Professorin aus Kuba recherchiert über Familie Souchay

Hanauer gründete einst Kaffeeplantage

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Die Hanauer Archivarin Monika Rademacher gewährt der Professorin Berta Martinez Paez Einblicke in ein altes Kirchenbuch.

Hanau - Die Brüder-Grimm-Stadt ist immer wieder Ziel engagierter Familienforscher. Bis aus Kuba reiste die Professorin Berta Martinez Paez an, die seit Jahren zur Geschichte der Kaffee- und Zuckerplantage „Angerona“ recherchiert.

Das Unternehmen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Cornelius Souchay gegründet, einem in Hanau geborenen hugenottischen Einwanderer. Cornelius Souchays Vater Isaac Pierre (1748-1787) war Goldschmied in Hanau und mit Cornelie Escher verheiratet. Das Paar hatte sechs Kinder. Sohn Cornelius kam 1784 in Hanau auf die Welt, absolvierte eine kaufmännische Lehre in Bremen, ging danach nach Baltimore und 1813 nach Havanna. In Artemisa gründete er „Angerona“, benannt nach der Göttin der Stille, die bald zur größten Kaffee- und Zuckerplantage Westkubas avancierte.

Souchay starb 1837 ohne direkte Nachfahren. Seine Güter wurden parzelliert und später aufgelöst. Die lange Zeit unbeachteten Reste des Gutes, auf dem zeitweise bis zu 450 Sklaven arbeiteten, wurden 1981 zum National-erbe Kubas erhoben.

Über eine Freundin in Stuttgart, Gisela Köllner, und Nachfahren der Familie Souchay in Berlin wurde nun ein Besuch von Berta Martinez Paez in Deutschland und Hanau möglich gemacht. Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen und zugleich Vorsitzender des Hanauer Geschichtsvereins, führte den Gast zu den Wurzeln der Familie Souchay in der Stadt, unter anderem zur Wallonisch-Niederländischen Kirche, nach Schloss Philippsruhe und über den alten französischen Friedhof, der heutigen Martin-Luther-Anlage.

Kaffee: Die fünf wichtigsten Studien

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Im Hanauer Stadtarchiv am Schlossplatz zeigte Archivarin Monika Rademacher dem weit gereisten Gast alle erhaltenen, Souchays betreffenden Einträge in den überlieferten Kirchenbüchern des 18. Jahrhunderts. Die 84-jährige Professorin zeigte sich erfreut über das neue Material für ihre Forschungen und eine von ihr angeregte museale Präsentation über „Angerona“ und die Familie Souchay. Dem Stadtarchiv Hanau überreichte sie eine CD mit Abbildungen und Aufsätzen über Souchays Plantage. „Der deutsch-kubanische Kulturtransfers aus dem 18. Jahrhundert wurde also wieder aufgenommen“, meinte die rüstige alte Dame, die einst in einer Zuckerplantage die Buchhaltung verantwortete.

Wer sich näher über die Familie Souchay informieren will, kann dies in der landeskundlichen Abteilung der Stadtbibliothek Hanau tun. Eine 1961 erschienene Chronik steht zur Ausleihe bereit. Weitere Infos im Internet unter den Stichwörtern „Cafetal Angerona Cuba“.

cs

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