Corona-Krise

Hoffen auf Sondergenehmigung: Kein Verkauf in Fahrradläden

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Bereit für die Radsaison: Geschäftsführer Andreas Schmidt mit einem seiner fünf Beschäftigten in der weiterhin geöffneten Fahrradwerkstatt.

Fahrradfahren ist gesund, da gibt es keine zwei Meinungen. Und Fahrradfahren kann auch in der jetzigen Situation eine Möglichkeit sein, auf dem Weg zur Arbeit Busse oder Bahnen zu meiden. Wohl dem also, der ein funktionierendes Zweirad besitzt, das er als alternatives Transportmittel benutzen kann.

Von Thomas Seifert

Dabei raten selbst Virologen jetzt zum Drahtesel – Wer allerdings nicht in dieser glücklichen Lage ist und sich jetzt einen Drahtesel anschaffen will, schaut in die Röhre, denn die Geschäfte sind geschlossen. Das will Andreas Schmidt, der seit 2015 einen Fahrradladen mit angeschlossener Werkstatt am Einkaufszentrum Kinzigbogen in der Luise-Kiesselbach-Straße im Lamboy betreibt, ändern.

„Die Werkstatt, in der ständig zwei meiner fünf Beschäftigen arbeiten, darf ich weiterhin geöffnet halten. Der Verkauf von Fahrrädern oder Zubehör ist allerdings untersagt“, beschreibt der Geschäftsführer die Situation. Schmidt sieht darin keinen Sinn, denn selbst Virologen hätten betont, wie sinnvoll es sei, wenn Menschen, die über kein eigenes Auto verfügen, aufs Fahrrad steigen und nicht-öffentliche Verkehrsmittel benutzen würden.

Infektionsrisiko sinkt, wenn man das Fahrrad als Fortbewegungsmittel nutzt

 „Denn“, betont Andreas Schmidt, „das Infektionsrisiko sinkt dreifach. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, läuft kaum Gefahr, sich mit dem Virus anzustecken. Menschen, die sich unwissentlich mit dem Virus angesteckt haben, infizieren als Fahrradfahrer voraussichtlich weniger Mitmenschen, wie wenn sie mit Bus oder Bahn unterwegs wären. Und drittens sind die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr so voll und das Infektionsrisiko geht zurück“. 

Die Argumentation von Schmidt wird unter anderem gestützt von Aussagen zum Beispiel des Charité-Virologen Christian Drosten, der derzeit als Experte omnipräsent in den Medien ist, der insbesondere Großstadtbewohnern ohne Auto zur Fortbewegung mit dem Fahrrad rät. 

Eine ähnliche Argumentation kommt vom Verkehrsclub Deutschland, der bemängelt, eine Schließung von Fahrradläden wegen des Coronavirus sei „kontraproduktiv“, denn in diesen Geschäften hielten sich „Menschen selten lange und gedrängt auf“. Deshalb sei das „Risiko im Vergleich zum Mehrgewinn an Mobilität und Gesundheitsförderung vertretbar“, so der VCD-Vertreter Stefan Kohte.

Werkstatt ist für Reparaturen geöffnet

„Wir haben in unserem Laden schon Vorsichts- und Hygienemaßnahmen ergriffen. So öffnen wir für Kunden der Werkstatt nur nach einem Klopfen an der Tür und der Frage, was das Anliegen ist. Wir lassen auch immer nur einen Kunden in den Laden und jeder muss sich die Hände desinfizieren“, so Andreas Schmidt. Für ihn wäre zum Beispiel vorstellbar, dass sich Menschen, die sich für die Anschaffung eines Fahrrads für den Weg zum Arbeitsplatz entschlossen haben, telefonisch oder per E-Mail zu einer Beratung anmelden.

„Auch so könnten wir gezielt steuern, dass immer nur ein Kaufinteressent im Geschäft ist“, fügte Schmidt hinzu. Noch gelte für Fahrrad Schmidt die Schließungspflicht im Verkauf, der Geschäftsführer hat aber bereits mit der Stadt Kontakt aufgenommen und um eine Überprüfung und im positiven Fall die Erteilung einer Sondergenehmigung für den Verkauf unter verschärften Bedingungen nachgefragt.

„Die Antwort war, dass man den Fall prüfen werde“, berichtet Andreas Schmidt dieser Zeitung. Er hofft auf eine für ihn und seine Beschäftigten machbare Lösung, denn „das Lager ist voll, unsere Saison beginnt jetzt und die Zahlungsziele sind fixiert“, weist der Geschäftsführer auch auf einen wichtigen wirtschaftlichen Aspekt hin.

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