Immer dem Pfeil nach

Hanauer Museen bereiten sich auf die Wiedereröffnung am Wochenende vor

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Letzter Schliff im Klein-Auheimer Radwerk: Zahlreiche Ehrenamtliche treffen sich in der Gutenbergstraße, um dem Staub den Garaus zu machen.

Am Wochenende dürfen die Hanauer Museen wieder öffnen. Nun bereiten sie sich darauf vor.

Nach über zwei Monaten sehen die Böden des Radwerks zum ersten Mal wieder Besen und Mopp. „Hier hat sich ganz schön viel Staub angesammelt“, sagt Rosel Bertold, die sich mit zahlreichen weiteren Ehrenamtlerinnen in der Gutenbergstraße 7 zum Abschlussputz getroffen hat. Mit viel Abstand untereinander feudeln sie Vitrinen, stauben Exponate, Tresen und Fensterbänke ab: Das Museum soll für den ersten Besuch nach der Corona-Pause pikobello aussehen. Etwa eine Woche lang haben die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Vorbereitungen für die Wiedereröffnung unter neuen Vorzeichen getroffen. 

Hilfestellung geben die Richtlinien des hessischen Museumsverbandes, die auch vom Hanauer Corona-Krisenstab abgesegnet wurden. Kreppband-Pfeile auf dem Fußboden markieren das Einbahnstraßensystem durch die Halle. Zugänge zur Sonderausstellungsfläche werden mit Aufstellern versperrt. „So vermeiden wir Wegkreuzungen“, sagt Museumsleiter Detlef Hellmann. Nur an den Türen am Eingang gebe es noch Engstellen. Deshalb dürfen sich auch nur sechs Leute im Wartebereich aufhalten. 

Maximal 30 Personen im Radwerk

Für den ersten offenen Sonntag nach dem Shutdown hat Hellmann drei Personen pro Schicht eingeteilt: Eine am Einlass, die die Besucher begrüßt, eine an der Theke, die die Personen (maximal 30) zählt und eine im Ausstellungsraum. Maske ist für jeden Besucher Pflicht. Touch‧screen, Hörstation und Flyer, also alles, was mehrere Menschen anfassen würden, wurde weggeräumt. Hellmann deutet auf die Liste am Eingang, gleich neben einer handvoll desinfizierter Kugelschreiber. In allen Museen und Gastrobetrieben liegen künftig Listen aus, in die Besucher ihre Personalien eintragen müssen, damit eine mögliche Infektionskette nachverfolgt werden kann. „Sie werden drei Wochen aufgehoben“, so der Radwerk-Leiter. 

Gleich nebenan arbeitet auch das Café Kuchen-Stil auf die Öffnung hin. Es war die vergangenen Wochen schon im To-Go-Betrieb geöffnet. Ab morgen ist dort wieder Gastro-Betrieb mit Bedienung an den Tischen erlaubt. Auch hier ist Abstand angesagt: Zwölf Personen dürfen drinnen, rund 20 draußen sitzen. „Gäste sollten unbedingt reservieren“, empfiehlt Betreiberin Daniela Pogadl, die mit ihrem Mann Stefan den Laden am Wochenende zunächst alleine wuppen will. 

Daniela Pogadl gibt sich zuversichtlich

Und das wird nicht leicht. Sie müssen Gäste separat an den Platz

Daniela und Stefan Pogadl von der Kuchen-Stil-Manufaktur bereiten sich auf die Öffnung des Cafés vor.

führen, darauf achten, dass alle beim Besetzen und Verlassen des Platzes Maske tragen: Nur am Tisch darf sie abgenommen werden. Die Gäste bekommen außerdem die Liste für ihre Personalien an den Tisch gebracht. Dazu kommt: Selbst peinlichst auf Hygienerichtlinien achten, regelmäßig lüften, Speisen und Getränke bringen und abräumen, den To-Go-Verkauf abwickeln. Daniela Pogadl gibt sich zuversichtlich. „Ich denke das wird gut klappen, die Leute sind ja mittlerweile schon an die Masken und Hygieneregeln gewöhnt.“ 

Im Goldschmiedehaus achtete man bei der Schutzscheibe auch auf die Optik

Bereits am Freitag lässt das Deutsche Goldschmiedehaus wieder Besucher ein: Maximal 15 auf einmal, auch hier ist Gesichtsmaske Pflicht. Chefin Christianne Weber-Stöber war es wichtig, dass das Schutzglas vor der neu gestalteten Theke sich gut in die Optik einfügt. „Wir haben das von einem Fachbetrieb anfertigen lassen, das hat ordentlich was gekostet“, sagt sie. Aber die Investition lohne sich: „Bis Jahresende werden wir ihn ganz sicher nicht abbauen.“

Schicker Schutz vor Viren: Die Theke des Goldschmiedehauses mit neuem Spuckschutz. Das Museum in der Altstadt macht den Anfang: Es hat schon ab dem heutigen Freitag wieder geöffnet.

Die Wege durch die aktuellen Ausstellungen werden durch grüne Pfeile am Boden angezeigt. Bänke und Stühle sind weggeräumt, auch der Werkstattbereich im Keller ist abgeklebt. Schließfächer und Garderoben dürfen nicht benutzt werden. Die Endabnahme hat, wie auch in den anderen Museen, der Hygienebeauftragte Sven Holzschuh aus dem städtischen Corona-Krisenstab gemacht. „Wir freuen uns sehr, dass wir wieder drei Tage aufmachen dürfen“, sagt die Leiterin. Wie die Besucher das Abgebot annähmen, müsse man sehen. „Ich denke nicht, dass es einen Ansturm geben wird“. 

Weil das Museum nicht genug Absperrpfosten für die neue Wegeführung hatte, wurde improvisiert

Nina Schneider und ihre Kollegen von Schloss Philippsruhe sind ebenfalls fleißig: Die 42 neuen Absperrpfosten und rote Aufkleber für den Boden müssen noch platziert werden.

Dieser Prognose schließt sich auch Nina Schneider aus dem Museum Schloss Philippsruhe an. „Aber es haben eine ganze Reihe Leute angerufen, weil sie wissen wollten, wann sie die Ausstellung 'Leben im Krieg' sehen können.“ Am heutigen Freitag werden die letzten Vorbereitungen für die morgige Öffnung getroffen. Das Erlebnismuseum „Grimms Märchen Reich“ und das Papiertheatermuseum bleiben geschlossen. Aber das Café darf wieder öffnen. Die neuen Betreiber Dino und Dani Keshishi mussten die „Marie“ nur wenige Tage nach ihrer Premiere wegen des Shutdowns schließen. „Wir sind gespannt, wie es läuft“, sagt Dino Keshishi. 

Weil das Museum nicht genug Absperrpfosten für die neue Wegeführung hatte, wurde improvisiert: „Mario Müller, der normalerweise für den Ausstellungsbau zuständig ist, hat uns auf die schnelle 42 Stück geschreinert“, erzählt Nina Schneider. Die Besucher, 50 sind erlaubt, werden in einem Einbahnsystem durchs Schloss geführt. Erfasst werden sie per Zählgerät: Weil Ein- und Ausgang sind voneinander getrennt sind, muss sich das Personal auch per Blickkontakt über Zu- und Abgänge abstimmen.

Engstellen, wie die schmale Treppe ins Obergeschoss müssen dauernd überwacht werden: Wenn jemand runter kommt, darf keiner rauf. Statt der üblichen drei bis vier Personen sind ab morgen acht bis neun Mitarbeiter für Kasse und Aufsicht eingeteilt. „Wir müssen testen, wie das läuft“, sagt Scheider. Ob das alles klappt und wo noch nachgebessert werden muss, wird sich wohl erst im laufenden Betrieb zeigen.

Diese Museen öffnen am Wochenende wieder

- Historisches Museum Schloss Philippsruhe: Dauerausstellung und Sonderausstellung „Leben im Krieg – Perspektiven auf Hanau im zweiten Weltkrieg“, Samstag und Sonntag, 11 bis 18 Uhr, Museumscafé jeweils ab 12 Uhr. 

- Radwerk Klein-Auheim: Sonntag 13 bis 17 Uhr, Café Kuchenstil Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr. 

- Deutsches Goldschmiedehaus: „Cool in the Pool / Stadtgoldschmiedin Silvia Weidenbach“, „Highlights der hauseigenen Sammlung“, „Expedition – Berufskolleg Pforzheim“, Freitag, Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr 

Mitmachmuseen wie das „GrimmsMärchenReich“ und das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum sowie die Museen in Großauheim und Steinheim bleiben geschlossen.

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