Strategien gegen Neonazis

„Wegducken bringt nichts“

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Astrid Pulter und Manfred Eckl vom Beratungsnetzwerk Hessen moderierten das zweite Arbeitstreffen des Hanauer „Bündnisses für Vielfalt“ und sammelten Vorschläge für künftige Aktion gegen Rechtsextremisten.

Großauheim - Das „Bündnis für Vielfalt,“ das sich 2013 nach den Aufmärschen der NPD in der Brüder-Grimm-Stadt am 1. Mai und während des Bundestagswahlkampfes gründete, um Strategien gegen die Rechtsextremen zu entwickeln, hat sich zu einem zweiten Arbeitstreffen versammelt. Von Dieter Kögel

Dabei gab sich das Bündnis gewisse Organisationsstrukturen und legte Arbeitsschwerpunkte fest. Im Bürgerhaus „Alte Schule“ kamen am Freitagabend Mitglieder des „Bündnisses für Vielfalt“ zusammen. Am Tisch vertreten waren Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Ausländerbeirat und vielen andere Organisationen. Sie wollen sich in den nächsten Monaten mindestens alle vier bis sechs Wochen treffen, um das Vorgehen zu koordinieren, falls Hanau erneut Ziel von NPD-Kundgebungen werden sollte. Denn dass die Neonazis künftig einen Bogen um Hanau machen werden, daran hat das Bündnis Zweifel. Sowohl der 1. Mai, als auch die bevorstehende Europawahl könnten die NPD-Aktivisten wieder nach Hanau locken. Darauf will das Bündnis vorbereitet sein und gegebenenfalls mit Aktionen und Demonstrationen reagieren.

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Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) plädierte eingangs der Veranstaltung für einen breiten Konsens der unterschiedlichen Gruppen gegen Rechts. Bei der gemeinsamen Gegenwehr gegen die NPD und Rechtsextremismus dürfe man „niemanden zurücklassen, der mitmachen will.“ Bei allen Unterschieden der Gruppen im Bündnis komme es darauf an, den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ in den Vordergrund zu stellen: die strikte Ablehnung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Kaminsky erteilte „Wegsehen“ und „Wegducken“ eine deutliche Absage: „Ich glaube nicht, dass dies erfolgreich wäre.“

Und so bleibt das „Bündnis für Vielfalt“ auch künftig offen für neue Mitstreiter. Es gelte, Netzwerke aufzubauen, möglichst viele Unterstützer zu finden und zu mobilisieren, hieß es unter der Moderation von Astrid Pulter und Manfred Eckl vom Beratungsnetzwerk Hessen, das seit 2007 Kommunen, Schulen, Privatpersonen und Gruppierungen bei Problemen mit Rechtsextremismus berät und unterstützt. In kleinen Arbeitsgruppen formulierten die Teilnehmer des Runden Tisches Ziele der künftigen Arbeit des Bündnisses. Aufklärungsarbeit an den Schulen auch zum Thema Rassismus im Alltag gehörten ebenso zu den notwendig erachteten Maßnahmen wie die Entwicklung von Argumenten, die den Parolen der Rechten in der Auseinandersetzung den Wind aus den Segeln nehmen könnten.

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Kurzfristiges Ziel soll allerdings die Vorbereitung auf mögliche Neonaziaufmärsche in Hanau sein. Demonstrieren, Stören, und zwar lautstark, gewaltfreie Blockaden, ziviler Ungehorsam, aber auch enge Abstimmung mit Polizei oder Ordnungsbehörde. Nur einige der Punkte, die auf den vielen Zetteln an der Pinnwand hängten, nach- dem die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse bekannt gegeben hatten. Vorschläge, die in der nächsten Sitzung des Bündnisses präzisiert werden sollen. Auch die engere Vernetzung der Initiativen vor Ort steht ebenso auf der Agenda wie der Erfahrungsaustausch mit anderen Gruppen gegen Rechtsextremismus in der Rhein-Main-Region. Es gehe um die Mobilisierung aller demokratischen Kräfte. Denn „zu Hause bleiben, wenn die wiederkommen, das halte ich nicht für akzeptabel,“ erklärte der Hanauer Oberbürgermeister.

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