Im November geschlossen

Zweiter Lockdown bedroht die Existenz vieler Gastronomen - „Kommen nicht über die Runden“

Restaurants müssen für vier Wochen schließen: Nur der Verkauf von Speisen zum Mitnehmen ist gestattet, viele Gastronomen mussten hohe Einbußen hinnehmen, der erneute Lockdown trifft sie besonders hart.
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Restaurants müssen für vier Wochen schließen: Nur der Verkauf von Speisen zum Mitnehmen ist gestattet, viele Gastronomen mussten hohe Einbußen hinnehmen, der erneute Lockdown trifft sie besonders hart.

Teil-Lockdown und Sperrstunde in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis: Kaum eine Branche ist durch die Corona-Regeln so hart betroffen wie die Gastronomie. Zwei Restaurants aus der Region über die Folgen des Teil-Lockdowns.

Hanau - Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lag der Umsatz im Zeitraum von März bis April im Durchschnitt rund 40 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. Ebenso ging die Zahl der Beschäftigten um 34 Prozent zurück. Der zweite Lockdown ist für viele trotz versprochener Corona-Hilfen seitens der Bundesregierung, wonach Gastronomen 75 Prozent des Umsatzes aus dem November des Vorjahres erhalten sollen, existenzbedrohend. Wir haben uns bei Restaurants in der Region umgehört, wie sie die Krise erleben und was der Teil-Lockdown ab Montag für sie bedeutet.

Hanau: Lockdown im November - Gastronomen haben in Corona-Hygienemaßnahmen investiert

Dass die Restaurants ab Montag (2.11.2020) wieder für vier Wochen schließen müssen, kam für viele überraschend. Denn die Gastronomen hatten sich bereitwillig auf die Hygienebestimmungen des Landes eingelassen und Investitionen getätigt, etwa um die Außengastronomie auch im Winter zu ermöglichen oder die Lüftungsanlage im Restaurant zu verbessern.

Im Zuge der Corona-Pandemie seien vereinzelt Schulden im mittleren fünfstelligen Bereich entstanden, andere sprachen von Umsatzeinbußen bis zu 60 Prozent, obwohl die Nachfrage in den Sommermonaten zugenommen habe, der Betrieb sich wieder normalisiert habe. „Nach allem, was wir gemacht haben, nachdem wir alle Vorgaben von der Regierung umgesetzt haben, ist das, als würde uns einer ein Messer in den Rücken rammen“, sagt beispielsweise Nikolinka Kirilova.

Sie arbeitet als Bedienung im Restaurant am Golfplatz in Wilhelmsbad. „Wir hoffen, dass der Lockdown nur einen Monat dauert und dass danach unsere Gäste wiederkommen.“

Hanau: Corona-Hilfen der Regierung reichen für Gastronomen und Restaurants nicht aus

Um die vorgeschriebenen 1,5 Meter zwischen den Tischen einzuhalten, hatte die Rondo Sportsbar in Steinheim die Anzahl der Tische um die Hälfte reduziert. Nach dem Lockdown von März bis Mai habe es eine Weile gedauert, bis die Gäste sich wieder ins Restaurant getraut hätten, bis zum September sei die Nachfrage stark gestiegen.

„Über die Runden kommen wir damit nicht, wir müssen aber jetzt erst mal mit der Situation leben“, sagt Inhaber Dominic Infurna. Die Hilfen, die er nach dem ersten Lockdown erhalten habe, reichten bei Weitem nicht aus, um den Schaden, der ihm dadurch entstanden sei, aufzufangen.

Gastronomie in Hanau: Hohe Einbußen wegen Corona-Krise in umsatzstärksten Monaten

Schwer sei es vor allem abzuschätzen, wie es nach dem zweiten Lockdown weitergeht: „Wenn ich den Umsatz heute nicht mache, heißt es ja nicht, dass ich morgen doppelt so viel einnehme“, so Infurna. Durch den Lockdown blieben nun wichtige Umsätze von privaten und betrieblichen Festen aus. „Das sind normalerweise sichere Umsätze, von denen man das ganze Jahr zehrt“, sagt er.

Hochzeiten, betriebliche Weihnachtsfeiern und Familienfeste seien in diesem Jahr bereits im Vorfeld abgesagt worden – gerade für Gastronomen, die ihre Haupteinnamen aus der Veranstaltungsgastronomie beziehen, wie etwa beim Gewölbekeller oder dem Weißen Saal im Schloss Philippsruhe, sei das ein „herber Schlag“, wie Inhaber Thorsten Bamberger erzählt.

„Das ist eine verdammt bittere Pille. Obwohl wir uns mit einer optimierten Belüftungsanlage, eigens erstellten Hygienekonzepten, Mitarbeiter-Schulungen und einem deutlich erhöhten Personal-Aufwand aufwendig und kostenintensiv auf eine rundum sichere Versorgung unserer Gäste vorbereitet haben, müssen wir jetzt für vier Wochen schließen“, so Bamberger. „Mir fehlen die Worte, das ist mehr als traurig.“

Corona in Hanau: Restaurants wollen sich irgendwie über Wasser halten

Auch die Event-Angebote im Freien auf der Schloss-Terrasse mit DJ oder Live-Musik oder das vorzeitig beendete Oktoberfest hätten sich angesichts der reduzierten Personenanzahl und der corona-bedingten Investitionen finanziell nicht rentiert. „Wir versuchen, uns über Wasser zu halten“, so Bamberger. Einige seiner Mitarbeiter hätten sich beruflich umorientiert.

Auch für das Restaurant Fleur de Sel in Maintal sei mit der Absage von Feierlichkeiten eine wichtige Einnahmequelle weggebrochen. „Ab Juni hatte sich das Geschäft normalisiert“, sagt Geschäftsführer Horst Theumer. Während des ersten Lockdowns hatte das Restaurant auf Speisen zum Mitnehmen gesetzt.

Restaurants in Hanau: To-go-Geschäft in Zeiten des Coronavirus

Zwar hätten die Kunden das gut angenommen, aber die Idee hätte ihn um die finanzielle Überbrückungshilfe des Bundes gebracht, „Die Überbrückungshilfe war abhängig von Umsatzeinbußen von über 60 Prozent. Durch das To-go-Geschäft lagen wir aber knapp darunter“, so Theumer.

Daher sei er wie die anderen Gastronomen noch vorsichtig optimistisch, was die versprochenen Hilfen der Bundesregierung angehe. „Wenn die Hilfen wirklich kommen, gehen wir mit, ansonsten wird es sehr schwer“, sagt auch Infurna.

Coronavirus: Restaurants in Hanau sind keine Corona-Fälle bekannt

Corona-Fälle seien in keinem der abgefragten Restaurants aufgetreten – daher gingen die Gastronomen – immer mit Bezug auf die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts – eher davon aus, dass sich Menschen hauptsächlich im Privaten anstecken.

Während die meisten viel Verständnis für die Corona-Maßnahmen der Politik in Hanau und der Region zeigten, äußerten sie viel Frust und vereinzelt auch Unverständnis für die angeordnete Schließung der Gastronomie. (Jasmin Jakob)

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