Hanauer bauen auf manroland

Hanau - Verbraucher, die weltweit in Parfümerien zu edlen Düften greifen, halten häufig Produkte aus Hanau in der Hand - zumindest die Verpackung. In Steinheim hat die Firma Model Kramp eine der modernsten Druckereien für Faltschachteln in Europa gebaut. Von Marc Kuhn

Von der B45 ist der imposante Bau sichtbar: Die große Produktionshalle ist in Grau gehalten, zum Naturschutzgebiet hin öffnen sich die Büros mit großen Glasfassaden. Der neue Betrieb von Model Kramp ist auch ein Vorzeigeunternehmen innerhalb der schweizer Gruppe Model, zu der die Hanauer Firma gehört. Ein zweistelliger Millionenbetrag sei investiert worden, erklärt Verkaufsleiter Michael Krapp unserer Zeitung.

Der Umzug sei nötig geworden, weil das Gelände am bisherigen Standort in Klein-Auheim zu klein geworden sei, sagt Betriebsleiter Wolfgang Kern. Zudem war das Lager in Langenselbold. Beide Probleme sind mit dem Umzug gelöst worden. Vorprodukte sind neben der Fertigungshalle eingelagert. Weitere Expansionsmöglichkeiten hat sich der Betrieb offen gehalten, das benachbarte Grundstück wurde bereits gekauft. „Wir haben uns vorbereitet“, erläutert Krapp.

Model Kramp stellt die hochwertigen Verpackungen mit Maschinen von „manroland“ aus Offenbach her. Auf diese Weise sei eine lange Partnerschaft mit dem Druckmaschinenproduzenten fortgesetzt worden, berichtet Krapp. Die Roland 700 seien speziell auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet worden. Mit ihnen könnten die Schachteln in weniger Produktionsschritten als zuvor hergestellt werden.

Verkaufsleiter Krapp berichtete weiter, dass Model Kramp für alle namhaften Kosmetikfirmen Faltschachteln produziert. Dazu gehören Estée Lauder, Jil Sander, Clarins, Oil of Olay, Gucci und Hugo Boss. 120 Mitarbeiter stehen auf den Gehaltslisten. Produziert wird an fünf Tagen in drei Schichten rund um die Uhr. Etwa 85 Prozent der in Hanau hergestellten Waren gehen in den Export.

Der Markt sei hart umkämpft, erklärt Krapp. Es gebe etwa zehn Firmen in Europa, die auf dem Niveau seines Unternehmens arbeiten. Krapp sagt: „In unserer Liga diskutiert der Kunde nicht über Qualität.“ Diese werde vorausgesetzt. Durch Flexibilität und Innovationen versuchen die Hanauer sich von der Konkurrenz abzusetzen. „Wir müssen jedes Jahr neue Wege finden, um die Kunden zu begeistern“, erläutert Krapp.

Die Veredlung der Schachteln mit immer neuen Möglichkeiten spiele eine große Rolle in der Branche, sagt Betriebsleiter Kern. Die Hanauer können in ihrer neuen Produktionshalle aber nicht nur drucken, sondern auch kaschieren - Folien auf weißen Karton aufbringen - und lamieren, mit transparenten Folien arbeiten. Zudem werde an den Maschinen geprägt, gestanzt und geklebt, berichtete Krapp. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten biete Model Kramp die „ganze Fertigungstiefe“ an, erklärt der Verkaufsleiter weiter. So kann das Unternehmen jährlich bis zu 200 Millionen Schachteln für Produkte vornehmlich aus dem Parfüm- und Kosmetikbereich herstellen.

Beim Neubau setzte Model Kramp ein modernes Energiekonzept um. „Wir benutzen kein Öl und kein Gas“, sagt Krapp. „Wir heizen mit der Wärme der Maschinen.“ Sie wird gespeichert in einem 90 000 Liter fassenden Tank mit Wasser, der im Erdreich vergraben ist. Die Büros sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. In die Produktionshalle und ins Lager wird warme Luft eingeblasen. Im Sommer sorgen gekühlte Decken für angenehme Temperaturen. Die Maschinen werden mit Wasser, Druckluft und Energie über Leitungen versorgt, die an der Hallendecke angebracht sind. So ist Model Kramp flexibel und kann den Maschinenpark einfach verändern. Zudem wurde auf kurze Wege in der Produktion geachtet, wie Krapp berichtet.

Leisten konnten sich die Hanauer die Großinvestition in den Neubau dank der Rückendeckung der schweizer Mutter Model. Die Holding mit Sitz in Weinfelden hatte Kramp & Comp. im Jahr 2000 übernommen, nachdem das Offenbacher Traditionsunternehmen in Insolvenz gegangen war. Es war 1832 von Louis Kramp als Lithografische Kunstanstalt gegründet worden. Ende des Jahrhunderts hatte sich die Firma einen Namen für den Etikettendruck in der weltweiten Kosmetikbranche gemacht. Zunächst war sie in Offenbach in der Ludwigstraße, später in Waldhof und schließlich in Klein-Auheim ansässig. Auch die Model Holding blickt auf eine lange Tradition zurück. Louis Model gründete 1882 eine Handpappenfabrik in der Schweiz in Ermatingen. Sie spezialisierte sich auf industrielle Verpackungen. Das Unternehmen expandierte und hat heute 14 Fertigungsbetriebe in der Schweiz, Deutschland, Polen, Tschechien und Kroatien. Geleitet wird es in der vierten Generation von Daniel Model und seiner Frau Elisabeth, die auch Geschäftsführerin von Model Kramp in Hanau ist.

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