„Bernsteinsommer“

Hanauer Autorin veröffentlicht neuen Roman - Ein Café spielt eine besondere Rolle

Jens Arndt mit seinen Nusstörtchen vor dem Café Schien. Diese spielen eine große Rolle in dem Buch von Andrea Russo.
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Jens Arndt mit seinen Nusstörtchen vor dem Café Schien. Diese spielen eine große Rolle in dem Buch von Andrea Russo.

Andrea Russo ist gebürtige Hanauerin und inzwischen eine erfolgreiche Schriftstellerin, die unter verschiedenen Pseudonymen zahlreiche Romane und Jugendbücher veröffentlicht hat. Die Handlung ihres jüngsten Buchs, das inzwischen auf der „Spiegel“-Bestsellerliste auf Rang 33 zu finden ist, beginnt in Hanau – und dabei spielt ein alteingesessenes Café eine nicht unwichtige Rolle.

Hanau – Andrea Russo ist 1968 in Hanau geboren und besuchte bis zur zehnten Klasse die Karl-Rehbein-Schule, wechselte dann aufs Lichtenberg-Oberstufengymnasium, wo sie ihr Abitur ablegte. Nach dem Studium arbeitete sie als Lehrerin an einer Förderschule. Sie hatte inzwischen der Liebe wegen den Wohnort gewechselt und war nach Oberhausen gezogen, wo sie mit ihrem Mann, einer erwachsenen Tochter und einem Hund lebt und ihre Bücher schreibt.

„Bernsteinsommer“: Handlung beginnt in Hanau

„Die Geschichten der Reihe unter dem Pseudonym ‘Anne Barns’ beginnen immer im Ruhrgebiet und enden am Meer. Das neue Buch ‘Bernsteinsommer’ macht hier eine Ausnahme, denn die Handlung spielt zunächst in Hanau, wo noch meine Familie, Freunde und Bekannte leben“, erzählte die Erfolgsautorin dieser Zeitung im Telefongespräch.

Wenn Andrea Russo in der Brüder-Grimm-Stadt Station macht, darf ein Besuch im Café Schien nicht fehlen, denn die Nusstörtchen von Konditor und Historiker Jens Arndt sind eine Leidenschaft der Schriftstellerin, die selbst ihr Hobby Backen und ihre Rezepte für diverse Kuchen, Tartes und andere Backwaren in ein Buch einfließen lässt, das ihr Mann bebildert und das demnächst auf den Markt kommt.

Café Schien in Hanau spielt eine Kernrolle im Roman

Die Protagonistin des Romans „Bernsteinsommer“ hat nämlich ihren Beruf Konditorin just in diesem Café Schien erlernt, ehe sie ein eigenes Café eröffnet. Und Arndt war nicht unwesentlich an der Arbeit zu dem Buch beteiligt, lieferte er nicht nur berufsspezifisches Wissen, sondern verstärkte bei Andrea Russo in vielen Telefonaten das Interesse an der Geschichte von Hanau. Und, so viel sei verraten, auch die Bombennacht mit der großflächigen Zerstörung der Stadt spielt im Roman „Bernsteinsommer“ eine Rolle.

Jens Arndt bestätigt die Aussagen der Autorin und verrät: „Andrea Russo ist eine liebe Freundin von mir, und ich durfte sie bei den authentischen Abläufen in einem Konditorei-Café beraten. Sie liebt übrigens Nusstörtchen und weiß von der Symbolwirkung der Brüder-Grimm-Törtchen als ‘Süßen Gruß aus Hanau’“.

Die gebürtige Hanauerin und Autorin Andrea Russo hat mit „Bernsteinsommer“ ein neues Buch geschrieben, das teilweise in Hanau spielt.

Neben Arndt seien ihre Schwester, Freunde und Bekannte ihr bei der Recherche über Detailfragen zu Hanau zur Hand gegangen, „denn obwohl ich immer wieder in der Stadt bin, verändert sie sich doch im Kleinen und in Dingen, die ich in Oberhausen nicht mitbekomme. Diese Hinweise und Korrekturen waren sehr hilfreich für mich, denn die Leser aus Hanau und Umgebung sollen die Stadt auch wiedererkennen“, stellte Russo fest. Ihr nächstes Buch unter dem Pseudonym Anne Barns wird übrigens in Frankfurt und wieder in Hanau spielen und die Handlung endet dann nicht am Meer: „Anne Barns wird ernster werden“, kündigte die Autorin an.

Erfolgreiche Karriere der Schriftstellerin beginnt durch einen Zufall

In der Schule war Andrea Russo nach eigener Aussage im Fach Deutsch nicht besonders auffällig. Dass aus ihr letztlich eine erfolgreiche Schriftstellerin mit Auflagen im sechsstelligen Bereich wurde, sei einem Zufall zu verdanken, erzählte Russo: „Ich habe damals mit meiner Schwester telefoniert und die hat mir eine lustige Episode erzählt, die mir so gut gefallen hat, dass ich sie zu Papier gebracht habe. Die daraus entstandenen 20 Seiten habe ich an verschiedene Literaturagenturen geschickt und eine davon hat sich tatsächlich gemeldet und mich unter Vertrag genommen.“

Zuerst arbeitete Andrea Russo noch weiter als angestellte Lehrerin und wagte 2015 – mit Erfolg – den Weg in die Selbstständigkeit. „Mit dem beruflichen Hintergrund Lehrerin war die Entscheidung etwas leichter“, räumte die Autorin ein, die aber auch schon erfahren hat, welchen Zwängen Schriftsteller ausgesetzt sind und wie hart eine Schreibblockade sein kann. „Ich schreibe meine Bücher meist auf den letzten Drücker. Da schließe ich mich dann in mein Arbeitszimmer ein und kann voll in der Handlung aufgehen“, erzählte Russo, die sich derzeit zum Schreiben wieder in Klausur befindet.

Das Cover.

Inzwischen ist sie so erfolgreich, dass die Buchverträge mit ihren vier verschiedenen Verlagen bis ins Jahr 2023 reichen. Immerhin sind seit 2009 bislang über 20 Bücher unter ihren verschiedenen Pseudonymen erschienen. Und im vergangenen Jahr hat Andrea Russo für ihr Kinderbuch „Green Witch“ den Literaturpreis „Kalbacher Klapperschlange“ verliehen bekommen.

Tochter tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter

Ihre Tochter, die als Filialleiterin einer großen Drogeriekette arbeitete, hat vor einiger Zeit ihren Job sausen lassen, selbst ein erfolgreiches Buch geschrieben und ist damit in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten. „Dieser Tage waren wir beide in einer Buchhandlung in Oberhausen, um uns unsere Bücher anzuschauen“, erzählte Andrea Russo, „dabei hat mir die Buchhändlerin leidgetan, denn außer uns war nur noch eine einzige Kundin im Laden“.

Die Pandemie hat auch Andrea Russo einen Strich durch viele Vorhaben gemacht. Unter anderem wurde eine Lesung in Hanau im Café Schien in Verbindung mit einer karitativen Aktion auf unbestimmte Zeit verschoben. „Aber sobald sich die Situation normalisiert hat, werde ich so schnell wie möglich nach Hanau kommen und aus ‚Bernsteinsommer’ lesen“, versprach die Autorin, die aufgrund der Arbeit an diesem Roman und den vielen Gesprächen mit Jens Arndt ihre Heimatstadt inzwischen bei Besuchen mit anderen Augen betrachtet. (Von Thomas Seifert)

Bernsteinsommer

Die Handlung von „Bernsteinsommer“ in Kürze: Nach ihrer Ausbildung zur Konditorin hat Christina ihr eigenes Café eröffnet. Wunderschöne Aquarelle schmücken dort die Wände. Ihr Vater hat sie ihr geschenkt, doch seit er die Diagnose Alzheimer erhalten hat, malt er nicht mehr. Er verändert sich und verschwindet immer mehr in seiner eigenen Welt. Dass er trotzdem eines Tages nach seinen Malkreiden fragt, ist für Christina ein Lichtblick. Ohne Zögern macht sie sich in seinem Arbeitszimmer auf die Suche und findet dabei ein Ölgemälde, das nicht von ihrem Vater stammen kann. Trotzdem fühlt sie sich wie magisch angezogen von der lichtdurchfluteten Meerlandschaft und begibt sich bei der Suche nach dem Künstler auf eine Reise, die sie von Hanau nach Rügen und in die Vergangenheit ihrer Familie führt. tse

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