar groß ist das Kläranlagengelände, das leicht erhöht im Überschwemmungsgebiet des Mains liegt. Foto: Stadt Hanau
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Das Abwasser von bis zu 200 000 Menschen können in der Hanauer Kläranlage gereinigt werden. Rund ein Hektar groß ist das Kläranlagengelände, das leicht erhöht im Überschwemmungsgebiet des Mains liegt.

0,2 Milligramm pro Liter – das ist das Ziel. Ein Liter geklärtes Abwasser, das ab dem 1. Januar 2023 die Hanauer Gruppenkläranlage verlässt, darf dann im monatlichen Mittel nicht mehr als 0,2 Milligramm Phosphat enthalten.

Hanau –  Darauf hat man sich in der Europäischen Union verständigt, um einer drohenden Überdüngung der Gewässer zu begegnen. Auch die Hanauer Kläranlage muss dafür „fit“ gemacht werden. Das könnte nach jetzigen Schätzungen rund 35 Millionen Euro kosten.

Seit etlichen Monaten machen sich Michael Ruess, Abteilungsleiter Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz beim städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS), und Klärwerksleiter Lars Dworak intensiv Gedanken darüber, wie die verschärften Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes, die sich aus den europäischen Wasserrahmenrichtlinien ergeben, erfüllt werden können. Schnell war klar, dass die Hanauer Gruppenkläranlage die künftigen Grenzwerte für Phosphat mit den herkömmlichen Techniken nicht einhalten kann.

Ruess: „Zur Zeit gelingt es uns, durch den Einsatz sogenannter Fällmittel – wir verwenden eine Aluminium-Salz-Verbindung, die das Phosphat bindet – den Phosphatanteil im Abwasser auf rund 0,8 Milligramm pro Liter im Mittel zu begrenzen. Diesen Wert werden wir mit der bisherigen Technik noch auf 0,6 Milligramm pro Liter verringern können.“

Um aber „den großen Sprung“ auf 0,2 Milligramm Phosphat pro Liter Abwasser zu erreichen, sei eine weitere Klärstufe und somit der Ausbau der Kläranlage zwingend erforderlich, erklärt Ruess. Das Problem: Eigentlich ist auf dem etwa einen Hektar großen Gelände der Hanauer Gruppenkläranlage, die neben dem Tierheim auf Maintaler Gemarkung am Main liegt, kaum noch Platz für den Bau einer weiteren Klärstufe. Und einfach ausdehnen kann man das Areal auch nicht, denn es liegt gleich einer Hallig erhöht mitten im Überschwemmungsgebiet des Flusses.

HIS-Abteilungsleiter Michael Ruess erläutert anhand eines Plans die notwendigen Baumaßnahmen. Zur Zeit rechnet man mit Kosten in Höhe von 35 Millionen Euro. Fotos: Iding

Vor dem Hintergrund dieser schwierigen Ausgangslage hatte HIS bei Planungsbüros gleich zwei Machbarkeitsstudien eingeholt, die aber nach den Worten von Ruess „im Prinzip zu nahezu deckungsgleichen Empfehlungen kamen“. Ergebnis: Der Ausbau der Hanauer Gruppenkläranlage am jetzigen Standort und im laufenden Betrieb ist möglich, erfordert aber in Teilen eine Neukonzeption der Anlage. Denn dort, wo heute der Stickstoff aus dem Hanauer Abwasser geholt wird, muss künftig die Phosphatfiltrierung stattfinden. Dafür sind der Abriss der alten Gebäudeteile und ein künftig überdachter Neubau notwendig. Doch zunächst muss Ersatz für die Stickstofffiltrierung geschaffen werden. Dafür werden im ersten Bauabschnitt die letzte kleine Freifläche auf dem Gelände sowie die brachliegenden ältesten Klärbecken der Anlage genutzt. Die alten Klärbecken werden zurückgebaut und durch moderne Filtrationsanlagen ersetzt.

Die alte Stickstofffiltration wird abgerissen. Hier entsteht der Neubau zur Phosphateliminierung. Fotos: Iding

Nach jetzigem Planungsstand geht Michael Ruess von einer Investitionssumme in Höhe von 35 Millionen Euro aus - schränkt aber ausdrücklich ein, dass dies nur eine erste Kostenschätzung sei. In Hanau werden solche Investitionen in die Abwasserbeseitigung über die Abwassergebühren abgerechnet. Bis einschließlich 2021 ist keine Gebührenerhöhung in diesem Bereich vorgesehen.

Ein sprunghafter Anstieg der Gebühren ist nicht zu befürchten.

Michel Ruess, HIS-Abteilungsleiter

Allerdings dürften sich in den Folgejahren die Kosten für den Ausbau der Kläranlage in den Abwassergebühren durchaus niederschlagen. Doch Ruess warnt vor übertriebenen Befürchtungen: „35 Millionen Euro hört sich viel an, aber wenn man das auf die 200 000 Menschen umrechnet, auf die die Kläranlage ausgelegt ist, dann ergibt sich rechnerisch für jeden Einzelnen ein Kostenanteil von gerade einmal 175 Euro.“ Das umgelegt auf die Abwassergebühren werde nicht zu einem sprunghaften Anstieg führen, so Ruess.

Die ältesten Klärbecken werden zurückgebaut. Hier und auf einer Freifläche sind neue Filteranlagen geplant. Fotos: Iding

Zumal der Eigenbetrieb HIS für den Ausbau der Kläranlage auf nicht unerhebliche Fördermittel aus der Landeskasse hofft. Entsprechende Förderanträge werden in diesen Wochen auf Grundlage der bisherigen Planungen gestellt. Und erst wenn diese Förderanträge entschieden sind, können von Hanauer Seite die weiteren Schritte eingeleitet werden. Abteilungsleiter Ruess geht davon aus, dass das laufende Jahr noch für Antragstellung, Planung, Ausschreibung und Vergabe genutzt wird „und dass es dann in 2021 mit den Bauarbeiten so richtig losgeht“.

VON DIRK IDING

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