Hanauer Justiz trauert

Richter Buschbeck: Original und Legende

Hermann Buschbeck mit Dr. Rainer Mößinger, dem damaligen Vizepräsidenten des Landgerichts.
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Hermann Buschbeck ging 1996 in den Ruhestand. Dr. Rainer Mößinger, der damalige Vizepräsident des Landgerichts (rechts) verabschiedete ihn.

Die traurige Nachricht vom Tod des ehemaligen Amtsrichters Hermann Buschbeck ist derzeit das Gesprächsthema in Hanauer Justizkreisen. Der Jurist, der Jahrzehnte das Schöffengericht im Saal A 19 geleitet und geprägt hatte, ist in der vergangenen Woche im Alter von 90 Jahren gestorben.

Hanau - Jeder, ob Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Schöffen, Justizbedienstete, Gerichtsreporter und alle, die am Hanauer Amtsgericht vor dem Januar 1996 zu tun hatten, kennen seinen Namen. Und seine unnachahmliche Art, mit der der Mann des Gesetzes für Recht und Ordnung – und eine Fülle von Anekdoten gesorgt hat. „Er war ein Unikat“, „ein Original“, „eine Legende“, hieß es in den vergangenen Tagen auf den Gängen des Justizzentrums an der Nussallee, stets verbunden mit Lob und höchster Anerkennung. Und jeder erinnert sich an Anekdoten, in denen Buschbeck immer der Protagonist ist.

Lob von allen Seiten für Richter a.D. Buschbeck

Das Erstaunliche: Obwohl er manchmal ordentliche Strafen verhängen musste, war Buschbeck auf allen Seiten beliebt. „Bei seiner letzten Verhandlung hat sich der stadtbekannte Angeklagte für die stets faire Verhandlung bedankt“, erinnert sich die Hanauer Rechtsanwältin und Strafverteidigerin Gabriele Berg-Ritter.

Verblüfft hat Buschbeck nicht nur durch seine messerscharfe Urteilskraft, sondern vor allem durch sein Gedächtnis. „Wenn es um einen Unfall ging, kannte er nicht nur die Unfallbeteiligten, sondern auch die Autohändler. Er kannte auch das Publikum. Oder wenn nicht, dann hat er solange nachgefragt, bis er es erfahren hat“, so Berg-Ritter weiter.

Urteile manchmal erst um 20 oder 22 Uhr

Kein Wunder also, dass am Hanauer Amtsgericht früher die Lichter im Schöffengerichtssaal erst um 20 Uhr, manchmal sogar erst um 22 Uhr gelöscht wurden – wenn das Urteil gesprochen war. Bei seinem Abschied Mitte Januar 1996 war Buschbeck von allen Seiten nicht nur als „idealer Richter“, sondern auch als „Gedächtnis des Amtsgerichts Hanau“ gelobt worden. Unsere Zeitung hatte getitelt: „Datenbank im Kopf“.

Berufsverbot gegen Hanauer Firma Pintsch

Buschbeck, der gerne auch mal die Klingen kreuzte, war vor allem bekannt dafür, dass er „Deals“ über Schuld und Unschuld sowie die Höhe der Strafe kategorisch ablehnte, weil sonst die Schöffen übergangen worden wären. Das Berufsverbot gegen die damalige Altölfirma „Pintsch“ im Hanauer Hafen – einer der größten Umweltskandale in Hessen – trägt ebenso seine Unterschrift wie der Durchsuchungsbefehl für ein Ministerium.

Und bei allem Ernst der Sachen, die er zu verhandeln hatte, war Buschbeck immer für eine große Portion Humor bekannt. Beispielsweise im Fall eines jungen Kleinkriminellen Anfang der 90er Jahre, der an den beiden Hanauer Krankenhäusern Patienten bestohlen hatte. Pech für den Angeklagten: Er stand nicht zum ersten Mal vor Richter Buschbeck und fing sich schließlich eine mehrmonatige Freiheitsstrafe ein – ohne Bewährung. Da die Polizei dem Ganoven schließlich auf die Schliche gekommen war und das stibitzte Bargeld „in einer Körperöffnung“ sichergestellt hatte, ging die Beute an den rechtmäßigen Besitzer zurück.

Hanauer Richter sorgt für viele Anekdoten

Diese Tatsache veranlasste den Vorsitzenden, nach der offiziellen Urteilsbegründung in der Rechtsbelehrung eine weitere richterliche Feststellung zu treffen: „Dem Amtsgericht Hanau ist heute endlich der Beweis gelungen: Geld stinkt nicht!“ Am hartnäckigsten hält sich diese Anekdote: Wenn sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu sehr in den Haaren hatten, ließ Richter Buschbeck die beiden Parteien einfach zappeln: Er hat mit den Schöffinnen im Beratungszimmer die Kaffeestunde etwas verlängert. Die Prozessbeteiligten im Saal haben sich gewundert, dass es solange dauert.

Hermann Buschbeck, 1931 in Niederschlesien geboren hatte nach seinem 2. Staatsexamen an der Goethe-Universität Frankfurt 1960 als Amtsanwalt in Hanau begonnen, wechselte 1964  ans Amtsgericht und war seit 1978 bis zu seinem Ruhestand stellvertretender Amtsgerichtsdirektor. Außerdem war er lange Jahre Vorsitzender der Kreissynode der evangelischen Kirche Hanau-Land sowie Mitglied beim Rotary-Club Hanau-Maintal. (Von Thorsten Becker)

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