Mit Strahlkraft auf 60 km/h

Feuerwehr stellt 1,7 Millionen Euro teures Spezialboot vor

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Seit wenigen Tagen hat das neue Feuerwehrboot seinen Liegeplatz am neuen Anleger unweit der Kinzigmündung. 1,7 Millionen Euro hat das technisch bestens ausgerüstete Wasserfahrzeug gekostet.

Hanau - Eigentlich war es bereits für 2016 versprochen worden, nun ist es endlich eingetroffen: Hanaus neues Feuerlöschboot. 15 Meter lang, 20 Tonnen schwer und mit vielen technischen Besonderheiten für heikle Aufgaben ausgestattet. Seit einigen Tagen wird es erprobt. Von Matthias Grünewald 

Wolfgang Wilcke ist einer der Feuerwehrleute, die als Bootsführer ausgebildet werden.

Einige Unglücke und Beinahekatastrophen in der Vergangenheit hätten gezeigt, dass es eine Lücke im Sicherheitskonzept auf dem Schifffahrtsweg Main gebe, so der technische Leiter der Hanauer Feuerwehren, Stefan Schönberg. Dazu zählt der Ausfall der Ruderanlage eines Frachters, der vor einigen Jahren hilflos zwischen den Brückenpfeilern der Steinheimer Brücke trieb. „Das angeforderte Boot der Frankfurter Wehren brauchte zwei Stunden, um am Einsatzort zu sein“, erinnert sich Schönberg. Gemeinsam mit den Bundesländern Rheinland Pfalz, Hessen, der Stadt Karlsruhe und Hanau wurde eine Projektgemeinschaft gebildet, die die Gefahrenlage am Main neu analysierte.

Vier neu konzipierte Löschboote wurden daraufhin bei einer Werft in Neckarsteinach in Auftrag gegeben. Eines dieser Boote, mit der offiziellen Bezeichnung Hilfeleistungslöschboot (HLB), hat seinen Standort seit wenigen Tagen in Hanau. Nicht länger als eine Stunde soll es dauern, bis das Boot am Einsatzort ist, verspricht Schönberg. Das Einsatzgebiet reicht von der bayerischen Grenze in Mainflingen bis nach Offenbach. Zwei Dieselmotoren mit je 800 PS beschleunigen das HLB Hanau auf bis zu 60 km/h. Angetrieben wird es nicht von einer herkömmlichen Schiffsschraube, sondern von einem Jet Antrieb, der nach dem Prinzip eines starken Wasserstrahls funktioniert. Das System ermöglicht den geringen Tiefgang des Bootes von nur 80 Zentimetern.

Ein Techniker der Werft nahm gestern letzte Einstellungen an den zwei jeweils 800 PS starken Dieselmotoren vor.

Das rund 1,7 Millionen Euro teure Boot, an dessen Finanzierung das Land Hessen mit einer Million Euro beteiligt ist, kann in vielen Gefahrensituationen eingesetzt werden. Eine Rettungsplattform mit Leiter erlaubt die Evakuierung von Passagieren eines Fahrgastschiffes. Je eine Plattform im Heck und am Bug machen zudem den Einsatz von Tauchern möglich. „Wenn sich beispielsweise ein Tau in der Schiffsschraube eines Frachters verfangen hat, kommen die Taucher zum Einsatz“, beschreibt Schönberg ein mögliches Rettungsszenario.

Mit Radar und Wärmebildkamera ausgerüstet, lassen sich vom Boot aus vermisste Personen auch in der Dunkelheit suchen. Vor allem die Löschleistung der Wasserkanonen ist beeindruckend: 6000 Liter Wasser pro Minute kann jede der beiden Wasserkanonen abgeben. Zum Vergleich: Ein C-Rohr – der dickste Schlauch eines Löschfahrzeuges – schafft nur 100 Liter in der Minute.

Bilder des neuen Feuerlöschboots für Hanau und Umgebung

Zurzeit befindet sich das Boot in der dreimonatigen Erprobungsphase. Die Ausbildung der Hanauer Bootsführer hat der ehemalige Schiffsführer der Frankfurter Wehren, Norbert Schaffert, ehrenamtlich übernommen. Zwölf Schiffsführer sollen einmal in der Lage sein, das Boot mit seinem aufwendigen Kommandostand zu bedienen.

Ende August ist die Schiffstaufe von HLB Hanau bei einer Feier vorgesehen. Diese findet entweder am neuen Bootsanleger statt, der neben der Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes unweit der Kinzigmündung eigens für Feuerwehrboot gebaut wurde, oder am Anleger bei Schloss Philippsruhe.

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