„Hanauer Klimabecher“ ist bisher kein Erfolg beschieden

Coffee to go sorgt für Müllflut

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Kein Erfolgsmodell: Der „Hanauer Klimabecher“.

Hanau - Die Zahlen sind gewaltig, die Müllberge sind es auch: 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher werden pro Jahr in Deutschland weggeschmissen. Allein in Hanau sind es 3,2 Millionen. Die Bemühungen, gegen die Becherflut vorzugehen, wirken vergleichsweise bescheiden. Von Christian Spindler 

Freiburg sorgt nun mit einem Vorstoß für Aufmerksamkeit. Die Bestrebungen in Hanau indes sind bislang im Ansatz stecken geblieben. Auf dem Weg zur Arbeit schnell noch beim Bäcker an der Ecke einen Kaffee mitnehmen oder beim Tanken eine Latte Macchiato für unterwegs - für viele gehört das zum Alltag. Ausgeschenkt wird in Coffee-to-go-Pappbechern, die kurz darauf im Abfall landen. Und das in schier unvorstellbaren Mengen. Laut Deutscher Umwelthilfe kauft sich, statistisch gesehen, jeder Bundesbürger 34mal pro Jahr einen Kaffee im Wegwerfbecher. 320.000 Becher werden jede Stunde weggeschmissen. Würde man alle in Deutschland jährlich verkauften Coffee-to-go-Becher zusammenlegen, käme eine 300.000 Kilometer lange Kette zusammen - siebenmal rund um die Erde.

Und der Trend zum Wegwerf-Kaffeebecher geht weiter - „eine Entwicklung, die man nicht gutheißen kann“, sagt auch Hanaus Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne). Doch was dagegen tun? Aufmerksam beobachtet man im Hanauer Rathaus das neue Freiburger Modell. Die Uni-Stadt im Badischen hat ein Pfandsystem eingeführt. 16 Cafés und Backshops in der Innenstadt beteiligen sich daran, schenken Coffee to go im „Freiburg Cup“ aus, einem Mehrwegbecher, für den man einen Euro Pfand bezahlt und den man in allen 16 Läden zurückgeben kann.

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Einen Mehrwegbecher gibt es auch in der Brüder-Grimm-Stadt. Der „Hanauer Klimabecher“ ist indes kaum bekannt. Im vorigen Jahr wurde er von der städtischen Klimaschutzbeauftragten vorgestellt. Der von einem Hanauer Unternehmen produzierte wiederverwertbare und umweltfreundliche Kaffeebecher soll verkauft werden als Alternative zu Wegwerfbechern. Bisher mit bescheidenem Erfolg. „Rund 500 Klimabecher“ wurden bis dato verteilt“, sagt Joachim Haas-Feldmann, Pressesprecher der Stadt. Viele davon dürften Werbegeschenke gewesen sein. Fünf Verkaufsstellen gab es anfangs. Übrig geblieben sind zwei: Der Hanau-Laden am Freiheitsplatz und der Main-Genuss-Laden am Heumarkt. Die anderen Cafés, in denen man die Becher auch befüllen lassen konnte, sind nach Auskunft der Pressestelle wieder ausgestiegen. Ein Fehlstart. „Wir suchen momentan Befüller“, sagt Haas-Feldmann. Doch Kooperationspartner zu finden, „ist nicht einfach“. Der „Hanauer Klimabecher“ ist mit einem Verkaufspreis von 6,50 Euro auch vergleichsweise teuer.

Tschüss Tüte und To-go-Becher: Umweltfreundliche Verpackung

Das Freiburger Modell mit den 1-Euro-Pfandbechern, die angeblich bis zu 400mal benutzt werden können, klingt da attraktiver. Das sei „keine schlechte Sache“, meint auch der Hanauer Umweltdezernent. „Wir werden uns das genau anschauen.“

Kowols Parteifreundin, die grüne hessische Umweltministerin Priska Hinz, hatte im Frühjahr Cafés, Bäckereien, Tankstellen und Geschäfte, die Kaffee oder andere Heißgetränke ausschenken, aufgefordert, sie sollten ihren Kunden mindestens zehn Cent Rabatt geben, wenn diese auf den Wegwerfbecher verzichten und einen eigenen Mehrwegbecher mitbringen. Angesichts der jährlich 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher im Lande nicht mehr als ein zarter Appell.

Immerhin 43 000 Bäume müssen gefällt werden, um jedes Jahr die Menge der in Deutschland ausgegebenen Einwegbecher herzustellen. Für die Produktion eines einzigen Pappbechers wird laut Umwelthilfe etwa ein halber Liter Wasser benötigt; fürs Spülen eines Mehrwegbechers sind es lediglich 70 Milliliter.

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