Unternehmen beliefert weltweit Konzerne

Hanauer Firma stattet ESA-Satelliten aus

OB Claus Kaminsky besuchte die ACST GmbH in Großauheim und ließ sich genau erklären, woran das Unternehmen arbeitet. Foto: Stadt

Großauheim - Mit ihrer Arbeit und Forschung auf dem Feld der Hochfrequenztechnologie leistet die ACST GmbH Pionierarbeit. Das Unternehmen mit Sitz in Großauheim beliefert Konzerne auf der ganzen Welt mit seinen Bauteilen.

Künftig soll der Hanauer Standort noch weiter ausgebaut werden. Ganz versteckt in einem Gewerbegebiet in der Joseph-Bautz-Straße in Großauheim sitzt ein hoch innovatives High-Tech-Unternehmen, das die Satelliten der ESA (Europäischen Space Agency) regelmäßig mit wichtigen elektronischen Komponenten bestückt. Die ACST GmbH arbeitet und forscht auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnologie, auch Terahertz-Technologie genannt. Mit ihren hoch spezialisierten Technologiebauteilen beliefern sie ESA, Nikon, Airbus und andere namhafte Technologiekonzerne auf der ganzen Welt.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Wirtschaftsförderin Erika Schulte statteten der ACST GmbH nun einen Besuch ab, um mehr über die Arbeit zu erfahren. Geschäftsführer Dr.-Ing. Oleg Cojocari erläuterte die Ursprünge der Firma: „Begonnen habe ich mit der Forschung an der Hochfrequenztechnologie im Rahmen meiner Doktorarbeit an der TU Darmstadt“, berichtet er. 2006 sei ACST als Ableger der Forschungsabteilung ausgegründet worden und 2013 schließlich nach Hanau gezogen. Auch um in unmittelbarer Nähe zu weiteren weltweit führenden Materialtechnik-Spezialisten zu sein.

„Unsere Gründung fand im Rahmen der Technologie-Strategie der ESA statt, die mehr Unabhängigkeit von Technologie-Quellen außerhalb der ESA-Länder wollte. Bis zur Gründung von ACST GmbH gab es die speziellen Bauteile nur von einem amerikanischen Unternehmen. Wir waren die erste Firma in Europa, die Schottky-Dioden für Terahertz-Anwendungen entwickelt, gebaut und vertrieben hat“, erläutert Cojocari. Mit Hilfe dieser speziellen Dioden ließen sich Messinstrumente bauen, die Hochfrequenzstrahlung (100-2000 Gigahertz) nutzen, erklärt er weiter. „Mit Hilfe der Terahertz-Strahlung lassen sich Dichte und Zusammensetzung eines Materials aus der Ferne erkennen. Daher wird sie beispielsweise im Weltraum eingesetzt.“ Die ESA nutze die ACST-Bauteile (Schottky-Dioden und Detektor-Module für Frequenzkanäle von 89 GHz bis 660 GHz) beispielsweise für ihre Wettersatelliten. Ziel sei eine noch zuverlässigere Wettervorhersage und die weitere Erforschung des Klimas auf der Erde.

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„Aber auch im Sicherheitsbereich und in der Medizin können Messinstrumente mit Terahertz-Strahlung von sehr großer Bedeutung sein,“ berichtet Cojocari. So ließen sich mithilfe der Strahlung beispielsweise leichter veränderte Zellen unter dem Mikroskop erkennen, aber auch Gegenstände und Menschen scannen. Auch in der Datenübertragung per Funk könnten die Hochfrequenzwellen zukünftig eine große Rolle spielen, da man mit ihrer Hilfe große Datenmengen übertragen könne, so Cojocari. Die neue Technologie befinde sich allerdings noch im Wachstumsstadium und sei für den allgemeinen Gebrauch derzeit noch zu teuer. „Aber das wird sich in den kommenden Jahren ändern, denn auf dem Gebiet wird mit Hochdruck geforscht“, prophezeit er.

Das Unternehmen ACST sieht Cojocari auf einem guten Weg: „Wir entwickeln hier die Dioden-Technologie genau nach den Wünschen von - und oft auch in enger Zusammenarbeit mit - den Kunden, stellen sie selbst her und testen sie vor Ort“, erläutert er. Die geschlossene Entwicklungskette ermögliche eine ideale Einflussnahme auf jeden einzelnen Prozessschritt. „Im schnell wachsenden, vielversprechenden Hochfrequenz-Technologie-Bereich bedienen wir den Bedarf an Komponenten, Modulen und Systemen. Mit dem Produktspektrum von der Einzeldiode bis hin zum System, sind wir in Deutschland einzigartig und hinsichtlich der Performance eines der weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet“, erklärt Cojocari.

Für die kommenden Jahre plane die ACST GmbH den weiteren Ausbau des Produktions- und Entwicklungsstandorts Hanau. Sein derzeit 14 Personen starkes Team will Cojocari daher verstärken, um dem steigenden Bedarfen der Kunden gerecht werden zu können: „Wir suchen dringend Elektroniker und Menschen mit einem abgeschlossenen Studium in Elektrotechnik. Erfahrung mit Hochfrequenztechnik sind zwar wünschenswert, aber nicht Voraussetzung“, sagt er. Er verspricht: „Die Arbeit hier ist sehr vielfältig und herausfordernd!“

Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Wirtschaftsförderin Erika Schulte zeigten sich beeindruckt von der innovativen Arbeit der ACST GmbH. „Es ist fantastisch, dass solch ein hoch spezialisiertes Unternehmen, das in Deutschland einzigartig ist, hier in Hanau seinen Standort hat“, freute sich der OB. „Sie leisten hier sehr beeindruckende Pionierarbeit und ich hoffe in den kommenden Jahren noch viel von Ihnen zu hören!“ (lj)

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