Bekannt durch seine Band "Twens"

Jörn Rausers neues Buch „Rock'n'Roll Trash“ ist eine Hommage an seine wilde Zeit

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Mit pinkfarbenem Mustang: So fährt der Rock'n'Roller seit Jahrzehnten durch Hanau.

„Der Lange“, wie sie ihn früher mit seinen 1,90 Metern nannten, biegt mit seinem pinkfarbenen Ford Mustang auf den Parkplatz ein. Die Sonnenbrille auf der Nase, die Zigarette im Mundwinkel. 

Der letzte verbliebene Parkplatz scheint ihm etwas eng, also stellt Jörn Rauser seinen „Pink Panther“ etwas unkonventionell schräg an der Seite ab. Auf einen Handschlag mit dem bereits am Verlagshaus wartenden Redakteur verzichtet die Hanauer Rock'n'Roll-Größe angesichts Corona. Aber Rauser gibt gleich zu verstehen: Vom Virus lässt er sich auch mit 78 Jahren nicht zu sehr beeindrucken.

„Ich halte Abstand, aber ich lebe weiter wie gewohnt, gehe auf den Markt und treffe Leute. Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken ist doch so hoch, wie dreimal hintereinander einen Pasch zu würfeln. Das ist mir alles zu viel Hysterie.“ Drum hat er auch den Mundschutz im Auto gelassen. Rauser ist Cowboy geblieben, wenngleich seine wilden Zeiten längst vorüber sind. Wie wild die waren, das kann nun jeder in seinem neuen Buch nachlesen.

120 Seiten voller Rock'n'Roll

In „Rock'n'Roll Trash“ erinnert sich Rauser auf 120 Seiten an lustige, skurrile und häufig auch erotische Erlebnisse aus den 60er Jahren, als er mit den „Twens“ durch Deutschland tingelte. Als er mit Glitzerklamotten und Gelfrisuren auf der Bühne stand und nach den Auftritten Groupies nach Hause fuhr (oder woanders hin). Mehr episodenhaft als autobiografisch erzählt Rauser von Musik und Mädels. Auch seine Bandkollegen tauchen im Buch auf.

Vor allem aber zeichnen die Geschichten ein Bild des Mannes, der mit 18 das Elternhaus verließ – mit dem Ziel, Profimusiker zu werden. Einige Jahre stand er auf vielen Bühnen, später gründete er seine eigene Firma, die heute noch mit Textil-Aufnähern erfolgreich auf dem Markt ist. Die Erzählungen geben zudem tiefe Einblicke in den damaligen Zeitgeist, zumindest aus Männer- und Rock'n'Roller-Sicht. „Das war ja nur 15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg“, betont Rauser.

Buch für seine Kinder geschrieben

Warum jetzt das Buch? „Ich habe es für meine Tochter und meinen Sohn, Natalja und Mirko, geschrieben. Damit sie verstehen, warum ich so bin, wie ich bin“, sagt der Autor, der es sich auf dem Stuhl bequem gemacht hat. „Die Cowboystiefel, die ich in den 60ern angezogen habe, habe ich nie mehr vom Fuß gekriegt.“ Und der Buchtitel, „Trash“ heißt ja immerhin Müll? Rauser schmunzelt. „Ich wollte den Erinnerungsmüll aus der wilden Zeit mal abladen“, erzählt er. „Darf ich eine rauchen?“, schiebt er gleich hinterher, „ich bin doch der Helmut Schmidt von Hanau?“.

Die Frage hat er nur pro forma gestellt, kurze Zeit später ist die Kippe an. So erzählt es sich gleich viel besser von der wilden Zeit. Cowboy eben. Die wilde Zeit, das war die Nachkriegszeit mit der „suchtähnlichen Lust auf Leben“, wie Rauser in seinem Epilog schreibt.

Mit Freunden die Band "Twens" gegründet

Es war in Hanau die Zeit der Amerikaner, des Rock'n'Roll und der Musikbars. Da gründete er mit seinen Jugendfreunden Harry Baumann, Ted Glehn und Hans Müller die „Twens“. Musiker wie der „Honda-Adam“ und Leslie Link schlossen sich später an. Die Premiere war im Juni 1958 im Lokal „Bernhardseck“. Zwischen 1959 und 1964 folgten Jahre voller Auftritte in der ganzen Republik. „Wir spielten jeden Monat in einem anderen Club“, blickt Rauser zurück.

In dieser Zeit spielen die Geschichten, die er in seinem Buch erzählt, rund 30 an der Zahl. Stellenweise sind sie schlüpfrig und derb, wie die Titel „Sackratten sind lästig!“ und „Sexualkunde in der 'Besenkammer' erwarten lassen, oft muss man schmunzeln. Manche lassen jedoch durchscheinen, dass es nicht nur eitel Sonnenschein im Leben des jungen Rauser gab, wie die Episode „Hunger“. Sie erzählt davon, wie er mit seinen letzten 75 Pfennig bei einem Metzger für seinen Hund eine Tüte mit Wurstenden, Fleischabschnitten und Knochen kauft, da sein vierbeiniger Freund den ganzen Tag nichts gefressen hatte. „Am Ende habe ich um die Ecke auch aus der Tüte gegessen“, erzählt der bekannte Hanauer. Schließlich war das Geld äußerst knapp. Rauser betont dennoch: „Ich möchte aber keinen einzigen Tag vermissen.“

Weggefährten von früher helfen beim Verfassen des Buches

Er sei dankbar für alles, was gewesen ist. Die Geschichten seien ihm wieder eingefallen, als er alte Fotos angeschaut habe. Teilweise hätten Weggefährten von damals geholfen beim Auffrischen der Erinnerung. „Die Fotos der Mädels habe ich einer Keksdose verstaut. Und diese Sammlung hat schon drei Ehefrauen überlebt. Meine jetzige hat die Aufnahmen sogar schon sortiert nach 'nackt' und 'angezogen'“, sagt er und lacht.

Rauser lebt heute in dritter Ehe. „Ich hatte immer gesagt, ich werde nie heiraten.“ Doch als sein erstes Kind unterwegs war, habe er sich der „Verantwortung gestellt“, wie er sagt. Ob heute alles noch so wild ist wie damals? Beileibe nicht. „Ich bin sehr naturverbunden.“ Morgens und abends sei er im Wald unterwegs. Nach dem Leben von damals suche er die Ruhe. „Ich brauche kein Rambazamba mehr.“ Naja, ein kleines bisschen vielleicht doch noch. Zu seinem 80. Geburtstag am 2. Dezember 2021 plant Rauser ein Abschiedskonzert im Comoedienhaus mit befreundeten Musikern, verrät er in unserem Gespräch abschließend.

Verkaufsstellen

Das Buch „Rock'n'Roll Trash“ im Paperback-Format ist bei folgenden Verkaufsstellen zum Preis von 14,80 Euro erhältlich: Buchladen am Freiheitsplatz, Am Freiheitsplatz 6; Bücher bei Dausien, Salzstraße 18; Aral Center Fischer, Maintaler Straße 20 a; Links Musical Instruments, Marktstraße 24 und Viel & Seitig, Am Markt 8 b.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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