Hochspannendes Finale

Kurzfilmfestival überzeugt mit kreativen Beiträgen

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Um diese begehrten Preise ging es am Sonntagabend vor großer Kulisse im Hanauer Kinopolis beim Finale des Jugend-Kurzfilmwettbewerbs „Jung & Abgedreht“. Insgesamt 27 Wettbewerbsbeiträge in vier Kategorien wurden für die Schlussrunde zugelassen.

Hanau - Hochspannend und anregend war das Finale des Hanauer Jugenkurzfilmfestivals „Jung & Abgedreht“ 2016 am Sonntag im großen Saal des „Kinopolis,“ wo Jury und Publikum die besten Filme von 27 zum Wettbewerb zugelassenen Beiträge in vier Kategorien wählen mussten. Von Dieter Kögel 

Keine einfache Aufgabe bei der hohen Qualität aller gezeigten Arbeiten. Trost für die jungen Filmemacher, die keine der begehrten Trophäen und Preise zugesprochen bekamen, spendete Hanaus Jugenddezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Alleine die Tatsache, beim Wettbewerb dabei zu sein, sei schon eine Auszeichnung. „Themen, die Euch bewegen, die sonst keine Stimme bekommen,“ wolle das Festival präsentieren, sagte Anna Jagust von der Arbeiterwohlfahrt, die das Festival seit einigen Jahren federführend ausrichtet. Mittlerweile sei aus dem ursprünglich regionalen Filmfest ein bundesweit, ja über die Landesgrenzen hinaus bedeutendes und beachtetes Festival geworden, wie die Beiträge aus anderen europäischen Ländern zeigten. Und wenn die insgesamt 18 Unterstützer und Sponsoren bei der Stange blieben, dann werde das Hanauer Kurzfilmfestival mit Sicherheit weitergeführt, versprach Jagaust. Das hofft auch der in Hanau geborene Schauspieler und Schirmherr des Festivals, Dominic Raacke, der dem Filmfest per Grußbotschaft, verlesen von Moderatorin Dominique Macri, Erfolg wünschte.

Moderatorin Dominique Macri führte durch das Programm.

Jeweils fünf Minuten hatten die Filmemacher höchstens Zeit, um ihre Geschichten zu erzählen. Aber fünf Minuten können auch ausreichen, um ein ganzes Leben zu erzählen. Wie das der ewige „Nö“-sagenden Zeichentrickfigur „Winfried,“ die in lebenslanger Ablehnung von Allem und Jedem von der Wiege bis zur Bahre stolpert. Ein Schaf knabbert schließlich die aus Winfrieds Grab wachsende Blume ab, verzieht allerdings angewidert das Gesicht und spuckt sie wieder aus. Mit einem entschiedenen „Nö“. Das Plädoyer für mehr Optimismus von Jana Lenhard lief in der Kategorie der „Young Professionals“ und überzeugte die Jury: Platz Eins. Mit dem Kurzfilm „War“ sicherte sich bei den 14- bis 18- jährigen Filmemachern Frederic Rasor den ersten Platz. In die Bilder eines unbeschwerten Fußballspiels von vier Jugendlichen blenden sich plötzlich die Zielbilder bildschirmgesteuerter Drohnen ein. Das Geräusch von Detonationen beendet nicht nur das Fußballspiel, sondern gleichsam die Jugend der Protagonisten. Die Flucht beginnt, ob sie am Sandstrand eines fremden Landes tatsächlich endet, hängt auch von uns ab. „Denn Flüchtlinge haben keine Wahl – Du schon,“ so der eindringliche Appell für Solidarität.

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Liebe ist keine einfache Sache. Aber sie könnte es doch eigentlich sein. Das zeigt Benedikt Knopp in seinem Film „Szene vor einer Haustür“. Da will es dem jungen Mann gar nicht gelingen, seine Gefühle zu zeigen. Knopps Filmtrick: Tür nochmal zu, Reset, Neustart. Mit Offenheit und Ehrlichkeit, auch wenn die Hände schweißnass werden. Immerhin ist der leidenschaftliche Kuss der Lohn. Und dem Filmemacher bescherte der Mut zum Gefühl den ersten Platz in der Kategorie der 19- bis 27-jährigen Amateure. Das Musikstück „Der letzte Wilderer“ der Gruppe „Dieselknecht“ hatte Jakob Reuter in ein nahe gehendes Musikvideo übersetzt, bei dem ein ehemaliger NVA-Grenzsoldat aufgrund eines Zwischenfalls an der Mauer in tiefe seelische Nöte gerät. Für die Jury überzeugend, Platz eins in der Sparte der Musikvideos. Den Nerv des Publikums traf der kurze Streifen „Ping“ von Sebastiano Trebastoni. Humorvoll und doch kritisch, zeigte der junge Filmemacher, wie einem das tägliche Leben mit der Fernbedienung in der Hand entgleiten kann.

Über zwei Stunden Kurzfilmabenteuer gab es alleine in der Wettbewerbskategorie auf Augen und Ohren. Und während sich die Jury zur Beratung zurückgezogen hatte, waren auf der Großleinwand die Arbeiten von Filmemachern aus Hanau und Umgebung zu sehen. Außer Konkurrenz in der erstmals eingeführten Kategorie „Regionale Helden“. Denn das Jugendkurzfilmfestival fühlt sich seinem Anspruch nach wie vor verpflichtet, regionale Filmkünstler zu fördern und ihnen eine Plattform zu bieten.

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